TTollpatsch Grisu bricht das Eis: Wer unterstützt die Helfer aus Ohrensen?
Golden Retriever Grisu ist eines der helfenden Tiere beim Verein Helfende Tiere in Ohrensen. Foto: P. Meyer
Golden Retriever Grisu, Stute Ella und Ziege Betty helfen Menschen. Damit das so bleibt, sucht der Verein Helfende Tiere jetzt Paten, die ihre Arbeit unterstützen.
Ohrensen. Wer auf den Therapiehof des Vereins Helfende Tiere in Ohrensen kommt, wird freudig von Golden Retriever Grisu begrüßt. Er ist eines der Tiere, die hier im Einsatz für Menschen sind, die geistig, körperlich oder seelisch beeinträchtigt sind. Neben Grisu und zwei weiteren Hunden sind auch sechs Pferde und drei Ziegen Teil der tiergestützten Interventionen, die der therapeutische Leiter Sebastian Cramer gemeinsam mit seinem Team anbietet.
Leiter des Vereins Helfende Tiere: Sebastian Cramer gemeinsam mit Stute Ella und Golden Retriever Grisu. Foto: P. Meyer
„Grisu ist unser Begrüßungskomitee“, stellt Cramer seinen elfjährigen Rüden vor, der sich über jede Streicheleinheit freut. Mit seiner freundlich-tollpatschigen Art sorgt Grisu für eine entspannte Atmosphäre, in der sich die Klienten - meist Kinder und Jugendliche - schnell wohlfühlen. Genau das sei entscheidend, betont Sebastian Cramer: „Wir legen Wert auf die Verbindung zur Natur und wollen keine sterile Umgebung wie in einer Arztpraxis.“
Hof-Oma: 31 Jahre alte Stute Ruby ist besonders beliebt
Auf den Hof kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen: mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen, traumatischen Erfahrungen, psychischen Erkrankungen, Ängsten oder Konzentrationsschwierigkeiten. Beim ersten Treffen dürfen sie sich ein Tier aussuchen, mit dem sie arbeiten möchten. „Die Präferenzen sind ganz verschieden“, sagt Cramer, der unter anderem Sozialpädagogik und Soziale Arbeit studiert hat.

Stute Ruby ist 31 Jahre alt und damit die Hof-Oma. Foto: Fiene Lünsmann
Stute Ruby sei beispielsweise sehr beliebt: Wegen ihres auffälligen weißen Felles, vermutet Cramer. Oder weil sie besonders erfahren ist. „Mit 31 Jahren ist sie unsere Hof-Oma“, so Cramer. Geritten wird sie nicht mehr, doch für Bodenarbeit, Pflege und Spaziergänge steht sie weiterhin zur Verfügung. Wie alle Tiere darf sie ihren Lebensabend auf dem Hof verbringen.
Kuschel-Ziege Betty hört aufs Wort
Das Stärken der Selbstständigkeit spielt in der Arbeit von Sebastian Cramer und seinem Team eine zentrale Rolle. Die Klienten holen Halfter, Bürsten und andere Utensilien möglichst eigenständig. Alles hat seinen festen Platz, ist farblich markiert und mit Brailleschrift versehen. So kann jeder teilhaben.
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Auch die Ziegen sind fester Bestandteil der Therapie. „Viele Kinder und Jugendliche sind begeistert von ihnen“, sagt Sebastian Cramer. Ziege Betty etwa ist besonders zutraulich. Sie kuschelt gern, ist offen, aufmerksam und folgt auf Spaziergängen zuverlässig: Und das ganz ohne Leine. „Sie hört so gut wie ein Hund“, sagt Cramer lachend.

Ziege Betty hilft durch ihre freundliche und aufmerksame Art. Foto: Fiene Lünsmann
Diese Spaziergänge sind nicht nur Bewegung, Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten lernen hier auch Geduld: Wenn Betty stehen bleibt und gemütlich grast, wird gewartet. Gleichzeitig lenkt der Therapeut die Aufmerksamkeit auf die Sinneseindrücke des Klienten: Was ist zu hören, zu sehen, zu riechen? So entsteht ein Zugang zur Natur und zur eigenen Wahrnehmung.

Auf Spaziergängen mit dem aufgeweckten Pony Fialla können Kinder die Natur entdecken. Foto: Fiene Lünsmann
Wie wirksam diese Form der Therapie sein kann, hat Sebastian Cramer selbst früh erlebt. Aufgewachsen in der Region, fiel ihm das Vokabellernen als Kind schwer. Eine Freundin der Familie lud ihn damals zum Lernen auf ihre Pferdeweide ein - mit überraschend positivem Effekt. „Das war der Durchbruch“, erinnert er sich. „Da habe ich selbst erlebt, wie tiergestützte Therapie funktioniert.“
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Für ihn ist das Tier eine Brücke. Über die Beziehung zum Tier finden Kinder und Jugendliche Zugang zu ihren Gefühlen. Sie lernen, Körpersprache zu deuten, Bedürfnisse zu erkennen. Zunächst beim Tier, dann bei sich selbst. „Es ist wichtig, dass sie über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen“, sagt Cramer. Gerade für Menschen, die oft auf Hilfe angewiesen sind, sei das nicht immer selbstverständlich.
Hilfe für Ella, Betty, Ruby und die anderen tierischen Helfer
Mit Stute Ella ist kürzlich ein neues Tier auf den Hof gekommen. Die ruhige Kaltblutstute eignet sich durch ihre Größe auch für erwachsene Klienten und bringt viel Erfahrung und Gelassenheit in die Arbeit. Genau wie die anderen Tiere auf dem Hof hat Ella eine Grundausbildung genossen, die sie für die Arbeit auf dem Hof qualifiziert. „Alles andere lernen sie bei uns“, erklärt Cramer. Trainingseinheiten, Arztbesuche und Therapiestunden werden in einem eigenen Heftchen dokumentiert.

Ziegenbock Phoebus (rechts) mit seiner Mama Lotte. Foto: P. Meyer
Dass der Verein den Hof kaufen und ausrüsten konnte, ist einer Spende von 440.000 Euro aus dem RTL-Spendenmarathon 2024 zu verdanken, bei dem Monica Lierhaus das Projekt als Patin unterstützte. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, sagt Sebastian Cramer.
Doch der Alltag bleibt weiterhin kostenintensiv: Futter, Tierarzt und Personal verursachen immense Kosten. „Wir suchen daher Tierpaten, die unsere Arbeit unterstützen möchten“, erklärt Sebastian Cramer. Der Beitrag ist frei wählbar, damit jeder helfen kann, der möchte.
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Kontaktinformationen finden sich auf der Internetseite des Vereins.
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