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Behörden-Ärger

TTollwut bei Hunden? – Ärztin fühlt sich vom Veterinäramt überrumpelt

Zahnärztin Gudrun Ochsenfarth hat ein Herz für Tiere. Auf ihrem Handy ist das Foto eines Hundes aus Russland, der mittlerweile ein neues Zuhause gefunden hat. Davor gab es Ärger mit dem Veterinäramt.

Zahnärztin Gudrun Ochsenfarth hat ein Herz für Tiere. Auf ihrem Handy ist das Foto eines Hundes aus Russland, der mittlerweile ein neues Zuhause gefunden hat. Davor gab es Ärger mit dem Veterinäramt. Foto: Kul

Ein importierter Hund aus Russland, der an den Folgen des Tollwut-Virus stirbt, zieht weite Kreise - bis in den Stader Nachbarkreis, wo die Behörden Kontrollen veranlassen. Die Hintergründe.

Von Ismail Kul Dienstag, 17.03.2026, 08:20 Uhr

Schiffdorf. Gudrun Ochsenfarth ist aufgebracht. Die Zahnärztin aus Schiffdorf ist leidenschaftliche Tierliebhaberin – in ihrem Haus mit Garten leben fünf Hunde und mehrere Katzen. Über einen Tierschutzverein aus Süddeutschland werden ihr Hunde aus Russland vermittelt, die von dort in Deutschland eine neue Familie finden können. Viele dieser Tiere stammen aus schlimmen Verhältnissen. „Betonbunker ohne Fenster“, sagt Ochsenfarth.

Anfang des Jahres gerieten deutsche Veterinärämter in Aufruhr, nachdem bei einem Hund aus Russland in Rheinland‑Pfalz Tollwut nachgewiesen worden war. Deutschland gilt seit 2008 als frei von Tollwut bei landlebenden Säugetieren. Diese lebensgefährliche Virusinfektion wird meist durch Bisse oder Kratzer infizierter Tiere übertragen – meist Hunde oder Fledermäuse.

Gefahr durch importierte Tiere aus dem Ausland

Doch Veterinärbehörden sehen weiterhin ein Risiko durch importierte Hunde oder Katzen, vor allem wenn Einreisebestimmungen nicht genau eingehalten werden. Das tollwutkranke Tier aus Rheinland‑Pfalz stammte aus Russland – ein Fall, der bundesweit Alarm auslöste. Mittlerweile ist das Tier verstorben.

Mitte Februar standen Mitarbeiter des Veterinäramts Cuxhaven und die Polizei vor Ochsenfarths Tür. Alle fünf Hunde sollten sofort beim Tierarzt in Wehdel auf Tollwut getestet werden. Kosten: 1300 Euro – die Zahnärztin musste sie selbst tragen.

Schiffdorferin fühlt sich an US-Polizei ICE erinnert

Vor allem die Art des behördlichen Vorgehens empört sie. „Das Veterinäramt hat mich wie die ICE in den USA an der Wohnungstür überrascht und gezwungen, die Hunde testen zu lassen. Ich war auf dem Weg zum Tierarzt so aufgeregt, dass ich fast einen Unfall gebaut hätte“, erzählt sie.

Ochsenfarth hält das Vorgehen für unverhältnismäßig: „Meine Hunde kamen Ende November. Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis zwei Monate – das war längst vorbei. Sie hatten sicher keinen Kontakt mit dem infizierten Hund in Rheinland‑Pfalz.“ Ihr Fazit: „Die Behörden wissen nicht, wie sie mit einer Krisensituation umgehen sollen.“

Landkreis erklärt eigenes Vorgehen bei Gefahr im Verzug

Der Landkreis Cuxhaven weist die Kritik zurück. Man habe im Sinne der Dringlichkeit gehandelt, betont eine Sprecherin in der Nordsee‑Zeitung. „Es geht potenziell auch um Menschenleben. Wenn telefonisch niemand erreichbar war, erfolgte der Hausbesuch, um keine Zeit zu verlieren.“

Dieser Hund aus Russland fand eine neue Zukunft in Deutschland.

Dieser Hund aus Russland fand eine neue Zukunft in Deutschland. Foto: Kul

Die Maßnahme betreffe Tiere oder ihre Halter, bei denen im Rahmen epidemiologischer Untersuchungen ein Risiko nicht ausgeschlossen werden könne. Zudem könne die Inkubationszeit bei Tollwut stark variieren – sie könne mehrere Monate oder sogar Jahre betragen.

Kostenübernahme bei angeordneten Untersuchungen

Auch die Kostenfrage bleibt ein Reizthema. Grundsätzlich gilt das sogenannte Verursacherprinzip, heißt es aus dem Landratsamt. Ob im Einzelfall Ausnahmen greifen, werde jeweils geprüft. Zugleich mahnt die Behörde, Tollwut sei eine lebensbedrohliche Krankheit. Tierärzten und Reisenden in Endemiegebiete wird eine regelmäßige Impfung empfohlen.

Heute ist der Schreck für Gudrun Ochsenfarth zwar vorbei, die Liebe zu Tieren bleibt. Die beiden russischen Hunde, Max und Gina, haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Für ein Tier aus Russland fallen rund 550 Euro an – 450 Euro für den Transport, der Rest für Unterbringung und Auslagen. Trotz allem möchte Ochsenfarth auch künftig Hunden helfen, die sonst kaum eine Chance hätten.

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