TTor mit Folgen und geknackte Schallmauern: So irre lief die Stader Saison
Das Tor von Calvin Offermann hatte reichlich Gerstensaft zur Folge (Symbolbild). Foto: Struwe
Diese Fußballsaison im Kreis Stade hat nicht nur Meisterschaften entschieden, sondern auch verrückte Zahlen geschrieben - von Stürmern mit Tor-Garantie bis zum teuersten Treffer.
Der beste Knipser im Kreis
Jannik Martens vom FC Mulsum/Kutenholz III erzielte in der 4. Kreisklasse wahnsinnige 38 Tore - mehr, als TuS Eiche Bargstedt II (30), TSV Großenwörden II (28) und FC Wischhafen/Dornbusch III (16) als ganzes Team trafen. Der 34-Jährige benötigte dafür nur elf Spiele.
Martens war früher in der Bezirksliga aktiv. „Das ist für jede unterklassige Mannschaft ein gutes Omen“, sagt Trainer Tim Steingräber. „Er weiß definitiv, wo das Tor steht, ist der Zielspieler in der Spitze und weiß seinen Körper einzusetzen. Dementsprechend ist er schwer für den Gegner zu kontrollieren.“ Die Zahlen bestätigen das.

Jannik Martens Foto: Struwe (nomo)
Die Torfabrik
Der TuSV Bützfleth traf auf dem Weg zum Kreisliga-Titel 101 Mal in 28 Spielen, 3,61 Treffer pro Partie. Wahnsinn: Das reicht nicht einmal im eigenen Verein für die Bestmarke.
Die zweite Mannschaft toppte das in der 4. Kreisklasse: 102 Tore in nur 16 Spielen, 6,38 pro Partie. „Bützfleth war schon immer offensiv stark. Ich bin stolz, dass beide Mannschaften die 100-Tore-Marke geknackt haben“, sagt Trainer Engin Yildiz.

Der TuSV Bützfleth hatte vergangene Saison gut lachen. Foto: FuPa
Die Harmlosen
Der MTV Hammah II blieb in der Kreisliga so unauffällig wie kaum ein anderes Team im Kreis: 16 Treffer in 28 Spielen ergeben einen Schnitt von nur 0,57 Toren pro Partie.
Genauso selten zündete FC Wischhafen/Dornbusch III in der 4. Kreisklasse: Auch dort reichte es nur zu 16 Toren, allerdings bei deutlich weniger Spielen. Beide Offensiven bildeten damit das klare Schlusslicht ihrer jeweiligen Liga.
Die größten Schießbuden
In der Kreisliga kassierte der MTV Hammah II die meisten Gegentore im gesamten Kreis: 161 Treffer in 28 Spielen, fast sechs Gegentore pro Partie.
Noch drastischer fällt die Bilanz bei FC Wischhafen/Dornbusch III aus: Dem Team wurden 129 Gegentore eingeschenkt, bei nur 16 Partien - also mehr als acht pro Spiel.
Top: Obwohl beide Teams in ihren Ligen chancenlos waren, zogen sie bis zum Schluss durch. Das verdient Anerkennung.

Hammah gehörte vor dem Tor zu den harmlosesten und in der Verteidigung zu den löchrigsten Teams. Foto: Schmietow/Fupa
Das mächtigste Bollwerk
Den Gegenpol bildet die SV Drochtersen/Assel II: Der Landesliga-Meister kassierte in 30 Spielen nur 22 Gegentore, 0,73 im Schnitt. Das Erfolgsrezept der Kehdinger Mauer: eine gallige Mannschaft, in der jeder Bock auf Ballgewinne hatte und bereit war, für den Mitspieler Meter zu machen.
Das Kunststück: „Den Gegner mit hoher Intensität weit vom Tor weghalten, ohne ins offene Messer zu laufen“, so Trainer Milan Schweiger.

D/A II bestätigt die These „Der Angriff gewinnt dir Spiele, aber die Verteidigung gewinnt dir Titel“. Foto: Struwe
Der Elfmetergott
Wenn der Schiedsrichter auf den Punkt zeigt und Mike Pye zum Elfmeter antritt, kann der Stadionsprecher schon die Tormusik heraussuchen. Der 34-Jährige traf alle sieben Strafstöße.
„Es muss ja auch mal jemanden mit englischen Wurzeln geben, der Elfmeter schießen kann“, scherzt Pye. Sein Erfolgsrezept: Sobald der Schiedsrichter den Ball freigibt, ist Pye im Tunnel. „Mein Blick gilt nur dem Ball.“

Keiner im Kreis trifft Elfmeter so zuverlässig wie Mike Pye. Foto: Lange/Fupa
Der Torhüter soll keine Möglichkeit bekommen, ihn zu verunsichern. Eine große Rolle spielt das Selbstvertrauen. „Wenn man zum Punkt geht, muss man von sich selbst und dem Schuss überzeugt sein. Darf nicht zweifeln“, sagt Pye.
Die Wackelfüße
Die Tipps dürften den schwächsten Elfmeterschützen der vergangenen Saison helfen. Die SV Drochtersen/Assel II bekam sieben Elfmeter zugesprochen, alle Schützen trafen - außer Jan-Miklas Steffens, der zwei von drei vergab. Ebenfalls zwei von drei verschoss Paul Günter. Beide dürften vorerst nicht erste Wahl am Punkt sein.
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Der Steckpass-Spezialist
Bahattin Yilmaz vom TuSV Bützfleth II erzielte mit 40 Jahren 29 Tore in elf Spielen - und legte 23 weitere auf. Kein anderer setzte seine Mitspieler so gut in Szene.
Trainer Yildiz führt das auf die Erfahrung aus höheren Ligen zurück. Gutes Auge, Ballsicherheit und ein präziser Abschluss machen Yilmaz zur Doppelgefahr: als Vollstrecker und Vorlagengeber.
Die Tor-Show
Der TuSV Bützfleth II reiste im April zum FC Wischhafen/Dornbusch III und gewann 16:0. Für den TuSV Bützfleth II war es der höchste Sieg seiner Geschichte. Der zuvor höchste Sieg war nur wenige Monate alt und resultierte aus dem Hinspiel, das der TuSV mit 13:0 gewann.
„Solche Ergebnisse sind immer schön, aber vor allem ist es wichtig, nicht den Respekt vor dem Gegner zu verlieren“, sagt Trainer Yildiz.
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Die Saubermänner
Mit nur sieben Gelben Karten in 16 Spielen ist der TuSV Bützfleth II die fairste Mannschaft im Kreis (Quote: 0,5). Im Schnitt sah die Mannschaft nur in jedem zweiten Spiel eine Gelbe Karte. Ein Traum für jeden Schiedsrichter.
Die Kartensammler
Deutlich mehr hatten die Schiedsrichter beim TuS Harsefeld zu tun: 93 Gelbe Karten in 30 Landesliga-Spielen, dazu drei Gelb-Rote und zwei Rote - Quote 4,03. Das ist der höchste Wert im Kreis.
Die Frühduscher
Die meisten Platzverweise gingen an den MTV Hammah (Bezirksliga) und VfL Fredenbeck (2. Kreisklasse), je vier Rote und eine Gelb-Rote Karte. Beim Fredenbecker Spiel gegen den VfL Güldenstern Stade III kam es sogar zu einem Polizeieinsatz.

Gelbe Karten sind in Harsefeld Routine - manchmal gibt es auch Platzverweise. Foto: Struwe/Fupa
Die Unermüdlichen
Marvin Lindemann (Deinster SV) und Jerome Kröger (VSV Hedendorf/Neukloster) standen in der Bezirksliga 2610 Minuten auf dem Platz. Beide waren jeweils nur ein Spiel nicht im Kader. Trotz defensiver Schwerstarbeit blieben beide fair: Lindemann sah drei Gelbe Karten, Kröger nur eine.
Der Wechselkönig
Baris Duman vom TSV Wiepenkathen spielt hingegen fast nie durch. In 26 Spielen wurde der Offensivspieler 20 Mal vorzeitig vom Platz geholt. Zuvor lieferte der 26-Jährige aber meist ab und kam auf 24 Torbeteiligungen.

Das Spiel beginnt für Fabian Engelhardt weit vor der Einwechslung. Foto: Fupa
Die Kurzarbeiter
Janko Buck und Tim-Lukas Schult vom FC Oste/Oldendorf verfolgten die meisten Spiele zunächst gemeinsam auf der Bank. Die beiden wurden jeweils 18 Mal eingewechselt. Genauso häufig wie Bastian Cohrs, der im Sommer vom FSV Bliedersdorf/Nottensdorf zu Ligakonkurrent Eintracht Immenbeck wechselt.
Der Edeljoker
Was man aus wenig Einsatzzeit machen kann, zeigt Fabian Engelhardt von der SG Freiburg/Oederquart. Der Linksfuß sammelte neun Scorerpunkte, acht davon nach Einwechslungen.
Der 24-Jährige wurde 13 Mal eingewechselt. Sein Trick: Wenn Engelhardt auf der Bank sitzt, genießt er nicht nur das Spiel aus der ersten Reihe, sondern beobachtet das Geschehen. „Ich schaue mir vorher schon an, wie groß der Torwart ist oder wie die Innenverteidigung agiert“, sagt er.

Calvin Offermann ist eigentlich Torhüter und nebenberuflich Torjäger. Foto: Schmietow/Fupa
Das teuerste Tor
Im Heimspiel gegen Hammah II trat Hagens Torhüter Calvin Offermann einen Freistoß in der eigenen Hälfte. Der 20-Jährige visierte einen Mitspieler an, doch der Ball wurde länger und länger. „Ich habe mich schon aufgeregt, weil der Ball nicht dahin ging, wo er hin sollte.“ Offermann drehte sich schon weg, als plötzlich sein Bruder Niklas jubelnd auf ihn zustürmte.
Der Ball war direkt ins Tor gegangen. Calvin Offermann riss die Arme hoch. „Als Torwart denkt man sich vorher keinen Jubel aus“, sagt er. Die Freude seiner Mitspieler war auch aus anderen Gründen groß: „Das Tor war ganz schön teuer. Ich musste zwei bis drei Kisten Bier zahlen“, sagt Offermann - unter anderem, weil es sein erstes Tor war.
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