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Schifferverein

TTradition gerettet: Schipperball bleibt mit Kohl und Köm in Gräpel

In Vereinskluft und mit Grünkohl an der Mütze startet der Schifferverein zur Sammeltour durch Gräpel (von links): Uwe Tiedemann, Günter Lange und Lukas Mundt.

In Vereinskluft und mit Grünkohl an der Mütze startet der Schifferverein zur Sammeltour durch Gräpel (von links): Uwe Tiedemann, Günter Lange und Lukas Mundt. Foto: Klempow

Der Schifferverein Gräpel musste nach der Schließung des Vereinslokals neu planen. Das hat geklappt. Gefeiert wird der Schipperball mit Kohl, Köm und Kapelle.

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Von Grit Klempow
Samstag, 10.01.2026, 10:50 Uhr

Gräpel. Ein Bier und einen Köm zur Stärkung vorweg, dann wollen sie losziehen. In ihren Fischerhemden, mit dem roten Halstuch und dem Elbsegler auf dem Kopf. Allns as jümmers, alles wie immer. Und dann wieder doch nicht. In Gräpel ist Schipperball - ein kleiner Neustart.

Glücksfall in Gräpel

Fröhlich, aber mit einem Schuss Melancholie feierte der Schifferverein Freundschaft vor einem Jahr zum letzten Mal in der Vereinsgaststätte Meier in Gräpel den Schipperball und damit den Abschied von einer langen Tradition. Das Gasthaus ist mittlerweile geschlossen. Aber Gräpel kann sich glücklich schätzen. Welches Dorf hat schließlich zwei Gaststätten? Treffpunkt ist an diesem Donnerstag also Plates Osteblick.

Schipperball anders: Zum ersten Mal trifft sich der Schifferverein zum Auftakt bei Plates Osteblick. Die ehemlige Vereinsgaststätte Meier gibt es nicht. Aber die Gräpeler haben es gut - sie haben immer noch eine Gaststätte im Ort.

Schipperball anders: Zum ersten Mal trifft sich der Schifferverein zum Auftakt bei Plates Osteblick. Die ehemlige Vereinsgaststätte Meier gibt es nicht. Aber die Gräpeler haben es gut - sie haben immer noch eine Gaststätte im Ort. Foto: Klempow

Immer mehr Männer schneien herein, ein erwartungsvolles Strahlen auf dem Gesicht. „Fröhlichen Schipperball!“ Karin Plate reicht frisch Gezapfte über den Tresen. Die vier Tage Schipperball sind für die Gastronomin Neuland. Nicht die Bewirtung mit der Hochzeitssuppe beim Ball. Die zu kochen hat sie schon „von Oma Adelheid und meiner Mama Ilse“ gelernt. Aber Ablauf und Logistik sind für sie und den Verein neu.

Saal ist für den großen Ball zu klein

Denn für den großen Ball ist Plates Saal zu klein. Die Jahreshauptversammlung am Freitag klappt noch. Auch ihre Küche stellt Karin Plate am Sonntag den Frauen zur Verfügung, die den Grünkohl für das Essen am Abend traditionell selbst kochen.

Der große Ball mit Kapelle wird am Sonnabend aber zum ersten Mal in der Schützenhalle gefeiert. 200 Gäste waren im letzten Jahr bei Meier noch einmal dabei - auch in diesem Jahr wollen viele kommen. Wenn es weitergehen soll, müssen eben alle etwas dafür tun. Zum Beispiel, den Wandel zu akzeptieren und den Ball fröhlich zu feiern, auch am neuen Ort.

Schipperball ist Zusammenhalt

Für Gräpel ist der Neustart wichtig. Der Vereinsvorstand hat das neue Prozedere deshalb schon vor Monaten auf Kurs gebracht. Der Schipperball hat es damit auch in den Kirchen-Podcast geschafft: „Es braucht den Mut der neuen Gastwirtin“ und „weite Herzen aller Feiernden, sich auf das Neue einzulassen und es anzunehmen“, sagt Stephanie Müller. Die Pastorin lebt in Gräpel, ist selbst beim Schipperball dabei und weiß, wie wichtig diese Tage für den Zusammenhalt sind.

Das Transportmittel zum Schipperball: Der Bollerwagen in Seglerform wird später mit Grünkohldosen und -gläsern schwer beladen sein.

Das Transportmittel zum Schipperball: Der Bollerwagen in Seglerform wird später mit Grünkohldosen und -gläsern schwer beladen sein. Foto: Klempow

Die Schiffsflaggen jedenfalls hängen schon am neuen Ort. Andreas Rausche reibt sich frohgemut die Hände. Der Vorsitzende hat die Fahnen am Mittwoch mit einem Team in der Festhalle aufgehängt. Sie sind ein Muss für den Schipperball. Die langen, spitzwinkligen Flaggen mit den Namen ehemaliger Schiffe sind der schmucke Verweis auf die lange Schifffahrtstradition der Gräpeler.

Flaggen erinnern an Gräpeler Schiffe

Da ist die Flagge der „Leopard“, ein Kümo von Schiffer Söhl. Oder die „Peter Meyer“. „Die hat mein Vater Barthold in den 80ern gekauft“, erzählt Bernd Peters. Die „Nobiskrug“ war ein Schoner von Johann Steffens. Die „Herold“ war das letzte Binnenschiff von Hans-Hinrich Müller, so Peters. Inzwischen hat Schipper Müller ganz andere Aufgaben: „Er kümmert sich für den Verein um unsere Kleiderkammer“, sagt Andreas Rausche und zupft am Fischerhemd-Ärmel.

Die Flaggen der ehemaligen Gräpeler Schiffe schmücken traditionell den Festsaal zum Schipperball. In diesem Jahr ist es die Schützenhalle in Gräpel.

Die Flaggen der ehemaligen Gräpeler Schiffe schmücken traditionell den Festsaal zum Schipperball. In diesem Jahr ist es die Schützenhalle in Gräpel. Foto: Rausche

Die Männer wollen los. Schnell stecken sie sich noch Grünkohl-Blätter an die Mütze. Das ist ihr Auftrag. Sie gehen von Haus zu Haus und sammeln Grünkohl für das Essen am Sonntag. Ist die Gruppe angemeldet? Andreas Rausche guckt überrascht. „Nee, das wissen ja alle, dass wir kommen.“ Donnerstags wird Kohl gesammelt, daran hat sich nichts geändert. Freitags wird getagt, sonnabends getanzt und sonntags geht‘s auf Tour durchs Dorf, um Speck und Kohlwurst fürs gemeinsame Essen am Abend einzusammeln.

Vier Tage Frohsinn

Das Essen wurde einst für die armen Schifferknechte organisiert, die sich im Winter bei kargem Lohn auf den Höfen verdingen mussten. Pragmatisch machten die Gräpeler daraus eine Tradition, die auch ihnen im Winter Frohsinn beschert.

Das Prozedere ist beim Kohl- und Specksammeln gleich. Der Ort ist aufgeteilt. Drei Trupps sind unterwegs, bei Schnee und ohne Sturm kommen sie am Donnerstag gut durch, Teufelsgeige und Schifferklavier sind heute aber nicht an Bord.

„Fröhlichen Schipperball!“ Bei Dörte und Henry Dede gibt es ein Glas Grünkohl für Fabian Kahrs und seinen Trupp - und auch flüssige Wegzehrung.

„Fröhlichen Schipperball!“ Bei Dörte und Henry Dede gibt es ein Glas Grünkohl für Fabian Kahrs und seinen Trupp - und auch flüssige Wegzehrung. Foto: Klempow

37 Häuser stehen auf der Liste vom Trupp „Franz“, der mit dem gleichnamigen Bollerwagen in Schiffsform schon bei den ersten beiden Häusern stoppt. Fabian „Faber“ Kahrs klingelt, Dörte und Henry Dede öffnen und reichen ein Glas Grünkohl an ihn weiter. „Dörte, schall ick dat moken?“, bietet er an, übernimmt die Flasche Köm und schenkt für seine Mitstreiter aus. Der Schipperball nimmt seinen Lauf. Allns as jümmers beim Schifferverein Freundschaft: „Prost, fröhlichen Schipperball!“

Prost Schipperball - an der Haustür geben die Gräpeler auch noch mal eben einen aus.

Prost Schipperball - an der Haustür geben die Gräpeler auch noch mal eben einen aus. Foto: Klempow

Los geht's durch Gräpel, um den Kohl für Sonntag einzusammeln.

Los geht's durch Gräpel, um den Kohl für Sonntag einzusammeln. Foto: Klempow

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Zutaten für den Schipperball-Auftakt: Grünkohl in der Dose und ein Klarer.

Zutaten für den Schipperball-Auftakt: Grünkohl in der Dose und ein Klarer. Foto: Klempow

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