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TTraditionshotel insolvent: Wie es mit dem „Bösehof“ weitergeht

Das Hotel Bösehof feiert in diesem Jahr sein 200. Jubiläum – und kämpft gleichzeitig gegen eine drohende Zahlungsunfähigkeit.

Das Hotel Bösehof feiert in diesem Jahr sein 200. Jubiläum – und kämpft gleichzeitig gegen eine drohende Zahlungsunfähigkeit. Foto: Beate Ulich

Das Hotel „Bösehof“ in Bad Bederkesa (Kreis Cuxhaven) hat im Januar Insolvenz angemeldet. Muss das Hotel schließen, enden 200 Jahre Gastgewerbe. Das ist der aktuelle Stand.

Von Mareike Blumenthal Donnerstag, 19.02.2026, 11:20 Uhr

Geestland. Geschäftsführerin Natascha Grotjohann hatte die Insolvenz angemeldet, „um frühzeitig gegenzusteuern und eine finanzielle Sanierung des Unternehmens zu ermöglichen“, erklärte sie. Mehrere Hunderttausend Euro durch gestiegene Personal- und Energiekosten, Stornierungen aufgrund einer Baustelle vor dem Hotel und die Rückzahlung der Corona-Hilfen hätten den „Bösehof“ in eine „wirtschaftliche Schieflage“ gebracht. Eine Kanzlei aus Hamburg ist nun mit dem Verfahren beauftragt, das voraussichtlich am 1. April 2026 eröffnet wird.

Bisher keine Kündigungen - Gehälter vorerst gesichert

Grotjohann informierte ihr Team zeitnah nach der Antragstellung. „Was mich besonders bewegt hat, war der Spirit im Team. Damit habe ich nicht gerechnet. Die Art, wie die Mitarbeitenden zusammenstehen, wie positiv, engagiert und lösungsorientiert hier gearbeitet wird, ist bemerkenswert.“

Im Hotel „Bösehof“ soll der Betrieb trotz Insolvenzanmeldung wie gewohnt weiterlaufen, sagt Geschäftsführerin Natascha Grotjohann zu.

Im Hotel „Bösehof“ soll der Betrieb trotz Insolvenzanmeldung wie gewohnt weiterlaufen, sagt Geschäftsführerin Natascha Grotjohann zu. Foto: Dührkop

Die Löhne der Mitarbeiter sind bis März über die Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert. Ab April soll die Bösehof GmbH die Gehälter wieder selbst zahlen. „Das ist aus heutiger Sicht realistisch, da dann unsere Hauptsaison beginnt und wir erfahrungsgemäß über eine stärkere Auslastung verfügen. Unabhängig davon ist die Insolvenzgeldvorfinanzierung ohnehin nur für drei Monate vorgesehen“, so die Geschäftsführerin.

Kündigungen aus Sorge vor einem möglichen Jobverlust habe es bisher nicht gegeben.

Absage von Familienfeiern und keine Gutscheinverkäufe

„Unsere Buchungslage stimmt uns vorsichtig zuversichtlich. Es hat vereinzelt Absagen gegeben, vor allem bei größeren Feiern wie Hochzeiten. Das ist nachvollziehbar und verständlich. Gleichzeitig konnten wir viele Gäste durch offene Gespräche beruhigen. Wir erhalten aber auch Zuspruch von Gästen und unsere Lieferanten zeigen viel Verständnis und begleiten uns weiterhin. Dafür bin ich sehr dankbar“, so Grotjohann.

Die Vorausbuchungen für die kommenden Monate seien gut, was sie für den weiteren Verlauf des Jahres positiv stimme. „Ohne dass man Versprechen für die Zukunft machen kann.“ Der Gutscheinverkauf hingegen sei vorerst gestoppt. „Das ist in der derzeitigen Situation nicht gestattet“, so Grotjohann.

Neue Gutscheinverkäufe würden zwar Geld einbringen, gleichzeitig aber neue Verpflichtungen schaffen, die ein zahlungsunfähiges Unternehmen nicht erfüllen könnte.

Insolvenzverwalter ist in Gesprächen mit möglichen Investoren

Insolvenzverwalter Dr. Thilo Streck führt indes Gespräche mit potenziellen Geldgebern. „Mittel- beziehungsweise langfristig wäre der Einstieg eines Investors wünschenswert, um das Unternehmen insgesamt finanziell zu stabilisieren. Ich führe Gespräche mit Interessenten, die an einer dauerhaften Aufrechterhaltung und Fortführung des Geschäftsbetriebs interessiert sind. Ich bin zuversichtlich, dass eine Lösung gelingen wird. Die Gespräche werden allerdings noch Zeit in Anspruch nehmen“, so Streck. „Eine Betriebsstilllegung ist jetzt und bis auf Weiteres keine Option“, fügt er hinzu.

Der Insolvenzverwalter Dr. Thilo Streck ist in Gesprächen mit potenziellen Investoren für das Hotel.

Der Insolvenzverwalter Dr. Thilo Streck ist in Gesprächen mit potenziellen Investoren für das Hotel. Foto: Arnd Hartmann

Bereits seit Herbst vergangenen Jahres steht das Hotel beim Hotelimmobilienspezialisten Christie & Co. zum Verkauf. Grotjohanns Vorgänger und Eigentümer des Hauses, Klaus Manke, wolle sich aus Nachfolgemangel von der Immobilie trennen, erklärte Grotjohann damals. Die Ideallösung wäre, einen Käufer zu finden, der das Traditionshaus weiterhin als Hotel betreibt.

„Wir arbeiten daran, den laufenden Betrieb stabil und verlässlich fortzuführen. Alles Weitere wird sich im Rahmen des Verfahrens und der kommenden Monate zeigen“, sagt Natascha Grotjohann abschließend.

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