„Zu wenig bezahlt“

TTraumberuf trotz Krise? So sehen Nachwuchsfriseure die Branche

Die Friseurbranche kämpft mit Problemen. Trotzdem ergreifen junge Menschen den Beruf. Am Montag wurden sieben Auszubildende aus dem Landkreis Stade in den Gesellenstand aufgenommen.

Die Friseurbranche kämpft mit Problemen. Trotzdem ergreifen junge Menschen den Beruf. Am Montag wurden sieben Auszubildende aus dem Landkreis Stade in den Gesellenstand aufgenommen. Foto: Haardt

Der Friseurberuf hat ein Nachwuchsproblem: Sieben Auszubildende bekamen kürzlich in Stade ihren Gesellenbrief überreicht. Eine von ihnen gibt den Job schon wieder auf.

Von Rebecca Haardt 10.07.2026, 17:00 Uhr

Stade. Lilly Schneider ist 19 Jahre alt und frischgebackene Friseurgesellin. Sie hat als Jahrgangsbeste an der Jobelmann-Schule in Stade ihre Gesellenprüfung abgelegt. Für Schneider geht damit ein Traum in Erfüllung.

Dass sie Friseurin werden wollte, wusste sie schon als Kind. „Ich habe damals angefangen, meiner Familie die Haare zu schneiden”, erzählt sie. Schneider hat ihren Traumberuf ergriffen, weiß aber auch um die Probleme in der Branche.

Fachkräftemangel zeigt sich bei der Freisprechung

Eines davon zeigt sich bei Schneiders Freisprechung durch die Friseur-Innung Cuxhaven-Land Hadeln-Stade im Technologiezentrum in Stade. Festrednerin Angelika Koch betont, dass Friseure mehr seien als Handwerker. Sie seien Stilberater, Tröster und Vertrauensperson in einem. Und: „Wir brauchen Sie als Fachkräfte.”

Lilly Schneider hat ihren Traumberuf ergriffen und freut sich auf ihre Arbeit in der Friseurbranche. Doch sie weiß auch um die Probleme.

Lilly Schneider hat ihren Traumberuf ergriffen und freut sich auf ihre Arbeit in der Friseurbranche. Doch sie weiß auch um die Probleme. Foto: Haardt

Der Fachkräftemangel beschäftigt die Friseurbranche seit Jahren. Außer Lilly Schneider nehmen nur sechs weitere Nachwuchsfriseure ihren Gesellenbrief in Empfang. In den aktuellen Lehrjahren seien noch weniger Auszubildende, so Sylvia Kirn, die Teil des Prüfungsausschusses war.

Geringes Gehalt macht Beruf unattraktiv

Ein entscheidender Punkt, warum der Beruf aktuell so wenig attraktiv ist, ist die geringe Bezahlung. Das ist für die neuen Gesellinnen klar. Sie haben während ihrer Ausbildung drei Jahre in Friseursalons gearbeitet und dabei mitunter frustrierende Erfahrungen gemacht. „Das ist harte Arbeit, die zu wenig bezahlt wird”, sagt Greta Gütersloh, die gerade ihren Gesellinnenbrief entgegengenommen hat.

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Wie Schneider wollte Gütersloh bereits als Kind Friseurin werden. Geübt hat sie an ihren Freundinnen. In Freundebücher hat sie Friseurin als Wunschberuf eingetragen. Doch die Ausbildung hat ihr gezeigt, dass der Beruf anders ist, als sie sich ihn vorgestellt hatte.

Greta Gütersloh wird nicht in der Friseurbranche bleiben.

Greta Gütersloh wird nicht in der Friseurbranche bleiben. Foto: Haardt

„Früher war es ein Hobby. Als das Haareschneiden dann zum Beruf wurde, war es nicht mehr so schön”, sagt sie. Statt im Friseursalon will sie in der Gastronomie arbeiten.

Niedrige Löhne im Vergleich zu anderen Handwerksberufen

Im Vergleich zu anderen Handwerksberufen verdienen Friseure teils deutlich weniger. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2025 lag das durchschnittliche Gehalt eines Friseurs bei 2470 Euro brutto im Monat.

In anderen Handwerksberufen liegt das Gehalt deutlich höher. Zum Vergleich: Dachdecker verdienen 3672 Euro im Monat.

Hohe Preise stoßen bei Kunden auf Unverständnis

Schneider sieht die Gründe für die schlechte Bezahlung unter anderem in den hohen Betriebskosten der Salons. „Wasser, Strom, Miete: Das muss alles bezahlt werden”, sagt sie.

Preiserhöhungen träfen bei Kunden jedoch schnell auf Unverständnis, wie die neuen Gesellinnen zu berichten wissen. Nicht alle wüssten das Handwerk hinter dem Haarschnitt zu schätzen, erzählen sie.

Jahrgangsbeste ist stolz auf Handwerk

Trotzdem wird Lilly Schneider dem Friseurhandwerk treu bleiben. Die frischgebackene Gesellin wird von ihrem Ausbildungsbetrieb Dirk Oswald in Cuxhaven übernommen und möchte sich auf das Färben von Strähnen spezialisieren.

Sieben junge Menschen nahmen kürzlich ihre Gesellenbriefe in Empfang.

Sieben junge Menschen nahmen kürzlich ihre Gesellenbriefe in Empfang. Foto: Haardt

Ob sie ihren Meister machen möchte, weiß sie noch nicht. Schneider jedenfalls ist stolz darauf, Handwerkerin zu sein: „Ich finde es cool, als Frau im Handwerk zu arbeiten. Wenn ich andere in ihrer Arbeitskleidung sehe, kann ich sagen: Ich bin auch Handwerkerin.”

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