TTraumhaus mit rustikalem Charme: Wie die Engels die alte Dorfschmiede sanieren
Glücksgriff fürs Denkmal: Irina und Christian Engels bauen die alte Dorfschmiede in Estorf zu einem Zuhause um. Foto: Klempow
Ein Glücksgriff braucht Geduld. Hinter Bäumen verborgen und lange verlassen wartete die Alte Schmiede in Estorf Jahr um Jahr. Der Glücksgriff kam und trägt den Namen Engels.
Estorf. So ganz ist die Dornröschen-Nummer nicht von der Hand zu weisen. Die alte Dorfschmiede am Osterberg in Estorf dämmerte verborgen hinter dichten Bäumen verlassen und ungenutzt vor sich hin. Wer genau hinsah, entdeckte nur ein paar Backsteine.
Die beiden, die ganz genau hinguckten, heißen Irina und Christian Engels. Das Paar will aus dem Dornröschen-Schmiede-Schlösschen ein Zuhause machen. Sie sind vom Fach, aber nicht nur deshalb kam der Glücksgriff für die Alte Schmiede.
Architekturstudium in Detmold
Kennengelernt haben sich die beiden in Detmold, im Architekturstudium. Aber der Abschluss als Architektin „hat mir nicht gereicht“, sagt Irina Engels und lacht. Sie wollte zusätzlich Bauphysik studieren. „Architekten sind Generalisten, sind fürs Schöne, für Design am Gebäude zuständig. Aber sie kümmern sich nicht um komplexe Themen wie Brandschutz“, erzählt sie und lächelt noch mal: „Ich wollte diejenige sein, die die Ansagen macht, den Rahmen setzt.“
Zum Beispiel die Entscheidung, welche Fenster es sein müssen. Ihr Mann lehnt sich zurück: „Aber am Ende habe ich immer noch das letzte Wort - ich sage, welche Farbe die Fenster haben.“ Er grinst breit. „Ich bin fürs Design zuständig, meine Frau dafür, dass das Haus technisch funktioniert. Wir ergänzen uns sehr gut.“
Kleinanzeige zieht sie in den Norden
Ihr Mann folgte ihr damals in den Süden nach Stuttgart. Aber auf lange Sicht sollte es wieder der Norden sein. Jahrelang suchte Engels online und großräumig nach alten Gebäuden. Eine Kleinanzeige aus dem Kreis Stade ließ ihn nicht los. Sie forderten das Exposé an und setzten sich zügig mit der Denkmalpflege des Landkreises zusammen.
T Wasser, Schatten, Osteblick: Sommerlokal mit Fähre und Ruhemodus
„Wir hatten ein gutes Gefühl - es ist wichtig, ob man technisch und denkmalpflegerisch über die bestmögliche Lösung diskutieren kann“, betont Irina Engels. Auch dieses gute Gefühl war entscheidend - noch vor dem Besuch in Estorf.
Haus und Eigentümer wachsen zusammen
„So ein Haus hat Geschichte“, sagt Christian Engels. Die gemeinsame Geschichte der Alten Schmiede mit Engels, das Zusammenwachsen von Haus und späteren Bewohnern zeigen sie auf ihrem Instagram-Kanal (alte_engels_schmiede). So können auch die Freunde von überall das Werden des Zuhauses verfolgen.
Christian Engels zeigt auf die Baupläne. „Dieses Haus hat Charakter“, sagt er. Den zu bewahren, aber die eigenen Träume zu verwirklichen, ist die Kunst und immer auch ein Kompromiss zwischen Denkmalschutz und Funktion. Zurzeit hat die Alte Schmiede einen einzigen großen Raum im Erdgeschoss und einen Dachboden.
Historischer Schmiedeofen und Hufeisen
Den historischen Schmiedeofen mit gemauerter Esse wollen Engels bewahren, aber mit Schamottsteinen neu aufbauen. In den weiß getünchten Wänden sind noch immer eiserne Anbinderinge für die Pferde vermauert. „Wir haben viele alte Hufeisen und Nägel gefunden“, sagt Irina Engels. 1880 wurde die Schmiede zum ersten Mal erwähnt, vielleicht ist sie auch älter.

Der alte Schmiedeofen soll mit Schamottsteinen neu aufgemauert werden.
„Wir wollen hier unten nichts zubauen“, sagt Christian Engels. Neue Wände würden dem Raum viel von seinem Charme nehmen. Den hat er vor allem den Fenstern zu verdanken.
Gusseiserne Sprossenfenster
Die großen, als Rundbogen gemauerten Fensteröffnungen lassen erahnen, wie viel Licht diesen Raum fluten wird. Die erhaltenen gusseisernen Sprossenfenster sind bereits ausgebaut, werden bei einem Spezialisten restauriert, neu verglast und als Kastenfenster später wieder eingebaut. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert die Restaurierung der Fenster mit 55.000 Euro. Reinhold Kolck, Ortskurator der Stiftung, zeigt sich begeistert von dem Projekt.

Reinhold Kolck, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, brachte zum Baustellenbesuch den Fördervertrag mit. Foto: Klempow
Damit Licht und Charme gewahrt bleiben, wird ein Cube - ein Würfel - in die Mitte des Raums gebaut. Der fungiert als Raumtrenner zwischen den Bereichen Eingang, Küche und Wohnen. Integriert werden eine Küchenzeile, die Treppe ins Obergeschoss und die meisten elektrischen Anschlüsse. „Dieses Element teilt den Raum auf, hat aber zu allen Seiten Funktionen. Dadurch müssen wir die alte Substanz gar nicht so angreifen, und trotzdem funktionieren die einzelnen Bereiche“, sagt Irina Engels.
Feingefühl fürs historische Haus
Seit 1989 ist die alte Dorfschmiede als Denkmal gelistet und gilt als typisches Beispiel eines ländlichen Handwerksbetriebs des ausgehenden 19. Jahrhunderts. „Gerade weil das Haus so viele Jahre auf dem Buckel hat, geht man damit viel feinfühliger um“, sagt Christian Engels. Das gilt vor allem auch für die Materialauswahl. Passend zum Gebäude planen sie mit einem Estrichboden.

Das Haus in Estorf besticht durch die großen Rundbogen-Fenster. Über viele Jahre war es hinter dicht stehenden Bäumen gar nicht zu sehen. Foto: Klempow
Der alte muss raus. „Der ist ein Flickenteppich“, so Irina Engels. Das Haus bekommt eine neue Fundamentplatte. Es soll ja auch in den nächsten 100 Jahren auf soliden Füßen stehen. Rund vier Jahre haben die beiden geplant, um aus der Dorfschmiede ihr Traumhaus zu machen. „Unser Urlaub ist jetzt die schöne Schmiede“, sagt Christian Engels. Ein Glücksgriff für beide Seiten.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.