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Ehrenamt

TTrotz Glätte: Auf die Fahrer des Harsefelder Bürgerbusses ist Verlass

Matthias Klöden fährt den Bürgerbus etwa einmal in der Woche ehrenamtlich - auch bei Schnee und Eis.

Matthias Klöden fährt den Bürgerbus etwa einmal in der Woche ehrenamtlich - auch bei Schnee und Eis. Foto: P. Meyer

Ehrenamtliche Fahrer wie Matthias Klöden sichern den Betrieb des Harsefelder Bürgerbusses. Auch bei Schnee und Eis. Was ihn antreibt und wieso das Angebot so wichtig ist.

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Von Pauline Meyer
Samstag, 07.02.2026, 10:50 Uhr

Harsefeld. Der Schnee liegt schwer auf den Straßen. Rutschig, festgefahren und vereist macht er den Alltag für Autofahrer im Landkreis Stade seit Wochen zur Herausforderung. Während viele daher ihr Auto lieber stehen lassen, setzen sich die Ehrenamtlichen des Harsefelder Bürgerbusses auch bei Schnee und Eis unermüdlich hinter das Steuer.

Die Ehrenamtlichen des Bürgerbusses Harsefeld setzen sich auch bei Wind und Wetter hinters Steuer.

Die Ehrenamtlichen des Bürgerbusses Harsefeld setzen sich auch bei Wind und Wetter hinters Steuer. Foto: P. Meyer

Bis auf einen halben Vormittag ist der Bürgerbus seit Anfang des Jahres durchgehend gefahren. „Da war das Schneetreiben dann doch zu stark“, berichtet Fahrdienstleiter Peter Koetzing. Er selbst war an jenem Morgen noch zu seiner Schicht erschienen. „Ich habe dann schnell gemerkt, dass es zu riskant war und die Tour ausfallen lassen“, berichtet er. Da gehe Sicherheit vor. Es liege stets im Ermessen der Fahrer, zu entscheiden, ob sie sich die Fahrt unter den jeweiligen Witterungsbedingungen zutrauen.

Einer, der seine Fahrgäste auch bei verschneiten Straßen sicher befördert, ist der 68-jährige Matthias Klöden. Seit drei Jahren fährt der ehemalige Airbus-Mitarbeiter den Bürgerbus drei- bis viermal im Monat. „Es ist toll, Leuten zu helfen und etwas Sinnvolles zu machen“, sagt er. Zuverlässigkeit, auch bei Schneegestöber, gehöre für ihn daher dazu.

Bürgerbus statt mit dem Rollator den Berg hinauf

Dankbar für so viel ehrenamtlichen Einsatz sind die Stammgäste im Bürgerbus - wie etwa Barbara Poetzsch, die eine Zehnerkarte besitzt. „Mindestens eine Tour fahre ich immer mit“, so die 84-Jährige. Auf ihrem Weg liege eine Steigung, die sie bei Schnee nur ungern zu Fuß bewältige. „Den Rückweg gehe ich aber gerne, Bewegung muss ja auch sein“, ergänzt sie. Besonders schätzt sie, dass die Linie 2301 am Ärztezentrum und am MVZ hält - schließlich seien das wichtige Stationen für ältere Menschen. In Buxtehude, wo Barbara Poetzsch zuvor lebte, habe es keinen Bürgerbus gegeben. „Das habe ich da sehr vermisst“, sagt sie.

Fahrgast Barbara Poetzsch fährt regelmäßig mit dem Bürgerbus. Fahrdienstleiter Peter Koetzing ist seit 2018 ehrenamtlich im Verein engagiert.

Fahrgast Barbara Poetzsch fährt regelmäßig mit dem Bürgerbus. Fahrdienstleiter Peter Koetzing ist seit 2018 ehrenamtlich im Verein engagiert. Foto: P. Meyer

Die Fahrgäste sind überwiegend ältere Leute, erzählen Klöden und Koetzing, die sich gerne auch mal auf einen Klönschnack einlassen. Die Rollatoren in den Achtsitzer zu hieven, gehöre zum Service der Ehrenamtlichen. „Wir bieten das immer an“, sagt Peter Koetzing. Schließlich kämen viele Fahrgäste vollbepackt vom Einkaufen. „Die Leute sind dann sehr dankbar, dass jemand hilft.“

Doch auch jüngere Gäste fahren mit. Eine Kindergärtnerin nutze das Angebot täglich, genauso wie Schüler, die in die Eissporthalle, ins Eiscafé oder zur Schule wollen - die Fahrt kostet immerhin nur einen Euro. Eine junge Mutter steigt regelmäßig mit ihren Kindern zu. „Die lassen wir auf Wunsch auch mal zwischen den Haltestellen raus“, verrät Peter Koetzing. So ersparen ihr die Ehrenamtlichen einen beschwerlichen Weg. „Das machen wir gerne. Und das dürfen wir auch“, so der Fahrdienstleiter.

Bus rutschte rückwärts in eine Schneewehe

Erfahrungen mit winterlichen Straßen hat Matthias Klöden schon früher gesammelt: Als Student fuhr er nebenbei Taxi. Schneeverwehungen wie jüngst im Issendorfer Weg seien dennoch eine Herausforderung. Ebenso wie enge Straßen oder Steigungen, etwa in der Sudetenstraße. Dort sei der Bus bei Glätte bereits einmal ins Rutschen geraten, berichtet Koetzing. „Die Nachbarn halfen dann der Fahrerin beim Befreien des Busses aus einer Schneewehe.“ Auch am DRK-Altenheim müssen die Fahrer genau rangieren, besonders wenn Schnee die Sicht auf die enge Fahrbahn einschränkt.

Der Bürgerbus fährt den verschneiten Waldweg hinauf.

Der Bürgerbus fährt den verschneiten Waldweg hinauf. Foto: P. Meyer

Organisiert wird der Fahrbetrieb von 22 ehrenamtlichen Fahrern. Sie treffen sich einmal im Monat zur Dienstplanbesprechung. „Wenn jemand spontan ausfällt, findet sich immer wer, der einspringt“, berichtet Koetzing. Verstärkung könne der Verein aber immer gebrauchen.

Er selbst ist 2018 zum Bürgerbus gekommen. „Als ich in Rente gegangen bin, ist mir die Decke auf den Kopf gefallen.“ Mit dem Rücktritt des damaligen Fahrdienstleiters übernahm Koetzing dann den Posten. Auch wegen seiner Erfahrung als Disponent im Rettungsdienst.

Seit 2013 gibt es den Harsefelder Bürgerbus-Verein. Ende 2025 wurde ein neuer Bus bestellt, der, wenn alles klappt, im März in Betrieb gehen soll. Der alte Bus hat dann rund 275.000 Kilometer auf dem Tacho. Pro Woche kommen etwa 1000 Kilometer zusammen. Insgesamt befördern die Ehrenamtlichen bis zu 25 Fahrgäste täglich. „Und auch wenn mal niemand mitfährt: Wir sind trotzdem da“, sagt Peter Koetzing. „Wir kommen bei Wind und Wetter.“

Der Bürgerbus-Verein ist telefonisch unter 04164/ 887288 zu erreichen.

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