TUmweltminister bringen Scheck mit: Neue Lebensräume auf Krautsand
Auf Exkursion mit dem Tidenkieker auf der Elbe rund um Krautsand. Foto: Ulrike Schacht
Das Naturschutzgroßprojekt auf Krautsand startet durch: Der Bund und das Land Niedersachsen finanzieren die Renaturierung mit fast 14 Millionen Euro.
Wischhafen. Sie kamen am Freitag im Doppelpack nach Wischhafen: Bundesumweltminister Carsten Schneider und der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer überreichten den Förderscheck über 13.880.984 Millionen Euro an den WWF und die Nabu-Stiftung.
WWF-Chefin will Krautsand in ein Naturparadies verwandeln
WWF-Naturschutzvorständin Kathrin Samson erklärte, sie freue sich sehr, dass der WWF auf Krautsand jetzt mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen beginnen könne. „Das wunderschöne Mosaik aus Land und Wasser, das Krautsand ausmacht, wollen wir in ein echtes Naturparadies zurückverwandeln und den Einfluss von Ebbe und Flut wiederherstellen und vergrößern“, so Samson.
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So bekämen Fische, Kleinkrebse, Vögel und Insekten, aber auch seltene Pflanzen wieder bessere Lebensbedingungen. Die Artenvielfalt von Krautsand, die typisch für ein Ästuar sei, habe eine besondere Bedeutung für den Naturschutz in Deutschland. „Mit der Renaturierung von tidebeeinflussten Lebensräumen leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung bedrohter Küstenökosysteme“, erklärte die WWF-Chefin.
Bundesminister: Der Natur wieder mehr Raum geben
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte: „Der Unterlauf der Elbe ist die größte von den Gezeiten geprägte Flussmündung in Deutschland und eine der größten in Europa.“ In den letzten Jahrzehnten sei diese Flussmündung vom Menschen stark verändert worden. Durch Deiche seien viele Überflutungsflächen verlorengegangen. Nebenarme der Elbe wurden abgetrennt und die Fahrrinne für die Schifffahrt vertieft.
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„Wenn wir der Natur jetzt wieder mehr Raum geben, hat das viele positive Effekte. Seltene Tier- und Pflanzenarten gewinnen mehr Lebensraum, wiedervernässte und naturnahe Feuchtgebiete binden Kohlenstoff und speichern Wasser. Damit erhöhen wir die Widerstandsfähigkeit unserer Naturräume gegenüber Dürre, Hitze und Hochwasser“, so Schneider.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Foto: © Kathrin Spirk / WWF
Das sei der richtige Ansatz, der angesichts des diesjährigen Hitzesommers auch in anderen Regionen umgesetzt werden müsste: „Das Wasser wieder in der Landschaft halten und damit die Vorsorge vor extremen Folgen des Klimawandels verbessern.“
Starkes Zeichen für Herstellung natürlicher Lebensgrundlagen
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Die Grünen) argumentiert in dieselbe Richtung: „Mit dem Naturschutz-Großprojekt Krautsand setzen wir ein starkes Zeichen für die Wiederherstellung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.“ Im einzigartigen Elbeästuar, wo Süß- und Salzwasser aufeinandertreffen, entstünden nun wertvolle Lebensräume und bedrohte Arten bekämen neue Chancen. „Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Naturschutz, Küstenschutz und Gewässerunterhaltung gemeinsam gedacht und umgesetzt werden können“, so der Minister.
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Die Landschaft in Krautsand ist geprägt von zwei Nebenelben, Grünland mit Gräben, Prielen und Ufersäumen. Diese haben allerdings viele ökologische Defizite. Die teils EU-rechtlich geschützten Gewässer sind durch die Auswirkungen der Vordeichungen und Elbvertiefungen so verschlickt und abgeschnitten von der Tideelbe, dass sie ihre Funktion als Lebensraum für Fische sowie Wat- und Wasservögel nur noch eingeschränkt erfüllen.
Projekt startete 2020 - Zielmarke soll im Jahr 2034 erreicht sein
Der WWF startete 2020 auf Krautsand mit seinem Pflege- und Entwicklungsplan, der 2024 abgeschlossen wurde. Die nun eingeläutete Umsetzungsphase soll bis zum Jahr 2034 laufen.

WWF-Naturschutzvorständin Kathrin Samson. Foto: © Kathrin Spirk / WWF
Das Projektgebiet umfasst 2.805 Hektar und ist weitgehend ausgewiesen als Natura2000-Gebiet gemäß der EU-Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.
Deutschland wolle die Lebensräume gemeinsam mit der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe und den lokalen Akteuren vor Ort nachhaltig schützen und neue schaffen, heißt es in einer Pressemitteilung.
Auf Krautsand leben 40 Arten, die auf der Roten Liste stehen
Unter dem Motto „Gemeinsam die Vielfalt der Tideelbe schützen“ soll das Projekt den einzigartigen Naturraum der Flusslandschaft beleben, Nebenarme als Lebensräume für Tiere und Pflanzen revitalisieren, ehemalige Priele wieder an das Tidegeschehen anschließen und das von Gräben durchzogene Grünland für typische Arten der Kulturlandschaft, wie etwa Wiesenvögel, aufwerten.
Das Naturschutz-Großprojekt auf Krautsand wird mit fast 14 Millionen Euro gefördert (von links): Kathrin Samson vom WWF, Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer, Frauke Hennek (Nabu) und Bundesumweltminister Carsten Schneider. Foto: Kathrin Spirk
Im Vergleich zu anderen Agrarlandschaften gebe es auf Krautsand noch eine hohe Artenvielfalt. Hier leben viele seltene Tiere und Pflanzen, darunter Vögel wie Kiebitz, Rotschenkel und Großer Brachvogel, Fische wie die Finte und der Schlammpeitzger, Säugetiere wie die Wasserfledermaus, Amphibien wie der Seefrosch, Insekten wie die Grüne Mosaikjungfer und auch seltene Pflanzen wie die Sumpfdotterblume.
Mehr als 40 Arten, die in Deutschland auf der Roten Liste stehen, existierten hier. 30 Arten seien europaweit geschützt.
Die Projektfinanzierung erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMUV), durch das Niedersächsische Umweltministerium sowie durch den WWF und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe.

Exkursion mit dem Tidenkieker auf der Elbe rund um Krautsand. Foto: Ulrike Schacht
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