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Feuerwehreinsatz

TUnfall mit Tanklaster: Warum Ohrensen nicht Hollywood ist

Der Tanklaster wird geborgen. Gegen 16 Uhr stand er wieder auf der Straße.

Der Tanklaster wird geborgen. Gegen 16 Uhr stand er wieder auf der Straße. Foto: Schmidt-Eustermann

Der verunglückte Laster hat 11.000 Liter Diesel an Bord. Dass er sich wie im Film sofort in einen Feuerball verwandelt, stimmt nicht. Trotzdem ist die Bergung herausfordernd.

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Von Miriam Fehlbus
Donnerstag, 12.02.2026, 18:37 Uhr

Bargstedt. Gegen 8.55 Uhr am Donnerstag wurden die Einsatzkräfte zur Hauptstraße nach Ohrensen alarmiert: Ein Tankwagen war von der Fahrbahn abgekommen. Im Tank: 11.000 Liter Diesel. Eine Anruferin habe ein Blubbern aus dem Tank gehört, hieß es. Die Feuerwehren aus Helmste, Bargstedt, Harsefeld und Ohrensen sowie der Führungsdienst Umwelt der Kreisfeuerwehr waren sofort vor Ort.

Der Tanklaster wird geborgen. Gegen 16 Uhr stand er wieder auf der Straße.

Der Tanklaster wird geborgen. Gegen 16 Uhr stand er wieder auf der Straße. Foto: Schmidt-Eustermann

Auch ein Rettungswagen und ein Notarzt rückten an, konnten nach der ersten Untersuchung aber den 54-jährigen Fahrer als unverletzt entlassen.

Kritischer Moment: Tritt Diesel aus?

Dass Tanklaster in der Realität deutlich seltener als in Filmen explodieren, hat mit den umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zu tun, mit denen diese ausgestattet sind. Es ist ein Hollywood-Mythos, dass sich Fahrzeuge schon bei einer leichten Kollision in einen Feuerball verwandeln. Trotzdem war auch in Ohrensen Vorsicht geboten.

Aufgrund des Unfalls und der Bergungsarbeiten war die L123 voll gesperrt.

Aufgrund des Unfalls und der Bergungsarbeiten war die L123 voll gesperrt. Foto: Fehlbus

11.000 Liter lagen zwar im Tank eingeschlossen im Graben, sollten auf keinen Fall in das kleine fließende Gewässer gelangen. Ein kritischer Moment könnte auch entstehen, wenn sich Sauerstoff mit dem Gefahrenstoff mischt und entzündet. Schnell wurde festgestellt, dass kein Diesel aus dem Transporttank austrat. „Lediglich aus dem Kraftstofftank des Lkw trat etwas Diesel aus“, erklärte Kreisfeuerwehrsprecher Stefan Braun.

Straße blieb bis in die frühen Abendstunden gesperrt

Die Landesstraße 123 wurde zwischen dem Kreisel Linah und dem Ortseingang Ohrensen mit Hilfe von Baken komplett abgesperrt.

Die L123 blieb bis in die späten Nachmittagsstunden gesperrt.

Die L123 blieb bis in die späten Nachmittagsstunden gesperrt. Foto: Fehlbus

Der Verkehr wurde über Harsefeld-Ohrensen umgeleitet. Schnell war klar, dass sich die Bergung länger hinziehen würde. Der Tanker lag tief eingesunken im aufgeweichten Boden.

Der Fahrer des Mercedes-Tankwagens aus Stade war auf dem Weg Richtung Bargstedt aus bisher ungeklärter mit seinem rechten Vorderreifen in den Seitenraum geraten.

Der Fahrer geriet in den stark aufgeweichten Seitenraum und konnte das Fahrzeug nicht zurück auf die Straße lenken. Der Absatz war zu groß.

Der Fahrer geriet in den stark aufgeweichten Seitenraum und konnte das Fahrzeug nicht zurück auf die Straße lenken. Der Absatz war zu groß. Foto: Fehlbus

Wegen des aufgeweichten Untergrunds gelang es ihm nicht, sein schweres Fahrzeug wieder zurück auf die Fahrbahn zu bekommen. Eine tiefe Spur im Seitenraum, die genau an der Kante zur Fahrbahn verläuft, zeugt vom vergeblichen Versuch.

Erst wurde der Tankinhalt abgepumpt - dann geborgen

Vertreter der Feuerwehren vor Ort berieten sich zusammen mit der Umweltgruppe Süd, dem Führungsdienst Umwelt der Kreisfeuerwehr und Vertretern des Landkreises sowie Vertretern der betroffenen Firma, wie der Wagen geborgen werden könnte.

Die Vorbereitungen für das Abpumpen laufen. Es handelt sich um einen Einsatz mit Gefahrstoff.

Die Vorbereitungen für das Abpumpen laufen. Es handelt sich um einen Einsatz mit Gefahrstoff. Foto: Braun

Sicher und ohne weitere Schäden sollte der Laster wieder auf die eigenen Räder gestellt werden. Ein spezialisiertes Bergungsunternehmen rückte mit zwei großen Fahrzeugen an. Bevor der Tanklaster aus dem Graben gezogen werden konnte, musste jedoch Diesel abgepumpt werden.

Seitenlage erschwert das Absaugen des Unfalltanks

Auf der Straße sorgten Feuerwehrleute mit Atemschutz für die Absicherung. Mit einem bereitgelegten Löschschlauch überwachten sie das Abpumpen.

„Durch die Seitenlage des Lkw war eine reguläre Entladung in einen weiteren Tankwagen schwierig, aber nachdem man eine Verbindung hergestellt hatte und sicherstellte, dass im Unfalltank kein Unterdruck durch das Absaugen entstand, konnte der Diesel abgepumpt und so eine Bergung des verunglückten Tankwagens durchgeführt werden“, so Kreisfeuerwehrsprecher Stefan Braun.

Der Tankinhalt wurde zu großen Teilen in ein anderes Fahrzeug umgepumpt.

Der Tankinhalt wurde zu großen Teilen in ein anderes Fahrzeug umgepumpt. Foto: Braun

Gegen 16 Uhr war es dann so weit. Das Bergungsunternehmen zog das Tankfahrzeug an den angebrachten Befestigungen auf die Straße zurück.

Einsatzkräfte übergeben Unfallstelle an Straßenmeisterei

Die rund 50 Einsatzkräfte, die über Stunden die Unfallstelle im Regen absicherten und bei der Bergung halfen, bekamen Unterstützung von Mitgliedern des Roten Kreuzes aus Ahlerstedt, die alle Helfer mit warmen und kalten Getränken sowie frisch geschmierten Brötchen versorgten. Bis 17.15 Uhr dauerte der Einsatz für sie.

Am Ende musste die Straßenmeisterei die Strecke noch kontrollieren, damit sich kein Folgeunfall ereignet. Ab 17 Uhr wurde der Verkehr halbseitig an der Unfallstelle vorbeigeleitet. Die Polizei nahm den Unfall auf. Die Schadenshöhe konnte zunächst nicht ermittelt werden.

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