TBahnhofstraße in Buxtehude: Wie gut klappt der Verkehrsversuch?
Das Bild vom 1. September um 17.20 Uhr zeigt einen Rückstau auf der Bahnhofstraße. Eine zweite Verkehrszählung ermittelte vor Kurzem die Verkehrsströme infolge des Verkehrsversuchs. Foto: Sulzyc
Gleich zwei Umfragen versuchen, die Meinung der Menschen zu dem umstrittenen Verkehrsversuch in Buxtehude zu ergründen. Darin unterscheiden sie sich.
Buxtehude. Zu auffallend vielen Verkehrsverstößen wie zu Beginn des Verkehrsversuchs im August kommt es in der Bahnhofstraße nicht mehr. Die neue Verkehrsführung selbst aber polarisiert die Menschen nach wie vor.
Bringt die veränderte Verkehrsregelung den Verkehrsteilnehmern und Anliegern Nutzen? Oder schadet sie? Die Deutungshoheit um die Folgen des Verkehrsversuchs ist umkämpft. Gleich zwei Umfragen versuchen, die Meinung betroffener Menschen abzubilden.
Hier geht es zur Umfrage der Stadt Buxtehude
Die Hansestadt Buxtehude hat am Dienstag eine Online-Umfrage zum Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße gestartet. In der Pressemitteilung ist von einer „offiziellen Online-Umfrage“ die Rede. Bis einschließlich Freitag, 6. November, können Teilnehmer ihre Einschätzungen zur veränderten Verkehrsführung oder der Aufenthaltsqualität mitteilen.
Hier geht es zur Umfrage der Bürgerinitiative
Ebenfalls in einer Online-Umfrage gibt eine nach eigenen Angaben private, nicht-kommerzielle Bürgerinitiative Menschen die Gelegenheit, sich zum Verkehrsversuch zu äußern. Verantwortlicher laut Impressum der Homepage ist Marco Schaening von der Brillen Lounge in der Bahnhofstraße. Zusammen mit einem anderen Gewerbetreibenden aus der Bahnhofstraße habe er die Umfrage initiiert, sagte Schaening dem TAGEBLATT.
Gut sichtbar verweist die Bürgerinitiative an zwei Stellen auf ihrer Homepage in jeweils einem Link auf die Information der Stadt Buxtehude zum Verkehrsversuch.
T Bahnhofstraße in Buxtehude: Bürger zwischen Lob und Frust
Nicht mehr als zwei Minuten dauert jeweils die Teilnahme an den Umfragen. Sechs Fragen mit jeweils drei bis vier vorgegebenen Antworten umfasst der Fragenkatalog der Bürgerinitiative. Beispiel: Sicherheit & Verkehr – Wie bewerten Sie die neue Verkehrsregelung (Tempo 20 / Einbahnstraße)? Mögliche Antworten: „Unsicher / unübersichtlich (besonders für Fußgänger)“, „Gut und übersichtlich“, „Keine Verbesserung erkennbar“ oder „Deutlich sicherer als vorher“.
Die Bürgerinitiative gibt dem Teilnehmer zusätzlich die Gelegenheit, einen selbst verfassten Kommentar zu formieren - das ist bei der Online-Umfrage der Stadt nicht möglich.
Anonymisierte Abstimmung
In sieben Fragen erfasst die Online-Umfrage der Stadt Buxtehude die Meinung des Teilnehmers. Die Fragen sind so formuliert, dass man jeweils in den Kategorien „unzufrieden“, eher unzufrieden“, eher zufrieden“ oder „zufrieden“ antwortet.
Bei der Online-Umfrage der Bürgerinitiative macht der Teilnehmer keine Angaben zur Person. Um sich an der Umfrage der Stadt Buxtehude zu beteiligen, nennt der Teilnehmer die Postleitzahl seines Wohnortes, das Geschlecht und das Geburtsjahr.
T Pudding-Attacke auf Buxtehudes Stadtbaurätin
Mehrfachteilnahmen einer Person sind jeweils bei beiden Umfragen nicht ausgeschlossen. Die Bürgerinitiative schränkt die Möglichkeit, das Meinungsbild zu verzerren, mittels IP-Sperre jedoch ein: Pro Person ist demnach eine Stimmenabgabe (also die Teilnahme) lediglich alle 24 Stunden möglich. Eine IP-Adresse ist wie eine digitale Hausnummer für Computer und Smartphones.
Darum standen Kameras an der Straße
Die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Bahnhofstraße untersucht die Stadt Buxtehude zudem mit Verkehrszählungen. Der Zählung vor dem Start des Verkehrsversuch folgte inzwischen eine zweite, identische Zählung unter den Bedingungen der veränderten Verkehrsführung. Anwohner von Nebenstraßen beschwerten sich bereits über zusätzlichen Autoverkehr zu ihren Lasten.
Das passiert bei einer Verkehrszählung
Mittels Videokameras werde das Verkehrsgeschehen an einem oder mehreren Tagen zwischen 6 und 19 Uhr per Videokamera aufgezeichnet und später ausgewertet sowie ein 24-Stunden-Wert des Verkehrsaufkommens errechnet, antwortete Stadtsprecher Thomas Bücher dem TAGEBLATT. Hierbei werde nach den unterschiedlichen Verkehrsarten unterschieden.

Das Foto zeigt eine Kamera (Bildmitte) an der Hansestraße in Buxtehude. Die Stadt Buxtehude untersucht, ob sich im Zusammenhang mit dem Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße Verkehrsströme verlagert haben. Foto: Scholz
Die Auflösung der Kameras sei dabei so gering, dass weder Kennzeichen noch Gesichter zu erkennen sind und keine persönlichen Daten erhoben oder Profile erstellt werden können. Im Fall des Verkehrsversuchs wird der Verkehr in der Bahnhofstraße, Brüningstraße, Vaßmerstraße, Gildestraße, Poststraße und Hansestraße gezählt.
„Der Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße ist ergebnisoffen und wenn sich durch kleinere Nachjustierungen keine Verbesserungen ergeben sollten, bin ich auch bereit, den Versuch vorzeitig abzubrechen“, sagte Ralf Dessel (parteilos) dem TAGEBLATT vor seiner Wahl zum neuen Bürgermeister der Stadt Buxtehude.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.