TVerkehrsversuch in der Buxtehuder Bahnhofstraße: Kaufleute in Sorge
Eine absolute Ausnahme: Radfahrer nutzen derzeit die Fahrbahn selten. Demnächst sind sie dazu verpflichtet. Foto: Wisser
Während die Stadt die geplante Umwandlung der Geschäfts- und Einkaufsstraße verteidigt, äußern Geschäftsleute Bedenken: Sie fürchten Umsatzeinbußen und um ihre Existenz.
Buxtehude. Der Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße in Buxtehude ist umstritten. Das zeigte ein Info-Abend der Stadt mit 100 Teilnehmern.
Die Stadt hatte knapp zwei Wochen vor dem Start der ersten Umbaumaßnahmen am Sonntag, 12. Juli, und sieben Wochen vor dem Beginn des Verkehrsversuchs am 22. August zu einer großen Informationsveranstaltung eingeladen. In einer Mischung aus Diskussion und Infoständen beantworteten die Verwaltung, externe Fachleute des Büros Planersocietät und die Polizei Fragen. Die Verwaltung hatte zudem den externen Moderator Gregor Schnittker engagiert.
Deshalb wollen Geschäftsleute keine Einbahnstraße
Vor allem Geschäftsleute sehen die Umwandlung der Geschäfts- und Einkaufsstraße kritisch. Viele fürchten, dass Kunden wegbleiben und Existenzen gefährdet werden. „Das schreckt die Kunden ab“, sagte Lenard Wölk vom Sicherheitshaus Wölk. Ihn und seine Frau Charlotte stört die lange Testphase von einem Jahr. „Zwei oder drei Monate sind okay, zwölf sind zu viel“, sagte Charlotte Wölk.

Lenard und Charlotte Wölk. Foto: Wisser

Stephan Griebel. Foto: Wisser
„Ich halte davon gar nichts“, sagt Stephan Griebel, der in der Bahnhofstraße sein Büro hat. Es gebe dort keinen Durchgangsverkehr, den man aus der Straße verdrängen müsste. Aus seiner Sicht sollte die Stadt sich lieber um die Parkplatzsituation vor den Arztpraxen kümmern. Der Verkehrsversuch sei „Geldverschwendung“.
Werden ältere Menschen jetzt ausgesperrt?
„Wir beschneiden die älteren Menschen in ihren Möglichkeiten“, sagt Beatrice Kietzmann, Inhaberin des Fachgeschäfts Sie - Dessous & mehr. Auch sie lehnt den Verkehrsversuch ab. Als Sprecherin der Initiative Bahnhofstraße sagt sie zudem, die meisten Einzelhändler dort teilten diese Ablehnung.
Das Geld sollte ihrer Meinung nach lieber sinnvoll in Schulen oder Kinderspielplätze fließen. Ihre Bekannte Sina Bollhorn hatte eine andere Idee. Die Bahnhofstraße in eine Fahrradstraße umwandeln. „Dann weiß jeder, dass Radfahrer Vorrang haben“, sagt die.

Sina Bollhorn und Beatrice Kietzmann. Foto: Wisser

Ralf Dietz. Foto: Wisser
Bäcker Ralf Dietz ist skeptisch. „Zwölf Monate sind zu lang“, sagt er und erinnert an den Verkehrsversuch in Harsefeld. Dort wurde der Versuch abgebrochen, nachdem Händler massive Umsatzeinbrüche verzeichnet hatten. „Ich befürchte, dass wir mehr Leerstände bekommen, weil die Kunden nicht mehr kommen“, sagt Dietz. Er kritisiert, dass die Stadtverwaltung Geld für einen externen Moderator ausgegeben hat. „Die Stadtverwaltung sollte Leute haben, die das selbst machen können.“
Die Bahnhofstraße ist kein Unfallschwerpunkt
Die Vertreter der Polizei machten deutlich, dass das gefühlte Sicherheitsempfinden im Verkehr und die Zahlen nicht zusammenpassen. Aus Sicht der Polizei ist die Bahnhofstraße statistisch kein Unfallschwerpunkt. Die Polizei hofft aber, dass der Verkehrsversuch auch die gefühlte Sicherheit verbessert.

Niels Großkreutz. Foto: wisser
Niels Großkreutz sieht den Versuch positiv. Der SPD-Kommunalpolitiker war als Vorsitzender des Bauausschusses am Planungsprozess beteiligt. „Der Verkehrsversuch ist der beste Weg“, sagt Großkreutz. „Wenn es nicht klappt, können wir ihn abbrechen“, schilderte er seine Erwartungen. „Vielleicht bekommen wir so die 500-PS-Autoposer von der Straße“, hofft er.
Große Palettenmöbel für die Bahnhofstraße
Auch Bernd Hanke vom Verein Buxtehude im Wandel ist überzeugt. „Dass die Geschäftsleute kritisch sind, ist normal“, meint er. Hanke erinnert an die Umwandlung der Altstadt in eine Fußgängerzone. „Früher sind die Autos direkt bei Stackmann vor der Tür vorbeigefahren“, so Hanke.
Buxtehude im Wandel plant mit der Hochschule 21, große Palettenmöbel auf den Fußwegen aufzustellen. Sie sollen dafür sorgen, dass sich nach Geschäftsschluss mehr Menschen in der Straße aufhalten.
Frauen haben Angst in der Bahnhofstraße
Stadtbaurätin Michaela Springhorn befürwortet das. Sicherheit habe mehrere Facetten. Beim Verteilen der Einladungsflyer für die Veranstaltung habe sie festgestellt, dass Frauen sich abends in der Bahnhofstraße nicht sicher fühlten. Sie hofft ebenfalls, dass die Palettenmöbel ein Schritt sind, das zu ändern.
Springhorn sicherte zu, dass es regelmäßig Abstimmungsgespräche mit Anwohnern, Geschäftsleuten und den Anwohnern der Nebenstraßen geben soll. Dieser Vorschlag kam aus dem Publikum. Außerdem sagte sie zu, dass der Versuch bei einer negativen Bilanz abgebrochen würde. „Es gibt noch mehr Konfliktpotenzial als gedacht“, stellte sie fest.

Moderator Gregor Schnittker. Foto: Wisser
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