TVerkehrte Welt: Deich soll zum Schutz von Freiburg abgetragen werden
Der Deich rutscht mehr und mehr an die Gebäude im Westen Freiburgs. Foto: Helfferich
Der alte Deich in Freiburg hat seinen Denkmalstatus verloren und soll nun weichen. Denn er könnte zum Risiko werden - ausgerechnet bei einer Überflutung.
Freiburg. Der alte Deich beschäftigt die Freiburger immer wieder. Die einen wollen ihn weghaben, weil er direkt an ihren Grundstücksgrenzen nagt. Die anderen identifizieren sich mit ihm und fühlen sich nur mit dem Deich in Freiburg so richtig zu Hause.
Doch jetzt könnte es dem ehemaligen Schutzwall an den Kragen gehen - er ist zum Risiko geworden. Ausgerechnet im Fall einer Überflutung.
Der alte Deich umschließt den äußeren Ortskern. Wird der neue Ringdeich überflutet, hält der alte Schutzdamm das Wasser im Ortskern fest. Und durch den Ringdeich, der Richtung Elbe um den Ort führt, könne sich das Wasser auch nicht nach Norden ausbreiten.
Einwohner sind über die Pläne informiert
Dieses Risiko ist Anlass für den Flecken Freiburg, den Rückbau des Deichs zu planen. Die Verwaltung hatte jüngst direkte Anwohner in den Kornspeicher geladen, um sie zu informieren. Gut 80 Interessierte waren gekommen.
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Mit dem Bau des Ringdeiches habe der alte Deich an Bedeutung verloren, so die Verwaltung. „Er hat keine Funktion für den Hochwasserschutz“, so Bauamtsleiter Ernst Hülsen. Im Gegenteil. „Bei einem Deichbruch würde der Ort volllaufen“, ist sich Hülsen sicher. Im Katastrophenfall müsse das Wasser aber breit ablaufen, um den Ort zu sichern.
Ringdeich brachte nur vermeintliche Sicherheit
Seit der Fertigstellung des Ringdeiches sind zehn Jahre vergangen. Als er fertig war, sei die Gemeinde davon ausgegangen, mehr Sicherheit geschaffen zu haben, sagt Frank Griemsmann, „aber in der Zwischenzeit haben wir eine komplett veränderte Wetterlage“. Er erinnert an die Ahrtal-Katastrophe. Sie habe gezeigt, dass der Klimawandel auch vor der eigenen Haustür eine Rolle spielt. Und der Klimawandel nimmt ein rasantes Tempo auf.
Mit dieser Erkenntnis könnte auch der Deich schneller als bisher gedacht zur Seite geschoben werden. Vor gut einem Jahr wies der Deichverband darauf hin, dass das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz einen Eingriff in ein Kulturdenkmal genehmigen müsse, wenn der Eingriff eine Maßnahme zur Verbesserung des Hochwasserschutzes ist.
Baudenkmal ist Gefahr für den Hochwasserschutz
Genauso verhält es sich im Fall des alten Deichs. Wird er zurückgebaut, verbessert sich der Hochwasserschutz. Der Landkreis habe als Untere Denkmalschutzbehörde Anfang des Jahres den Rückbau genehmigt, so Hülsen.
„Wir wollen das Thema möglichst transparent machen, stehen aber noch ganz am Anfang“, sagt Frank Griemsmann in seiner derzeitigen Funktion als Ordnungsamtsleiter.
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Den alten Deich erhalten oder zurückbauen - da sind sich auch die Anwohner nicht einig. Es gibt die Deichverteidiger im Osten Freiburgs, für die der alte Deich für das Image Freiburgs unverzichtbar ist und die mit einer Petition Unterschriften für ihn sammeln. Andere, im Westen, könnten gut auf ihn verzichten, weil er an der Grundstücksgrenze einiger Häuser nagt. „Am Deichhörn in Freiburg wächst der Deich in die Zimmer“, nennt Ernst Hülsen ein Beispiel.
Der alte Deich ist nicht erst seit diesem Jahr ein Streitfall: 2016 hatte der Deichverband den alten Deich entwidmet. Der Flecken Freiburg sollte sich um die Pflege kümmern, forderte der Landkreis Stade, schließlich handele es sich um denkmalgeschützte Deichflächen. Über zehn Jahre zieht sich der Streit, der womöglich ein Ende findet.

Der Ortskern von Freiburg. Der alte Deich schmiegt sich links unten im Bild als grünes Band an die dunkle Wasserfläche des Bassins. Oben im Bild führt der neue Ringdeich als hellgrünes Band mit Abstand um den Ort. Foto: Martin Elsen
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