TVfL Horneburg setzt auch nach dem Aufstieg konsequent auf die Talente
Die externen Neuzugänge (von links): Benjamin Coordes (Bremervörde), Janek Fritsche (nach Auslandsaufenthalt), Dennis Klingebiel (Beckdorf), Matheo Peyke (Fredenbeck II). Es fehlt: Mats Bührke (Rellinger TV). Foto: Verein
Nach dem Aufstieg in die Regionalliga möchte der VfL Horneburg die Früchte jahrelanger intensiver Jugendarbeit ernten. „Mr. Horneburg“ lebt dafür.
Horneburg. Es ist Mittwochabend, Tagesschau-Zeit, in der Hermannstraße 27. Seit Jahrzehnten eine bekannte Adresse für Handballer. Auf dem Gang zur Tribüne laufen sich die Spieler warm. In der Halle trainieren drei Dutzend vor allem junge Männer. Mittendrin: Stefan Hagedorn. Ein bekanntes Gesicht in neuer Funktion.
Der 54-Jährige gibt Anweisungen, unterbricht das Trainingsspiel der Regionalligamannschaft gegen die Bundesliga-A-Jugend. Hagedorn lebt Handball – und will es noch einmal wissen.
Stefan Hagedorn will als neuer Trainer der Herren die Früchte der eigenen Jugendarbeit ernten. Foto: Berlin (Archiv)
„Ich bin seit 42 Jahren im Verein und habe mit 24 Jahren bereits die Trainer B-Lizenz erworben. 16 Jahre spielte ich in der 1. Herren, drei davon als Spielertrainer. Zuletzt war ich im Jugendbereich tätig“, so der Unternehmer, der als Abteilungsleiter, neuer Herren-Coach und A-Jugendtrainer der Bundesliga-Mannschaft gleich drei sportliche Jobs nebenher bewältigt.
Es ist seine Welt - darin geht Hagedorn auf
Die Familie zieht da mit. Seine Frau trainiert eine Damenmannschaft. Sein Sohn Ole spielt in der 2. Bundesliga für Lübeck, Malte in der 3. Liga für den VfL Fredenbeck. Da lief es nach dem Ausstieg von Aufstiegscoach Nils Peper und mehreren erfolglosen Gesprächen mit Trainerkandidaten fast zwangsläufig auf Stefan Hagedorn zu.
Nach dem Aufstieg in die Regionalliga, wie bereits 2010 schon einmal, möchte Hagedorn jetzt die Früchte jahrelanger intensiver Jugendarbeit ernten. „Ich möchte den Spielern etwas zurückgeben und sie als Menschen und Handballer weiterentwickeln“, beschreibt der erfahrene Trainer seine Motivation.
Unterstützt wird Hagedorn von Athletiktrainer Alexander Mirkens, der hauptberuflich Vereinssportlehrer beim Buxtehuder SV ist. Das Torwarttraining übernimmt Maximilien Alpers, die A-Jugend Carsten Brinkmann. „Das alles geht nur im Team.“
Sieben A-Junioren stehen für die Vereinsphilosophie
Kaum ein Handballverein im Norden setzt so konsequent auf den eigenen Nachwuchs wie der VfL Horneburg und dürfte mit dem jüngsten Team der Regionalliga an den Start gehen. Sieben Akteure stoßen aus der A-Jugend dazu, die in der vergangenen Saison neben der Jugend-Bundesliga auch schon Oberligaluft schnupperten und den souveränen Aufstieg mit sicherstellten.

Aus der A-Jugend neu im Team (von links): Theo Bode, Dario Zigun, Lev Schmidt, Luis Prochaska, Malte Mauel, Theo Minners, Josua Schleßelmann. Foto: Verein
Aus Bremervörde ist Linkshänder Benjamin Cordes nach einem Jahr zurückgekehrt. Der DHB-Pokalsieger von 2025 mit den VfL-Junioren erzielte vergangene Saison 99 Tore für den TSV und kann auf Rechtsaußen oder im rechten Rückraum seine Torgefährlichkeit zeigen.
T Hier holen sich die Handball-Talente den Feinschliff für die Bundesliga
Der wurfgewaltige Mats Bührke ist an der Aue kein Unbekannter. Der Rückraumakteur erlernte das Handballspiel beim Regionalligisten Rellinger TV und spielte mit Zweitspielrecht für die Horneburger A-Jugend. Janek Fritsche beendete seinen Auslandsaufenthalt in Dänemark und Matheo Peyke kam aus Fredenbeck.
Vier Torhüter konkurrieren zwischen den Pfosten
Neben Nico Matthies gehören Luiz Prochaska und Theo Minners aus der A-Jugend sowie Rückkehrer Dennis Klingebiel zum Kader. Der 28-Jährige wechselte aus beruflichen Gründen vom Liga-Konkurrenten SV Beckdorf an seinen Wohnort zurück, wo er bereits sechs Jahre spielte und sich als Jugendtrainer wie einige seiner Mitspieler engagiert.
Im Rückraum wird Morten Marienfeld agieren, der bereits als A-Jugendlicher in mehreren Oberligaspielen bester VfL-Werfer war. Weiteres Eigengewächs ist Joshua Schlesselmann, der wie Linkshänder Theo Bode zu den Leistungsträgern der Meistermannschaft zählte. Sie trugen in der Vorsaison sehr viel Verantwortung und, so der VfL-Coach, sie werden in diesem Jahr zusammen mit Malte Mauel, Lev Schmidt und Dario Zigun erneut viel Verantwortung tragen.
Dass 19 der 24 Spieler bereits in der Horneburger Jugend ausgebildet wurden, dürfte in der Regionalliga nahezu einmalig sein. Das ist von der Struktur und der Philosophie her vergleichbar mit den Fußballern vom spanischen Weltmeistertrainer Luis de la Fuente, der seine Spieler über ein Jahrzehnt durch die Jahrgänge begleitet hat.
Ein physisch starker Führungsspieler fehlt
„Wir haben in den vergangenen Jahren konsequent auf unsere Jugendarbeit und einen flexiblen Spielstil gesetzt. Jetzt zahlt sich das aus“, sagt Hagedorn, der dafür die Verantwortung trägt, wenngleich er weiß, dass dies ein Wagnis sein kann.
Einen Wunsch hätte der Trainer allerdings noch gehabt. Ein körperlich robuster Führungsspieler im besten Handballalter hätte der jungen Mannschaft gutgetan. Bewusst verzichtet der VfL jedoch darauf, mit Geld um Verstärkungen zu werben. Alle Spieler laufen weiterhin unentgeltlich für den Verein auf. Trotzdem gebe es regelmäßig Anfragen von Spielern, „die sich hier ins Schaufenster stellen wollen“.
Nach mehreren Testspielen steht nun der Feinschliff für das Auftaktspiel am 5. September beim TSV Schaumburg an. Das erste Heimspiel wird am 12. September gegen den VfL Hameln ausgetragen. Am 7. Spieltag (24. Oktober) erwartet der VfL den SV Beckdorf zum Derby in heimischer Halle. „Leider“ müssen beide lokalen Teams immer parallel zu Hause oder auswärts antreten.
Zum Favoriten auf den Regionalliga-Titel erklärt Hagedorn Drittliga-Absteiger TV Bissendorf-Holte. Dahinter sieht er mehrere Mannschaften auf Augenhöhe. Ziel des eigenen Teams sei der Klassenerhalt. Den traut Hagedorn seiner jungen Mannschaft zu. „Entscheidend wird sein, wie schnell die vielen jungen Spieler den Sprung in den Männerhandball meistern und wir von Verletzungen verschont bleiben“, so der neue, alte, ewige VfL-Trainer.
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