Zähl Pixel
Umfrage

TViel Lob, klare Kritik: So bewerten Bürger das Leben in Harsefeld

Finn Neumann lebt mit seinen Eltern Simone und Rolf Neumann sehr gerne in der Samtgemeinde Harsefeld: Am TAGEBLATT-Stand warf er einen Chip in die grüne Box.

Finn Neumann lebt mit seinen Eltern Simone und Rolf Neumann sehr gerne in der Samtgemeinde Harsefeld: Am TAGEBLATT-Stand warf er einen Chip in die grüne Box. Foto: P. Meyer

Bei der Erlebnismesse hat das TAGEBLATT die Harsefelder gefragt, wie gerne sie in ihrer Samtgemeinde leben. Das Ergebnis war eindeutig. Wünsche gibt es trotzdem noch.

author
Von Pauline Meyer,
author
Von Thies Meyer
Montag, 20.04.2026, 19:05 Uhr

Harsefeld. Wie gerne leben die Harsefelder eigentlich in ihrer Samtgemeinde? Dieser Frage ist das TAGEBLATT am Wochenende auf der Erlebnismesse Harsefeld nachgegangen. Das Ergebnis war eindeutig: 226 Umfrageteilnehmer stimmten für „sehr gerne“, elf für „mittelmäßig“ und nur drei für „gar nicht gerne“.

Trotz Lob und überwältigend positiver Rückmeldung äußerten die Harsefelder im Gespräch mit dem TAGEBLATT auch Kritik und Wünsche, die das Leben in Harsefeld für sie noch schöner machen würden.

Lob für gute Infrastruktur und zentrale Lage

„Wir haben hier alles“, war der Satz, den die Redakteure bei der Umfrage wohl am häufigsten gehört haben. Von Kultur- und Vereinsangeboten über Einkaufsmöglichkeiten bis zu Bildungs- und Freizeiteinrichtungen sei in der Samtgemeinde Harsefeld alles vorhanden. Auch die schöne Natur war einer der Punkte, die am häufigsten genannt wurden. Mit der Nähe zu Stade, Buxtehude und Hamburg liege man zentral. Auch wenn der ÖPNV, gerade im ländlichen Bereich, noch zu wünschen übrig lasse.

„Harsefeld ist einfach cool“, sagt Finn Neumann, als er seinen Chip in die Box mit dem grünen Smiley einwirft. Der Schüler sagt, er habe hier alles, was er braucht. Kino, Freibad, Eissporthalle: Welcher Ort kann das schon von sich sagen?

Auch seine Eltern Simone und Rolf Neumann sind zufrieden. Neben Schulen, Kitas, Büchereien und Einkaufsmöglichkeiten gebe es hier jede Menge toller Feste. „Wir haben hier Jahrmärkte, den Bierzauber oder das Seifenkistenrennen“, erzählen sie. All das mache Harsefeld für sie zu einem lebenswerten Ort.

Sigrid Kuss (links) engagiert sich bei den Omas gegen Rechts.

Sigrid Kuss (links) engagiert sich bei den Omas gegen Rechts. Foto: Meyer

Noch ganz neu in Harsefeld ist Sigrid Kuss. Im September 2024 zog die Rentnerin aus Ratzeburg hier her, weil ihre Tochter und zwei Enkelkinder schon länger im Flecken leben. An Harsefeld gefällt ihr besonders eines: „Es ist immer was los.“ Damit meint Kuss besonders das Vereinsleben und das Ehrenamt, die gegen Einsamkeit helfen würden. Über die Erlebnismesse läuft sie mit den Harsefelder Omas gegen Rechts. Kuss findet Harsefeld lebenswert, nur eine Sache stört sie: „volle Mülleimer“ am Rellerbach.

Vom Land aufs Dorf: Viele Hamburger zieht es nach Harsefeld

Als Teil der Metropolregion Hamburg profitiert Harsefeld von Zugezogenen. David Hoch hatte „irgendwann keine Lust mehr“ auf Hamburg, wollte raus aus dem Großstadtdschungel und dörflicher leben. Als der 64-Jährige südlich von Hamburg nach einem neuen Lebensmittelpunkt suchte, überzeugte ihn Harsefeld, auch wegen der „Freundlichkeit“ der Menschen. Seit acht Jahren lebt Hoch auf der Geest. Dank „guter Bahnanbindung“ kann der Pendler beruflich weiterhin in der Millionenmetropole arbeiten.

David Hoch zog es vor acht Jahren aus Hamburg nach Harsefeld.

David Hoch zog es vor acht Jahren aus Hamburg nach Harsefeld. Foto: Meyer

Hoch lebt gerne in Harsefeld, weil er „das Engagement der Leute“ schätzt, „die sich um die Gemeinschaft kümmern“ - die Erlebnismesse sei nur eines von vielen Beispielen. Der Zugezogene lobt auch die Harsefelder Verwaltung: Wenn etwas im Ort getan werden müsse, packe sie das schnell an und habe immer einen guten Plan.

Seit 51 Jahren wohnt Gisela Vatter in Harsefeld. Mit ihrem Mann und Sohn zog die 84-Jährige damals von Hamburg bewusst her aufs Land. „Harsefeld hat sich von einem Dorf zu einer Kleinstadt entwickelt, die alles bietet, was man braucht“, sagt sie. Neben der wunderschönen Natur schätze sie besonders die netten Leute.

Gisela Vatter zog vor 51 Jahren von Hamburg nach Harsefeld und lebt hier sehr gerne.

Gisela Vatter zog vor 51 Jahren von Hamburg nach Harsefeld und lebt hier sehr gerne. Foto: P. Meyer

Kritik an Harsefeld kam Vatter nach kurzer Überlegung auch in den Sinn: Der Verkehr störe sie sehr. „Weniger Autos wären auch gut“, sagt sie. „Und das kann ich natürlich sagen, weil ich selber nicht mehr Auto fahre.“ Sie lacht.

Verkehr in der Kritik: Zu enge Straßen, zu viele Autos

Es ist einer der größten Kritikpunkte am Leben in Harsefeld: die Verkehrssituation. „Der Verkehr hier im Flecken ist katastrophal“, sagt eine Harsefelderin. Als Radfahrerin fühle sie sich nicht immer sicher. Es komme besonders im Zentrum immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Autofahrern, auch weil die Straßen eng seien.

„Ich fand es super, als die Marktstraße einspurig war“, erzählt sie. 2023 wurde die Markstraße kurzzeitig zur Einbahnstraße, um das Verkehrsaufkommen mit 8000 Fahrzeugen täglich einzudämmen. Der Verkehrsversuch wurde frühzeitig beendet - die Umsätze der umliegenden Geschäfte waren massiv zurückgegangen.

Und auch mit dem Zustand der Straßen sind Bürger unzufrieden. Die müssten vielerorts saniert werden. Schlaglöcher machen etwa die Durchfahrt in Ahlerstedt oder Hollenbeck zur Holperfahrt, berichtet eine Befragte.

Ärzteversorgung und günstigere Mieten

Luft nach oben äußern die Befragten auch in Sachen Ärzteversorgung. Die sei zwar durch das MVZ, das vor einem Jahr eröffnet wurde, bereits besser geworden, sei aber noch immer nicht zufriedenstellend. Mehr Fachärzte brauche es in Harsefeld - etwa einen Hautarzt, einen weiteren Gynäkologen oder Augenarzt. Schließlich sei Harsefeld in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen.

Karl-Heinz und Inge Habor schätzen an der Samtgemeinde Harsefeld besonders die Natur.

Karl-Heinz und Inge Habor schätzen an der Samtgemeinde Harsefeld besonders die Natur. Foto: P. Meyer

Die Neubaugebiete locken Familien in die Samtgemeinde. Schade sei es, dass junge Menschen es sich aber kaum noch leisten können zu bauen, kritisiert eine Ottendorferin. Und auch die Mieten sind in der Kritik. Viele Bürger wünschen sich mehr bezahlbaren Wohnraum.

„Die Mietpreise dürften gerne etwas runtergehen“, so Karl-Heinz und Inge Habor. Das Paar lebt gerne hier, unternimmt Radtouren in der Natur und schätzt auch den Einzelhandel in der Samtgemeinde. „Es wäre schön, wenn sich die Geschäfte halten würden“, sagen sie.

Cafés, Kneipen, Shopping: Wunsch nach mehr Auswahl

Den Wunsch nach mehr Leben in den Einkaufsstraßen hat Heike Meyer: „Mehr Möglichkeiten zum Shoppen und Bummeln wären schön.“ Die 80-Jährige ist im Flecken Harsefeld aufgewachsen und hat ihre Ausbildung damals im Kaufhaus Quast gemacht. 43 Jahre lang lebte sie danach in Buxtehude - der Liebe wegen kam sie zurück in ihren Heimatort. Gemeinsam mit ihrem Partner Horst Holstein lebt sie hier seit elf Jahren in einer Eigentumswohnung.

Claus Bredehöft ist 1948 in Hollenbeck geboren - und nie weggezogen.

Claus Bredehöft ist 1948 in Hollenbeck geboren - und nie weggezogen. Foto: P. Meyer

Seit 1948 lebt Claus Bredehöft in der Samtgemeinde Harsefeld. In dem Jahr wurde er in Hollenbeck geboren, wo er nie wegzog. Er sei mit Harsefeld rundum zufrieden, erzählt er. Nur eines fehle ihm: „Ein schönes Café zum Draußensitzen und Kaffeetrinken.“

Ein breiteres gastronomisches Angebot war einer der Wünsche, die die Harsefelder besonders für den Flecken äußerten. Eine zusätzliche Kneipe, mehr Cafés und eine Auswahl an Restaurants fehlen laut Befragten. „Wenn wir schick essen gehen wollen, fahren wir nach Buxtehude“, sagen Regine und Günther Elsner, die ansonsten sehr gerne in Harsefeld leben. Kirsten Engel und Silke Reints bringen es auf den Punkt: „Harsefeld ist mittlerweile so sehr gewachsen, dass es mehr Alternativen braucht.“

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Harsefelder leben sehr gerne in ihrer Samtgemeinde.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Harsefelder leben sehr gerne in ihrer Samtgemeinde. Foto: P. Meyer

Dass die Harsefelder gerne in ihrer Samtgemeinde leben, ist durch die TAGEBLATT-Umfrage deutlich geworden. Die Bürger schätzen die Lebensqualität: Natur, Freizeiteinrichtungen und Infrastruktur sind große Pluspunkte. Wünsche haben die Harsefelder in Sachen Ärzteversorgung, Verkehr und gastronomisches Angebot.

Trotz Kritik auf hohem Niveau: Die meisten Befragten würden ihr Harsefeld gegen nichts eintauschen wollen.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel