TVier Hamburger Schulen und ihre ungewöhnlichen Fächer
In der Ida-Ehre-Schule gibt es Hip-Hop-Klassen, die bei den Schülerinnen und Schülern sehr beliebt sind. Es ist bei weitem nicht das einzige ungewöhnliche Schulfach in der Hansestadt. Foto: Ida-Ehre-Schule
Mathe, Deutsch, Englisch sind als Schulfächer obligatorisch. An einigen Schulen in Hamburg kommen Kinder und Jugendliche darüber hinaus in den Genuss von besonderem Lernstoff.
Hamburg. Wie heißt es so schön in dem Zitat, „Nicht für die Schule, sondern fürs das Leben lernen wir!“ Es stammt von dem römischen Philosophen und Denker Lucius Annaeus Seneca. Seine Aussage ist zwar jahrhundertealt, aber seine Botschaft hat bis heute Bestand. Während sich die Gesellschaft aber in Bereichen wie Technik, Forschung und Künstlicher Intelligenz ständig verändert, bleibt der klassische Schulstoff oft der Gleiche.
Vier Schulen in Hamburg bieten zu den klassischen Lerninhalten weitere interessante Fächer an. An der Schule am Arp-Schnitger-Stieg können die Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse das Fach „Plattdeutsch“ wählen, die Ida-Ehre-Schule bietet eine Hip-Hop-Klasse an, die Brecht-Schule unterrichtet Chinesisch als zweite Fremdsprache und in der Schule Fabriciusstraße lernen die Kinder in den sogenannten „Profilstunden“, Teamwork, den Umgang mit Tieren und den achtsamen Umgang miteinander.
Plattdeutsch-Unterricht erfolgt auf freiwilliger Basis
Die Schule Arp-Schnitger-Stieg gehört seit 2018 zu den Hamburger Pilotschulen, in denen der Niederdeutschunterricht verbindlich eingeführt wurde. Grund dafür ist, dass der Europarat ein Gesetz verabschiedet hat, das besagt, dass die Sprachen der Minderheiten gefördert und geschützt werden sollen.
„Bei uns können die Schülerinnen und Schüler frei wählen, ob sie Plattdeutsch lernen möchten oder nicht“, erzählt Schulleiter Fikri Tekin. Generell findet der Schulleiter es sinnvoll, neue Schulprofile in Schulen anzubieten, um die Jugendlichen auf die gesellschaftlichen Veränderungen im Alltag vorzubereiten und einen Berufs- und Praxisbezug für ihren späteren Berufsweg herzustellen.
Plattdeutsch in der Schule stößt auf positive Resonanz
Die Lehrerin Uta Heinrich, die das Fach unterrichtet, hat selbst plattdeutsche Wurzeln. „Unsere Großmutter hat bei uns zu Hause nur Plattdeutsch mit uns gesprochen“, erzählt sie. Ihr fällt auf, dass bei ihrem Unterricht sowohl Kinder mit plattdeutschen Wurzeln als auch ohne dabei sind.
Einmal in der Woche singen die teilnehmenden Kinder der dritten und vierten Klassen plattdeutsche Lieder oder lesen plattdeutsche Geschichten, erzählt die Pädagogin. Positive Resonanz bekäme sie auch von woanders: „Die Eltern und Großeltern freuen sich, dass diese alte Sprache bei uns weiterlebt und ihre Kinder den ein oder anderen plattdeutschen Spruch mit nach Hause bringen“, erzählt die Norddeutsche.
Muttersprachlerin unterrichtet Chinesisch an der Brecht-Schule
Für eine andere, aber ebenfalls sehr alte Sprache, können sich die Schülerinnen und Schüler an der Brecht-Schule in Hamburg entscheiden, denn hier wird seit zwanzig Jahren als zweite Fremdsprache Chinesisch angeboten. Teilnehmen können Kinder ab der dritten Klasse, und es wird von einer Muttersprachlerin zweimal in der Woche unterrichtet.
„Die Schülerinnen und Schüler sind sehr motiviert und begeistert und fühlen sich durch das Lernen dieser Sprache gut herausgefordert“, erklärt Schulleiterin Anja Messerschmidt und betont, dass in der Schule viele hochbegabte Kinder unterrichtet werden. Langfristig, so hofft die Pädagogin, könnten sie später auch im Job oder privat davon profitieren, Chinesisch zu sprechen. Neben der Sprache geht es bei dem Fach darum, die Kultur des Landes mit Festen und Bräuchen näherzubringen.
„Profilstunde“: Unterricht ganz anders
Die sogenannte „Profilstunde“ an der Schule Fabriciusstraße ist an die verschiedenen Altersstufen ausgerichtet und findet einmal die Woche statt. Dazu gehören unter anderem Projekte, wie zum Beispiel, „Wie sage ich Nein“, der „sichere Umgang mit Hunden am Beispiel des Schulhundes“ oder „Teamarbeit lernen im Kletterpark“.
„Die Profilstunde soll den Kindern helfen, ein Stück weit selbstständiger zu werden“, sagt Schulleiterin Birgit Möller. Außerdem mache es ihnen Spaß, da es von der Norm des alltäglichen Unterrichts abweicht.
Hip-Hop als „Brücke zur Welt der Kinder“ an der Ida-Ehre-Schule
Durch das Engagement mehrerer Lehrer und des Sportlehrers Pascal Mittmann sind vor vier Jahren an der Ida-Ehre-Schule, sogenannte Hip-Hop-Klassen entstanden. „Das Fach ist ein Vehikel. Es bildet eine Brücke zur Welt der Kinder“, sagt die Schulleiterin Nicole Boutez. Der Unterricht findet in den Jahrgängen 8 bis 10 statt.
Der Sportlehrer hat selbst bei verschiedenen nationalen oder internationalen Tanzproduktionen teilgenommen, und so bringt er sein Wissen mit ein. „Die Schülerinnen und Schüler motivieren sich gegenseitig, lernen voneinander und wachsen als Gemeinschaft zusammen“, schildert der Pädagoge. Neben dem Aufwärmen würden die Klassen verschiedene Choreografien erarbeiten, die sie dann regelmäßig vor anderen präsentieren. (vdb)
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