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Autobahn eingezäunt

TVier Unfälle: Aber wie kamen die Wildschweine auf die A27?

Die A27 ist nahezu komplett durch Wildschutzzäune geschützt. Trotzdem kann Wild auf die Fahrbahn gelangen.

Die A27 ist nahezu komplett durch Wildschutzzäune geschützt. Trotzdem kann Wild auf die Fahrbahn gelangen. Foto: Kul

Nach der „Wildschwein-Invasion“ läuft die Ursachenforschung: Gibt es ein Loch im Zaun? Kann das überall passieren? Und was hat eigentlich die Maisernte damit zu tun?

Von Ismail Kul 25.09.2026, 18:25 Uhr

Cuxhaven. Zu Wochenbeginn gelangten Wildschweine auf die A27 zwischen den Anschlussstellen Stotel und Hagen und kollidierten mit mehreren Fahrzeugen. Ein Fahrer wurde leicht verletzt, ein Auto musste abgeschleppt werden. Nach Angaben der Polizeiinspektion Cuxhaven war der Verkehr rund zwei Stunden lang beeinträchtigt.

Wie Wild trotz der Zäune auf die Fahrbahn gelangt

Die A27 ist nach Angaben der Autobahn GmbH nahezu vollständig mit Wildschutzzäunen gesichert. Das gilt auch für den Abschnitt zwischen Stotel und Hagen. Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass Wildtiere auf die Fahrbahn gelangen.

„Der Abschnitt ist nicht speziell für Wildunfälle bekannt. Wildunfälle können aber trotz Schutzmaßnahmen nicht immer gänzlich ausgeschlossen werden“, teilte Stephan Hertz, Sprecher der Polizeidienststelle Cuxhaven auf Anfrage mit. Beschädigte Zäune könnten den Tieren den Weg auf die Strecke öffnen.

Außerdem könnten sie über die Anschlussstellen auf die Fahrbahn gelangen. Auch die Autobahn GmbH weist darauf hin, dass sich nicht vollständig verhindern lasse, dass Wildschweine oder andere Wildtiere auf die Autobahn gelangen.

Autobahn GmbH überprüft Zäune nach Unfällen

Kommt es zu einem Wildunfall, informiert die Polizei die Autobahn GmbH. Diese überprüft anschließend die Wildschutzzäune.

Wildunfälle sind bundesweit häufig: Pro Jahr werden etwa 250.000 Fälle registriert. Auf Wildschweine entfallen davon rund zehn Prozent. Im Schnitt ereignet sich alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall. Das zeigen auch Zahlen des Deutschen Jagdverbandes.

Maisernte bringt mehr Bewegung in Wald und Flur

Besonders im Spätsommer und Herbst sollten Autofahrerinnen und Autofahrer auf Autobahnen und Landstraßen verstärkt mit Wild rechnen, warnt die Autobahn GmbH. Mit Beginn der Maisernte verlieren Wildschweine und andere Tiere in den abgeernteten Feldern wichtige Rückzugsorte.

Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg weist auf diesen Zusammenhang hin. Ähnlich wie während der Paarungszeit seien die Tiere dann häufiger unterwegs, weil sie die Deckung der Maisfelder verlassen müssten.

Mehr Wild auf den Straßen?

„Autofahrer sollten während der Silomais-Erntezeit nicht nur vermehrt mit langsamen Häckslern und Transportgespannen auf der Straße rechnen, sondern auch mit mehr Wild, das schnell und unerwartet die Straßen überquert“, sagt Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer.

Wildunfälle seien jedoch nicht zwangsläufig auf die Maisernte zurückzuführen. Nach Ehreckes Einschätzung hängt das Risiko eher mit der Größe der Schwarzwildpopulation zusammen. Bei der Grünlandmahd im Frühjahr suchen Landwirte und Jäger Flächen während der Brut- und Setzzeit mit Drohnen ab, um etwa Rehkitze zu bergen und Wild aus den Flächen zu bewegen.

Wildschweinrotten lassen sich kaum lenken

Ein vergleichbares Vorgehen in Maisfeldern sei vor der Ernte kaum umsetzbar, erklärt Ehrecke. Rehkitze ließen sich gut orten, weil sie nicht flüchten, und lassen sich daher auch bergen. „Wildschweinrotten dagegen sind sehr mobil und wehrhaft, sie lassen sich nicht einfach einfangen oder in eine bestimmte Richtung treiben. Sie weichen flexibel aus und suchen sich bei der Flucht eigene Wege.“

Wildschutzzäune können das Risiko verringern, aber nicht vollständig ausschließen. Während der Maisernte kann zusätzliche Bewegung in den Feldern hinzukommen. Auf der A27 und den Straßen im Cuxland bleibt daher erhöhte Aufmerksamkeit gefragt.

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