TVom Azubi zum Ausbilder: Einblick in Berufswege bei Airbus in Stade
Airbus-Ausbildungsleiter Michael Bockhorst, Ausbilder Eric Griemsmann und Azubi Thomas Siems in einer der Ausbildungshallen des Stader Werks. Foto: Richter
Die Ausbildungsplätze bei Airbus sind nach wie vor heiß begehrt. Wie sind die Chancen, einen zu bekommen? Und was verdient man da? Azubis von damals und heute geben Einblick.
Landkreis. Zwei Jahre Ausbildung hat Thomas Siems schon hinter sich, eins noch vor sich. Er freut sich schon sehr auf die Zeit danach. Der 21-Jährige ist einer von aktuell 175 Auszubildenden und dual Studierenden bei Airbus in Stade. Zurzeit ist Thomas Siems in der Endmontage der Seitenleitwerke im Einsatz. Er hofft, dass er nach der Ausbildung dort weiterarbeiten wird. Und er hat einen Plan: Er will sich weiterbilden und an einer Technikerschule noch den Bachelor of Technology machen.
Viele Baby-Boomer gehen bald in Rente
Die Chancen stehen gut. „Wir bieten jedem, der seine Ausbildung abschließt und den wir für geeignet halten, einen unbefristeten Vertrag an“, sagt Michael Bockhorst, Ausbildungsleiter bei Airbus Stade. Airbus braucht diese Fachkräfte auch: Viele Mitarbeiter aus der Generation Baby-Boomer gehen in den nächsten Jahren in Rente.
Erst tags zuvor haben Michael Bockhorst und sein Team sich die Azubis genauer angeschaut, die 2027 ihren Abschluss machen. Die entscheidende Frage: „Wir kriegen wir sie gut in die Teams?“

Ein Teil der insgesamt 700 ehemaligen und aktuellen Azubis, die sich zum 40. Geburtstag der Ausbildung bei Airbus in Stade trafen, hat sich für das Foto auf dem Hof aufgestellt. Foto: Airbus
Viele von ihnen werden schon während der Ausbildung in ihrem zukünftigen Team eingesetzt, damit der Übergang möglichst gut funktioniert, berichtet Eric Griemsmann. Er wird an diesem Tag, an dem 40 Jahre Ausbildung bei Airbus in Stade gefeiert werden, für seine 40-jährige Dienstzeit bei Airbus geehrt.
1986, als er im ersten Ausbildungsjahrgang in Stade anfing, war er 16 Jahre alt. Vorher wurde nur in Finkenwerder ausgebildet. Damals hieß die Firma noch MBB (Messerschmitt-Bölkow-Blohm). Eric Griemsmann hatte von Bekannten, die dort arbeiteten, gehört, dass in Stade ein interessanter Zweig im Kunststoffbereich entstehen sollte: CFK.

Alle bei Airbus in Stade ausgebildet: Ausrüstungsmechaniker Steffen Cordes (24), Betriebsratsvorsitzender Tamer Yüksel (46), Qualitätsprüferin Alina Kienast (24) sowie die Ausrüstungsmechaniker Nina Heitmann (26) und Robert Galler (23). Foto: Richter
Damals suchten viele einen Ausbildungsplatz. Heute sind 5,6 Prozent der Jugendlichen unter 25 Jahren arbeitslos, damals waren es in der Bundesrepublik 10 bis 11 Prozent. Doch Eric Griemsmann schaffte es und bekam bei Airbus eine Ausbildung als Kunststoffformgeber. Heute heißt der Beruf Kunststofftechnologe.
1986: Keine Mädchen in Ausbildung
Oder -technologin: In Griemsmanns Ausbildungsjahrgang 1986 war noch kein einziges Mädchen. Inzwischen liegt der Frauenanteil bei etwa 30 Prozent. Das ist so gewollt, erklärt Ausbildungsleiter Michael Bockhorst: „Das macht etwas mit den Teams. Es wirkt sich sehr positiv aus.“
Nach der Ausbildung landete Eric Griemsmann in der Versuchsabteilung. „Wir haben den ersten CFK-Flügel bei Airbus gebaut“, berichtet er. „Weil wir noch nicht wussten, wie es läuft, haben wir uns für das bewegliche Ruder am Seitenleitwerk entschieden. Falls das wegfliegt, kann die Maschine trotzdem noch landen.“
Airbus mit Sicherheitslandung am Hamburger Flughafen
Heute fliegen alle Airbus-Flugzeuge weltweit mit Seitenleitwerken aus CFK - made in Stade. Im Laufe seiner 40 Jahre bei Airbus hat Eric Griemsmann an einem wichtigen Teil der Luftfahrtgeschichte mitarbeiten können. „Man kriegt so viel mit“, sagt er. Er schätzt, dass er als Ausbilder mit mehr als 600 jungen Menschen gearbeitet hat.
Viele von ihnen schwärmen heute durch die Räume. Zum 40. Jubiläum der Ausbildung hat Airbus alle eingeladen, die in Stade ausgebildet wurden und noch vor Ort arbeiten und alle, die aktuell dort in Ausbildung sind - insgesamt 700. Davon sind 175 aktuell Azubis und dual Studierende.
Eine Fräse gibt‘s ab 80.000 Euro
Die Ausbildungs-Werkstätten sind gut ausgestattet. In einer stehen sieben CNC-Fräsen in unterschiedlichen Größen. CNC steht für „Computerized Numerical Control“ und bedeutet, dass das Gerät mit digitalen Programmen vollautomatisch exakte dreidimensionale Formen fräsen kann. Was so etwas kostet? „Je nachdem. Ab 80.000 Euro“, sagt Griemsmann.
In die Ausbildung wird viel investiert. Wie Michael Bockhorst erklärt, kostet jeder Azubi den Betrieb zwischen 1.500 und 2000 Euro pro Monat. Dabei geht es aber nicht nur um die Technik. „Mindset, Werte, Teambuilding und Offenheit sind uns sehr wichtig“, sagt er.
T Müssen wir länger arbeiten? Zum 1. Mai reden Betriebsräte Klartext
In einem anderen Raum der Ausbildungshalle stehen viele Werkbänke. Hat das Handwerk angesichts der Automatisierung denn überhaupt noch Zukunft? Oh ja, sagt Bockhorst. Auch, wenn der Automatisierungsgrad in der Fertigung inzwischen bei 70 Prozent liege - der Rest bleibt Handarbeit. Meist übernehmen Menschen die letzte Feinarbeit, die der Roboter nicht schafft.
Wer aus der Landwirtschaft kommt, hat Vorsprung
„Du musst außerdem erstmal ein Gefühl für einen Werkstoff bekommen“, erklärt Bockhorst. Das passiere durch klassische Handarbeit an der Werkbank. „Die jungen Leute haben heute auch weniger technische Vorkenntnisse als früher“, sagt Eric Griemsmann. Einen deutlichen Vorsprung hätten die, die aus der Landwirtschaft kommen. Wer schon öfter am Traktor geschraubt hat, bringt einiges mit.
Die Automation schreite aber schnell voran. Im Vergleich zur Autobranche hat der Flugzeugbau zwar einen sehr hohen Manufakturanteil. Doch bei neuen Programmen gebe es in der Produktionstechnik riesige Sprünge. Wer bei Airbus ausgebildet wird, soll beides können: Die Maschine für den Bau der A350 bedienen, aber auch die anspruchsvolle Handarbeit, die für einen Eurofighter immer noch nötig ist, sagt Michael Bockhorst.
Airbus muss erstes Lieferversprechen brechen
In der Vergangenheit haben sich 3 von 10 Azubis in den sogenannten White-Collar-Bereich entwickelt, üben also Tätigkeiten aus, bei denen die körperliche Arbeit nicht im Vordergrund steht. Doch nicht nur Überflieger haben Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Auch Anpacker mit Hauptschulabschluss sind gefragt.
„Bei uns ist es wie im Fußball. Das können nicht lauter Messis sein, wir brauchen gute Leute für jede Position“, erklärt Griemsmann. Airbus freue sich auch über Mitarbeiter, die lange in ihrem Job bleiben und nicht gleich in die Meister-Ausbildung weitergehen oder studieren.
Ohnehin stehen viele Wege offen: Michael Bockhorst selbst hat eine Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten absolviert. Ein Praktikum in der Personalabteilung bei Airbus in Finkenwerder war der Beginn einer anderen Laufbahn: Er studierte Personalmanagement, Wirtschaft und Controlling. Bei Airbus kam er zuerst als Leiharbeiter in der Personalabteilung unter, bevor er seinen festen Vertrag bekam.
Guter Verdienst und 35-Stunden-Woche
Tamer Yüksel hat in Stade Verfahrensmechaniker für Kunststofftechnik gelernt und seinen Meister gemacht. Heute ist er freigestellter Betriebsratsvorsitzender der fast 2400 Mitarbeiter von Airbus in Stade. Auf die Bedingungen, unter denen hier nach IG-Metall-Tarif gearbeitet wird, ist er stolz: Die Ausbildungsvergütung bei Kunsttofftechnologen beginnt bei um die 1.200 Euro, am Ende der Ausbildung sind es etwa 1.450 Euro brutto. Danach beträgt das Einstiegsgehalt um die 4000 Euro. Dazu kommen Schicht- und Leistungszulagen und Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, alles bei einer 35-Stunden-Woche und Anspruch auf 30 Tage Urlaub.
Wer Lust bekommen hat, sich zu bewerben: Für 2027 sucht Airbus in Stade 44 Azubis.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.