TVon Beluga bis Star-Wars-Fighter: Ex-Airbus-Ingenieur lebt Traum vom Fliegen
Ready for Take-off: Die mehr als zwei Meter lange Beluga mit ihrem Erbauer Bill Kleinbrahm aus Harsefeld. Foto: Laudien
Flugzeugingenieur, Segelflieger und Modellflugzeugbauer - die Faszination des Fliegens lässt Bill Kleinbrahm aus Harsefeld nicht los. Jetzt setzt er zu fantasievollen Höhenflügen an.
Harsefeld. Die Triebwerke heulen laut auf, die Beluga XL setzt sich in Bewegung und rollt quer durch den Harsefelder Garten. „Abheben kann sie hier aber leider nicht. Dafür benötigt sie mindestens eine zehn Meter lange Startbahn“, erklärt Bill Kleinbrahm.
„Außerdem ist heute ein heißer Tag und zu wenig Wind, also äußerst schlechte Flugbedingungen für den Start der Beluga“, erklärt der Flugzeugprofi aus seiner langjährigen Erfahrung.
Airbus-Ingenieur war für A320-Linie zuständig
Bill Kleinbrahm kennt sich mit Flugzeugen bestens aus. Früher war der gebürtige Rheinländer Flugzeugingenieur bei der Lufthansa. Dann kam er vor mittlerweile 25 Jahren in den Norden zu Airbus.
Als Ground-Test-Engineer hat er in Finkenwerder hauptsächlich die Flugzeuge der A320-Linie vor dem ersten Flug geprüft und letztlich für ihren Einsatz mit einem Testpiloten freigegeben.
Erste Beluga zerschellt im Steinbruch
Privat baut er seit Jahren die großen Flugzeuge im Kleinformat. Sein erster Modellbau einer Beluga endete allerdings mit einer katastrophalen Bruchlandung – in einem Steinbruch. „Die Überreste passten hinterher in eine Aldi-Tüte“, erzählt der 63-Jährige über das tragische Ende.
Zuvor hatte sein imposantes Frachtflugzeug seit dem Jungfernflug 2014 etliche Besucher auf diversen Flugschauen beeindruckt.
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Mehr als ein Jahr hatte er an dem Flieger mit einer Länge von 2,30 Meter und einer Flügelspannweite von 2,10 Meter gearbeitet. Den Rumpf der Beluga fertigte er aus selbst gebauten Glasfaserformteilen, Balsaholz und Schaumstoff.
Test auf dem Flugplatz der Modellfluggruppe Kutenholz
In das Nachfolgemodell hat der Airbus-Ingenieur seine gesammelten Erfahrungen gesteckt. Nach intensiver Bauphase im Hobbykeller und Einsatz auf dem Flugplatz seiner Modellfluggruppe Kutenholz hat sich die knapp acht Kilo schwere Beluga XL längst als flugstabil bewiesen. Sie lasse sich sehr ruhig fliegen und habe nahezu das gleiche Flugbild wie das Original, sagt der Modellbauer.
Eindeutiger Vorteil zum großen Vorbild: Der Eigenbau passt ins Auto. Der Rumpf kann schnell in drei Sektionen zerlegt, Seitenleitwerk und Tragflächen aus der Steckverbindung gelöst werden.

Bill Kleinbrahm in seinem Hobbykeller mit Laserschneider und 3D-Drucker. Foto: Laudien
Seit Kindertagen ist das Fliegen die große Leidenschaft von Bill Kleinbrahm. Schon als Schüler hat er Modellflugzeuge gebaut. Neben seinem Beruf in der Flugzeugbranche war er ab den 1980er Jahren auch als aktiver Segelflieger unterwegs.
Ich bin völlig losgelöst, wenn ich in 700 Meter Höhe im Segelflugzeug gleite und neben mir ein Bussard kreist
Bill Kleinbrahm, Airbus-Ingenieur, Segelflieger und Modellflugzeugbauer
Was fasziniert ihn am Fliegen? „Es ist eine Art von Freiheit und ich bin völlig losgelöst, wenn ich in 700 Meter Höhe im Segelflugzeug gleite und neben mir ein Bussard kreist.“ Frei wie ein Vogel habe er sich gefühlt und das faszinierende Gefühl genossen, als die Thermik ihn erfasste und nur noch das Geräusch des Windes zu hören war.
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Durch seinen Traum vom Fliegen lebt Kleinbrahm seine kreativen Ideen aus. Etliche Flugzeugmodelle hat er in seinem Hobbykeller gebaut, Bauberichte verfasst und Artikel für Modellbauzeitschriften geschrieben. „Ich bin in der Modellbauszene gut vernetzt.“

Der X-Flügler (X-Wing) ist der legendäre Standard-Sternenjäger der Rebellenallianz aus dem Star-Wars-Universum. Berühmt ist er für seine vier kreuzförmig angeordneten Flügel und seine Vielseitigkeit. Foto: Laudien
Selbst die Urlaube wurden nach den Flugtagen ausgerichtet. „Doch wenn man sein Hobby neben dem Beruf zu intensiv betreibt, dann bleibt etwas auf der Strecke, und ich musste mein Hobby ein wenig ausbremsen“, sagt der 63-Jährige.
Zurück in die Zukunft auf Mittelaltermärkten
Nach 25 Jahren bei Airbus ist Kleinbrahm seit April in Rente. Jetzt hat der Harsefelder wieder mehr Zeit für seine große Leidenschaft - und seine vielen Ideen. Seit kurzem verbindet er den Modellflugzeugbau mit der Fantasyszene. Drachenflieger und der Star-Wars-Fighter X-Wing sind seine neuesten Werke im Hobbykeller.

Der fantasievolle Drachenflieger wird in die Luft geworfen. Foto: Laudien
„Mich fasziniert die Aerodynamik und was man alles zum Fliegen bekommen kann.“ Ehefrau Edith teilt die Leidenschaft ihres Mannes, beim Segelfliegen ebenso wie bei ihren gemeinsamen Urlaubsflügen nach Island – und seit kurzem auch für die Mittelaltermärkte.

Im Hobbykeller fertigt Bill Kleinbrahm auch mittelalterliche Ledertaschen und Ritterschilde. Foto: Laudien
Hier präsentiert Kleinbrahm nicht nur seine Drachenflugzeuge, sondern auch selbst genähte Ledertaschen und Ritterschilde. Sein Hobbykeller ist mit modernster Technik ausgestattet, darunter auch ein Laserschneider und ein 3D-Drucker für kleine Flugzeugdetails.
„Ich habe den Kobold im Kopf und bekomme immer wieder kreativen Schub für neue Flugobjekte und andere Dinge“, erklärt Kleinbrahm seinen Antrieb.
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