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TVon Drohnen bis Zukunft: Vier Erkenntnisse der Tarmstedter Ausstellung

Für Familien gab es auf der Tarmstedter Ausstellung viel zu erleben.

Für Familien gab es auf der Tarmstedter Ausstellung viel zu erleben. Foto: Harscher

Es ist die größte Landwirtschaftsschau in Niedersachsen: Die Tarmstedter Ausstellung hat seit Freitag wieder Zehntausende Besucher angezogen. Vier Erkenntnisse von der Messe.

Von Lutz Hilken und Pia Willing 13.07.2026, 19:05 Uhr

1. Mehr Sichtbarkeit von Frauen in Verantwortung

Wie Frauen den ländlichen Raum aktiv mitgestalten, das zeigt sich in einer Gesprächsrunde, die zum Messeauftakt im Zeichen des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft stand. Verantwortung zu übernehmen, Netzwerke zu schaffen und Themen nach vorn zu bringen, das praktiziert Isabelle Pröstler als Landesvorsitzende der Niedersächsischen Landjugend. Was macht die Generation junger Macherinnen aus? „Wir haben einen enorm starken Gestaltungswillen.“

Und sie ist überzeugt, dass es sich lohnt, sich einzumischen, die Landjugend werde von der Politik gehört, was ihr ein persönlicher Ansporn sei. Sie ermutigt junge Menschen, Verantwortung zu übernehmen: „Man muss nicht perfekt performen können, sondern Lust haben, sich zu engagieren.“

Sie sprachen über starke Institutionen (von links): Moderatorin Maja Mogwitz, Elisabeth Brunkhorst (Landfrauen Niedersachsen), Isabelle Pröstler (Landjugend Niedersachsen) und Vivien Ortmann (Marketinggesellschaft).

Sie sprachen über starke Institutionen (von links): Moderatorin Maja Mogwitz, Elisabeth Brunkhorst (Landfrauen Niedersachsen), Isabelle Pröstler (Landjugend Niedersachsen) und Vivien Ortmann (Marketinggesellschaft). Foto: Hilken

Was Frauen voneinander lernen können, um mutiger zu werden, erörtert Elisabeth Brunkhorst als Vorsitzende des Niedersächsischen Landfrauenverbandes. „Wir sind im Alltag schon sehr mutig, ob wir Betriebe führen, in Berufen arbeiten, unsere Familien organisieren oder ehrenamtlich aktiv sind.“ Herausforderungen anzunehmen und finanzielle Unabhängigkeit seien wichtig, ebenso, sich gegenseitig zu unterstützen. Es gehe nicht nur um Wertschätzung, sondern um Sichtbarkeit von Frauen, um das Verändern von Strukturen und Rollenbildern. „Leider ist die Landwirtschaft noch sehr konservativ, was dieses Thema angeht.“

2. Für Landmaschinen läuft es zäh, Drohnen sind gefragt

Am Morgen des vierten und letzten Messetages in Tarmstedt bewerteten Aussteller ihre Messepräsenz unterschiedlich. „Ich habe hier an einem Messewochenende mehrere Hundert Kundenkontakte. Die kann ich alleine in einem Jahr gar nicht alle persönlich besuchen“, sagt Jürgen Grabeler. Er arbeitet für ein Unternehmen, das Sondermaschinen für nasse Wiesenflächen baut und vertreibt. Ein Nischenmarkt, wie er selbst sagt.

Generell heben die Aussteller hervor, wie wichtig die Präsenz auf der Messe sei. „Die Tarmstedter Ausstellung hat ein gutes Image und unser Fernbleiben würde negativ auffallen. Wir sind mit 30 Verkäufern vor Ort und gerne hier“, sagt Volker Meyer vom Landmaschinenhandel Schröder. Aber er sagt auch: „Üblicherweise ist es Montagmorgen hier schon voller.“

Lukas Abeln führt ein kleines Start-up-Unternehmen und möchte die Drohnentechnik in der Landwirtschaft nach vorn bringen.

Lukas Abeln führt ein kleines Start-up-Unternehmen und möchte die Drohnentechnik in der Landwirtschaft nach vorn bringen. Foto: Hahn

Ein positives Fazit zieht Lukas Abeln von seinem ersten Messebesuch. Der Jungunternehmer aus Dwergte hat sich mit dem Start-up Dronencampus selbstständig gemacht. „Ich habe einige Jahre selbst im Weinbau Drohnen geflogen“, sagt er. Im Obst- und Weinanbau werden sie insbesondere an Steilhängen schon heute zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. „Im Flachland verbieten das derzeit noch aktuelle Gesetze“, weiß er. Dennoch freut Abeln sich: „Das Interesse ist riesig.“

3. Für Familien oder Landwirte? Quo vadis Tarmstedter Ausstellung?

Volle Gänge, große Maschinen und zufriedene Familien – doch hinter den Kulissen gibt es auch Kritik. Wovon die Messe mehr vertragen könnte? Die Antwort auf diese Frage fällt bei einer Umfrage der Zevener Zeitung ganz unterschiedlich aus. So kritisiert zum Beispiel Simon Dari, Gebietsverkaufsleiter aus Gütersloh, den Termin. „Unsere potenziellen Kunden sind gerade auf dem Acker beschäftigt“, sagt Dari. Für viele Landwirte falle die Messe mitten in die Erntezeit. Sein Vorschlag: Die Ausstellung um etwa einen Monat nach vorne verlegen. Ende Juni hätten viele Betriebe mehr Zeit für einen Messebesuch. Stattdessen seien aktuell vor allem Familien und Kirmesbesucher auf dem Gelände unterwegs.

Für die gab es wiederum wenig bis gar nichts zu meckern. „Für Kinder ist das hier super“, sagt Familie Laufer aus Lunestedt. Fast überall darf der Nachwuchs aufsteigen, Knöpfe drücken und Lenkräder drehen.

Auch Oliver Kregel, der selbst in der Landtechnikbranche arbeitet, lobt das Gesamtpaket: „Hier fehlt nichts.“ Für die Zukunft wünscht sich der 53-Jährige vor allem eines: dass die Ausstellung ihren Charakter behält. Die größte Herausforderung sei, die Hallen und Freiflächen auch künftig mit attraktiven Ausstellern zu füllen.

4. Die Messe bleibt ein Besuchermagnet

Dass die angestrebten 100.000 Besucher wohl erreicht werden, zeichnete sich schon am Montagnachmittag ab. Am Eröffnungstag sollen 17.000 Besucher auf dem Gelände gewesen sein, am Samstag 27.000 und am Sonntag sogar 38.000. „Alles in allem sind wir sehr zufrieden“, zogen Geschäftsführer Oliver Moje und Prokuristin Julia Wöltjen vom Ausstellungsteam Fazit. „Wobei die Verweildauer nicht so lange ist. Viele sind früher gekommen und früh wieder gegangen“, so die Prokuristin angesichts der hohen Temperaturen.

Die Online-Ticketverkäufe hätten für die Ausstellung deutlich zugenommen, der Ablauf sei wesentlich schneller. Auch die Aussteller konnten glänzen: „Auf allen Ständen wird es immer professioneller und aufwendiger. Das Niveau ist sehr hoch, das freut uns natürlich.“

Die nächste Tarmstedter Ausstellung läuft vom 9. bis 12. Juli 2027. (bat)

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