TNeue Ehrenamtliche und neue Ideen beim Ankerplatz in Stade
Finja Cordes. Foto: Richter
Der Ankerplatz kann es nur geben, wenn Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Das macht Arbeit, aber auch Sinn. Warum, erzählen hier einige von ihnen.
Stade. „Ich vermisse Treffpunkte für uns Jugendliche“, sagt Finja Cordes aus Hollern-Twielenfleth. Die 17-Jährige hat ihrem Vater, dem 49-jährigen Elektriker Ralf Cordes, gerade geholfen, im Jugendcontainer auf dem Ankerplatz die Kabel zu ziehen. Er unterstützt das Projekt seit eineinhalb Jahren ganz praktisch. Ihm sei es wichtig, dass Jugendliche Plätze haben, wo sie sich treffen können: „Ich hoffe, dass hier so ein Ort entsteht und dass die Jugendlichen ihn gut annehmen.“
Ralf Cordes. Foto: Richter
Finja Cordes hofft, dass es ein offener Raum wird, in dem sich Menschen ohne Vorurteile begegnen und neue Freundschaften entstehen können. Sie hat sich im Rahmen einer Hausarbeit damit beschäftigt, wie durch Sport Vorurteile abgebaut werden können und Gemeinschaft gestärkt wird. Die VLG-Schülerin engagiert sich gemeinsam mit einer Freundin für den Ankerplatz und hat hier auch schon Kuchen verkauft, um Geld für den Abiball zu sammeln.
Ein idealer Platz für die Jugendarbeit
Um die Jugend geht es auch Fatma Erten. Eigentlich war die 43-Jährige zum Ankerplatz gekommen, um sich anzusehen, ob ihr Verein, der Förderverein Traumapädagogik, hier vielleicht ein Fest veranstalten könnte. Wie die gebürtige Bützfletherin berichtet, kam sie dann mit einem Jugendlichen ins Gespräch und fragte, was er sich für den Platz wünschen würde. „Einen Spielautomaten“, habe der gesagt. „Als ich ihn gefragt habe, ob er weiß, dass das süchtig macht, hat er gesagt, dass er ja schon versucht, weniger zu spielen.“ Dann fragte sie noch einmal: „Was brauchst du denn wirklich?“. „Jemanden, der mir hilft“, habe der Junge geantwortet.

Fatma Erten. Foto: Richter
Fatma Erten ist der Meinung, dass sich der Ankerplatz sehr gut als Standort für die Stader Jugendarbeit eignen würde. „Ich finde, wir brauchen hier Streetworker“, sagt sie. Mario Handke berichtet, dass einige Jugendliche sich sehr oft am Platz aufhalten. Eine Frau von der Gartengruppe habe sie eines Tages gebeten, mit anzupacken, als die Kisten mit den Hochbeeten bewegt werden mussten. „Das haben die gemacht. Seitdem passen die hier sogar mit auf, dass andere Leute keinen Müll machen und nichts beschädigen.“

Bernd Unglaub. Foto: Richter
Der 69-jährige Bernd Unglaub von der Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) ist beim Ankerplatz mit jungen Leuten in Kontakt gekommen. Das freut ihn, weil die GNU unter Überalterung leidet. „Die unterstützen mich sogar bei meinem Stand auf dem Inselmarkt am Sonntag“, berichtet er. Auf den Ankerplatz ist er gekommen, um mit Kindern Buttons mit Marienkäfern zum Anstecken anzufertigen. „Außerdem passe ich auf, dass die Leute ihre Kippen hier nicht einfach wegschmeißen“, berichtet er.

Lisa Allers. Foto: Richter
„Wir sind hier supernett aufgenommen worden“, berichtet die 30-jährige Lisa Allers vom Verein Quest - Queeres Stade. Nicht auf Hürden zu treffen, sei für queere Menschen im ländlichen Raum nicht selbstverständlich. „Zum Glück haben wir hier einen Safer Space“, sagt sie. Es tue gut, unter Menschen zu sein, bei denen man sich nicht erklären müsse. „Wo man so akzeptiert wird, wie man ist.“

Jess Schonk. Foto: Richter
Sicherer Hafen für Frauen
Der 41-jährigen Jess Schonk ist es wichtig, einen sicheren Hafen für Frauen zu schaffen. Sie gehört zu FEM Stade, einem Verein in Gründung, der aus dem Frauenstreik im März entstand. „Der Streik war uns zu wenig“, erklärt Lara Thomsen, eine der beiden Initiatorinnen. Jetzt gebe es eine Gruppe, in der Frauen sich gegenseitig unterstützen können, zu der aber auch ein paar gleichgesinnte Männer gehören. Wo man sich unterstütze und auch mal gegenseitig auf die Kinder aufpassen könne. Es sei wichtig, Aufmerksamkeit zu schaffen: „Wir brauchen Feminismus. Von Gleichstellung sind wir noch weit entfernt.“
Die 37-jährige Lara Thomsen und der 23-jährige Tim Evers kümmern sich jetzt um die Organisation des Ankerplatzes. Wer Interesse hat, sich zu engagieren, kann sich bei ihnen melden und informieren unter lara@ankerplatz-stade.de
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Lisa Allers. Foto: Richter