T„Wäre gern geblieben“: Beate Adler schließt Nudelschmiede in Stade
Beate Adler verkauft mehr als 150 Nudelsorten in ihrem Geschäft. Foto: Stehr
Seit mehr als 20 Jahren verkauft Beate Adler in Stade selbstgemachte Nudeln. Jetzt kehrt die 66-Jährige mit dem bewegenden Lebenslauf der Stadt frustriert den Rücken.
Stade. Nudeln in diversen Geschmacksrichtungen und unterschiedlichsten Farben und Formen stehen in den Regalen von Beate Adlers Feinkostgeschäft am Rande der Stader Altstadt.
Innerhalb von 20 Jahren ist das Sortiment auf mehr als 150 Sorten gewachsen. Bis zum 13. Juni ist die Nudelschmiede in der Kehdinger Straße noch geöffnet. Dann ist Schluss.
Beate Adler verarbeitet jede Woche eine Tonne Grieß
Dass Beate Adler überhaupt zur Nudel kam und mittlerweile etliche Feinkostgeschäfte und Gastronomen beliefert, liegt an ihrem Mann. Für den gebürtigen Schwaben sind Spätzle und Nudeln ein Grundnahrungsmittel. „Warum nicht selbst machen?“, dachte sich Beate Adler und kaufte vor gut 25 Jahren ihre erste Nudelmaschine. Heute hat sie fünf an der Zahl und verarbeitet jede Woche eine Tonne Grieß.
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Mit Mitte 40 begann Beate Adler mit der Nudelproduktion. Ihre erste Verkaufsstelle war die umgebaute Diele auf ihrem Resthof in Hechthausen. Mit ihrem VW-Bus voller Nudeln, Soßen, Pesto und Gewürzen klapperte sie bald auch Wochenmärkte ab und eröffnete einen Internet-Shop. Die Nudelschmiede war geboren. Dabei hat Beate Adler ursprünglich einen anderen Weg eingeschlagen. „Ich tanze gern auf vielen Hochzeiten“, sagt sie.

Mit dieser Nudelmaschine fing alles an. Jetzt neigt sich Beate Adlers Zeit in Stade dem Ende entgegen. Foto: Stehr
Die 66-Jährige stammt aus Dresden, hat zwei Kinder alleine großgezogen und eine Ausbildung zur Elektrikerin und Nachrichtentechnikerin absolviert. Nach der Wende tingelte sie durch die Welt, machte ihren Techniker in Hamburg und fing ein Jura- und Wirtschaftsinformatikstudium an. Zweimal erkrankte Beate Adler schwer.
Beruflicher Neustart mit 45 Jahren
Mit 45 ließ sie sich zur Informatikerin ausbilden und war die älteste in ihrer Klasse an der BBS in Stade. Sie war im Kirchenkreisamt in Hechthausen tätig und Bundesrechnungsprüferin der Grünen. Noch heute sitzt sie für die Partei im Rat in Hechthausen. Dann kam die Nudelschmiede.
2005 eröffnete sie ihr Geschäft in der Kalkmühlenstraße, zwei Jahre später zog sie in die Kehdinger Straße. Zu Hochzeiten hatte Beate Adler sechs Angestellte - meist Menschen mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten, die sonst keiner wollte.
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Seit Corona macht Beate Adler alles alleine. „Meine Arbeitstage sind 16 Stunden lang“, sagt die Einzelhändlerin. Doch das ist nicht der Grund, warum sie ihr Geschäft in Stade an den Nagel hängt. Gerne hätte sie noch ein paar Jahre weitergemacht. Aber es sei einiges zusammengekommen.
Ärger mit der Stader Stadtverwaltung
Sie müsse Corona-Hilfen zurückzahlen und habe mit immer mehr Bürokratie - unter anderem seitens des Finanzamts - zu kämpfen. Das Fass zum Überlaufen brachte aber die Stadtverwaltung. Von der bekam Beate Adler kürzlich eine 55-Euro-Strafe aufgebrummt, als sie morgens einen Kunden am Pferdemarkt belieferte.
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„Ich habe drei Minuten gehalten und ausgeladen“, sagt Beate Adler. Laut Beschilderung ist Lieferverkehr bis 10 Uhr erlaubt. Allerdings gelten am Pferdemarkt aufgrund der Bushaltestellen besondere Regeln. 15 Meter vor und hinter einem Haltestellenschild darf nicht geparkt werden. Darauf weist die Stadtverwaltung in einem Schriftwechsel mit Beate Adler hin.
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Es sei nur die Durchfahrt erlaubt, Anlieferungen könnten über die Beguinenstraße erfolgen. „Für mich ist das Schikane“, sagt Beate Adler. Zumal sie beobachtet habe, dass zwei große Lkw zeitgleich mit ihr die Gastronomie am Pferdemarkt belieferten. Die seien nicht vom Ordnungsamt verwarnt worden.
Sauer war Beate Adler nach dem Start der Bauarbeiten in der benachbarten Bungenstraße auch über den „Schilderwald“ und das Halteverbot vor ihrer Haustür. Sie versteht nicht, warum vorher niemand mit ihr gesprochen habe, um eine Lösung zu finden.
„Es fehlt ein Bürgermeister, der sich kümmert“
Zwar habe die Verwaltung schließlich eingelenkt und sowohl die Verwarnung zurückgenommen als auch bei der Beschilderung nachjustiert. Allerdings erst nach mehrfacher Beschwerde. „So geht man nicht mit Einzelhändlern um. Seit Sönke Hartlef krank ist, fehlt ein Bürgermeister im Rathaus, der sich richtig kümmert“, sagt Beate Adler.
Ganz verzichten müssen Kunden auf ihre Nudelkreationen aber nicht. Adler werde künftig einen Großteil ihrer Produkte über den Laden in Hechthausen sowie übers Internet und über ausgewählte Supermärkte weiter verkaufen. Bis zum 13. Juni hat die Nudelschmiede in Stade immer donnerstags von 10 bis 17.30 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.
Die Stadtverwaltung betonte auf TAGEBLATT-Nachfrage, dass man im „ständigen Austausch mit Einzelhändlern vor Ort“ sei. „Uns ist die Bedeutung des Einzelhandels für die Hansestadt Stade natürlich bewusst“, sagt Pressesprecher Stephan Voigt. Auch mit der Nudelschmiede habe es Kontakt gegeben. Näher geht die Stadt in ihrem Statement nicht auf die Kritik ein.

Seit 2007 ist die Nudelschmiede in der Kehdinger Straße ansässig. Mitte Juni schließt das Geschäft. Foto: Stehr
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