TWarme Füße und matschiger Garten: Besuch im Neubau der Freien Schule
In der Freien Schule Himmelpforten bestimmen die Kinder selbst, was sie wann lernen möchten. Auch Mathematik oder Biologie werden durch Spiele und Projekte vermittelt. Foto: Knappe
Im Sommer ist die Freie Schule Himmelpforten von ihrem alten Standort im Containerdorf in ihren eigenen Neubau umgezogen. Wie es dort läuft und was noch zu tun ist.
Himmelpforten. Die Freie Schule Himmelpforten ist angekommen in ihrem neuen Heim. 2019 startete sie ihren Schulbetrieb mit etwa 20 Kindern an der Straße Forth, wo die Schule in einem Dorf aus 14 Containern untergebracht war. Hartnäckig plante der Trägerverein „Lernräume“ einen eigenen Neubau. Die Schule finanziert ihren Betrieb allein durch Elternbeiträge, Spenden und einen Betriebskredit.
Schule seit Mitte August in Betrieb
Mitte August war es endlich so weit: Mit mittlerweile 70 Schülerinnen und Schülern siedelte die private Bildungsstätte um in den Neubau in nur wenigen hundert Metern Entfernung an der Straße In den Reddern. „Wir wussten erst im Juli, dass wir rechtzeitig fertig werden“, erzählt Schulleiterin Manuela Mahlke-Göhring.

Blick auf den rot verklinkerten Schulneubau in Himmelpforten. Geheizt wird über eine Luft-Wärme-Pumpe. Foto: Knappe
Unterricht findet auf Socken statt
Schnell sind die Schüler heimisch geworden in dem eingeschossigen, mit rotem Backstein verklinkerten Massivbau, der mit vielen bodentiefen Fenstern und Lüftungssystem ausgestattet ist. Beheizt wird das Gebäude über eine Luft-Wärme-Pumpe und mit einer Fußbodenheizung. Schüler und Lehrer laufen jetzt im Gebäude auf Socken umher - vorbei sind die fußkalten Zeiten in den Containern. Vor wenigen Tagen wurde eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach in Betrieb genommen.
Spielplatz soll Anfang 2026 fertig werden
500 Quadratmeter stehen im Neubau zur Verfügung. Es gibt vier Klassenräume, zwei Differenzierungsräume, eine Küche, einen Versammlungsraum, einen Kreativraum, ein Mal-Atelier und einen Bewegungsraum. Der Spielplatz mit großem Klettergerüst, Rutsche, Wippe, Schaukeln, Reck und Tipi ist noch nicht fertig. Die Arbeiten begannen im Oktober, „dann hat es aber fürchterlich geregnet,“ sagt Mahlke-Göhring und schaut auf die Matsch-Landschaft hinter dem Schulgebäude. „Anfang 2026 soll der Spielplatz betretbar sein.“ Im Frühjahr oder Frühsommer wird es dann die Schul-Einweihungsfeier geben. Auch der Schulgarten soll im Frühjahr neu angelegt werden.

Kräftiger Herbstregen verwandelte das Außenareal der Freien Schule in eine Matsch-Landschaft und unterbrach die Bauarbeiten für den Spielplatz. Anfang 2026 soll er aber fertiggestellt sein. Das Highlight: ein großes Klettergerüst. Foto: Knappe
Verwaltungs- und Lehrerzimmer seien zusammengelegt worden, erzählt Mahlke-Göhring. Dieser Raum, auch „Treffpunkt“ genannt, ist für Versammlungen. Auf ein eigenes Lehrerzimmer sei verzichtet worden: „Unsere Lehrkräfte machen ihre Pausen inmitten der Schüler“, sagt Mahlke-Göhring.
Fahrradraum gesponsert von Aktion Mensch
Im Außenbereich gibt es einen Fahrrad-Abstellraum, dieser sowie ein Elektro-Lastenrad wurden gesponsert von der Aktion Mensch. Viele Kinder nutzen jetzt laut Mahlke-Göhring Rad oder Roller, da die Entfernung vom Bahnhof zur Schule jetzt etwa zwei Kilometer betrage - diese Distanz sei vorher etwas kürzer gewesen.
Zwei der drei schuleigenen Container und die große Gartenhütte müssen noch zum neuen Standort umziehen. Ob der geplante Musikraum wie ursprünglich vorgesehen in einem der Container oder doch im Schulgebäude untergebracht wird, ist noch offen.
Grundschüler lernen klassenübergreifend
Die aktuell 27 Schüler in den vier Grundschuljahrgängen lernen klassenübergreifend zusammen - „das hat sich bewährt“, so Mahlke-Göhring. Die übrigen 43 Kinder in der Oberstufe verteilen sich auf drei Gruppen: die fünfte und sechste Klasse lernen zusammen sowie die Jahrgänge sieben bis zehn. Zudem gibt es für Schüler aus den Jahrgängen neun und zehn eine Prüfungsgruppe, in der sich Mädchen und Jungen auf Haupt- und Realschulabschlüsse vorbereiten.

Die Schüler bestimmen mit, so beantragten und bekamen sie bereits eine Unterbringung für ihre Steckenpferde - genannt „Hobby-Horses“. „Das ist zurzeit richtig in“, erzählt Schulleiterin Manuela Mahlke-Göhring. Foto: Knappe
Schule will bewusst klein bleiben
Die landeseinheitlichen Prüfungen werden an der Porta-Coeli-Schule abgelegt. Im Sommer 2025 hätten zwei Schüler ihren Hauptschulabschluss gemacht. Im laufenden Schuljahr 2025/2026 planten sieben Schüler ihren Abschluss, berichtet die Schulleiterin. Die Oberstufe der jungen Schule füllt sich langsam auf.
Das Schulgebäude ist ausgelegt auf 100 Schüler, diese Zahl peilt der Trägerverein aber nicht als Maximalgröße an - die Schule will eine kleine Schule bleiben. Bevorzugt werden Kinder ab der ersten Klasse aufgenommen, damit sie von Anfang an im System der Freien Schule lernen.
Freie Schule setzt auf selbstbestimmtes Lernen
Das Unterrichtskonzept setzt auf Selbstbestimmung: Die Schüler bestimmen selbst, was sie wann lernen möchten. Vieles wird spielerisch vermittelt. Bei der Anlage eines Hochbeets etwa kommen Biologie und Mathematik zur Volumenberechnung ins Spiel. Handys werden morgens abgegeben.

Der Klassenraum für die Jahrgangsstufen 1 bis 4, die in einer Gruppe zusammengefasst sind. Foto: Knappe
Die Freie Schule Himmelpforten ist eine integrative Schule, die auch Kinder mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen aufnimmt. Seit 2024 ist sie als Umweltschule zertifiziert. Die Schüler kommen aus dem gesamten Landkreis, teils aus Nachbarkreisen. Die Freie Schule beschäftigt 15 Mitarbeiter, davon sind zwölf Lehrkräfte (Lernbegleiter) in Voll- und Teilzeit. Ein Ganztagsbetrieb ab 2026 ist nicht geplant - der sei seitens der Eltern nicht erwünscht, sagt die Schulleiterin.
Pläne für Naturkindergarten in Himmelpforten
Neue große Pläne gibt es auch schon: Eine an die Schule angedockte Elterngruppe plant aktuell einen Naturkindergarten auf dem 1200-Quadratmeter-Areal hinter der Freien Schule. „Wir hätten gerne einen Naturkindergarten. Das Konzept wird gerade geschrieben“, berichtet Mahlke-Göhring.
Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.