TWer wird Bürgermeister in Nordkehdingen? Ein ungleiches Paar auf dem Podium
TAGEBLATT-Redakteurin Grit Klempow stellte im ausverkauften Kornspeicher die Bürgermeisterkandidaten Helge Winnat (links) und Frank Griemsmann (rechts) vor. Foto: Wertgen
Helge Winnat und Frank Griemsmann wollen Bürgermeister in Nordkehdingen werden. Beim TAGEBLATT-Talk trafen sie jetzt aufeinander. Dabei waren auch Bierdeckel im Spiel.
Freiburg. Zwei der drei Bewerber um das Bürgermeisteramt in Nordkehdingen stellten sich am Montagabend beim TAGEBLATT-Talk den Fragen der Redaktion und denen des Publikums. Es geht um ärztliche Versorgung, Kleiabbau, Straßen- und Wegebau oder Führungsqualitäten.
Die Kandidaten
Frank Griemsmann, 38 Jahre alt, parteillos und der Stellvertreter von Noch-Samtgemeindebürgermeisterin Erika Hatecke. Er ist in Otterndorf aufgewachsen und arbeitet seit 2010 in der Nordkehdinger Verwaltung; erst in der Kämmerei, jetzt als Leiter des Ordnungsamtes. Dort ist er zuständig für Kitas, Schulen und Personal.
Helge Winnat, geboren 1969, bewirbt sich für Die Linke. Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann, arbeitet seit 15 Jahren im Bereich Gleisbausicherung und lebt seit sechs Jahren in Freiburg. Aufgewachsen ist er in der Lüneburger Heide. Von dort ging es nach Sachsen-Anhalt und über Braunschweig nach Nordkehdingen.
Die Stärken Nordkehdingens
Die erste Frage von Moderatorin Grit Klempow, stellvertretende Redaktionsleiterin und TAGEBLATT-Reporterin: Was sind die Stärken Nordkehdingens? Winnat lobte vor allem die Arbeit im Rathaus und die Hilfe der Mitarbeiter bei Problemlösungen. Frank Griemsmann verweist auf die Menschen, die gegenseitig aufeinander achteten. „Das ist nicht überall so“, sagt er.
Der lange Weg zum Küstenschutz
Bei der Frage „Was muss passieren, damit der Küstenschutz schneller vorankommt?“ geht es um ein beherrschendes Thema in der Region. Der Verwaltungsfachmann verweist auf die Bürokratie. „Sie steht uns oft im Weg, vor allem auf lokaler Ebene“, sagt er. Die Verfahren, um den Deich zu erhöhen, seien sehr kompliziert. Arten- und Naturschutz stünden im Weg. „Ich hoffe, dass wir das beschleunigen können.“
T Frank Griemsmann will Bürgermeister in Nordkehdingen werden
Winnat antwortet: „Wir müssen den eigenen ökologischen Fußabdruck im Blick behalten.“ Um unterschiedliche Interessen zu einen, müsse man miteinander reden, sich zuhören und letztlich Lösungen finden.
Die Elbfähre und die Wartezeiten
Auch die Bedeutung der Elbfähre für Nordkehdingen ist Thema. Winnat ärgert sich über „die katastrophal langen Wartezeiten“. Er plädiert dafür, dass der Fährbetrieb erhalten bleibt, „das wäre für den Tourismus und Nordkehdingen sehr wichtig“. Griemsmann spricht sich für den Bau des Elbtunnels aus.

Helge Winnat traut sich den Bürgermeister-Job ohne Verwaltungserfahrung zu. Foto: Wertgen
Aber so könne es bis zur Fertigstellung eines Tunnels nicht weitergehen. Die Zufahrt sei regelmäßig erwartbar so blockiert, dass Feuerwehr- oder Rettungswagen nicht mehr durchkämen. Er wünschte sich mehr Unterstützung, so wie es diese auch auf der anderen Seite der Elbe für die Fähre gibt.
Windenergie und Solaranlagen
Winnat zögert bei der Frage, wie viel Windenergie- oder Agri-PV-Anlagen Nordkehdingen noch verkraftet und stimmt letztlich zu, „solange die Beteiligung auch bei den Bürgern ankommt“.

Frank Griemsmann arbeitet seit 16 Jahren in der Verwaltung der Samtgemeinde Nordkehdingen. Foto: Wertgen
Griemsmann ist ausführlicher: „Wind und Sonne sind gratis und es ist gut, wenn wir sie nutzen können“, sagt er. Durch die Beteiligung könne Nordkehdingen inzwischen einen sechsstelligen Betrag pro Jahr einfahren. Der helfe, die sanierungsbedürftige Baljer Grundschule und die Sanierung der Dreifachturnhalle zu stemmen.
Ein unverhofftes Geldgeschenk
Ungeahnte finanzielle Möglichkeiten eröffnen sich mit der Frage nach einem Zehn-Millionen-Euro-Geschenk an die Gemeinde. Wie würden die Kandidaten das Geld einsetzen?

Grit Klempow fragte die Kandidaten für den Bürgermeisterjob aus. Foto: Wertgen
Winnat möchte eine barrierefreie Begegnungstätte schaffen und hat dabei den alten Bauhof vor Augen. Griemsmann würde dort investieren, wo die Kommune eigentlich nicht zuständig ist: Es gebe einen Riesenbedarf in der Seniorenbetreuung und -pflege. Er würde Plätze schaffen und günstig vermieten.
Der kurze Draht in der Einheitsgemeinde
Wie bleibt in der neuen Einheitsgemeinde der kurze Draht des Bürgers zur Kommune erhalten? Winnat möchte regelmäßige Bürgersprechstunden in den Dörfern anbieten. Griemsmann erklärt, dass jeder Ort einen Ortsvorsteher haben wird, als Ansprechpartner für die Bürger.
T „Ein Lottogewinn“: Auch dieses Dorf im Kreis Stade bekommt Zuschüsse
T Archäologie, Kunst und die Geburt: Diese Kinder wollen in den Ferien lernen
Per Bierdeckel beteiligt sich das Publikum: Gleich mehrfach wurde die Frage gestellt, wie Helge Winnat ohne Verwaltungserfahrung das Bürgermeisteramt ausüben wolle. Seine Antwort: Er habe keine Erfahrung in Verwaltung, aber er sei Kaufmann im Einzelhandel. Daher könne er mit Zahlen umgehen. Auch könne die neue Sicht auf Dinge Positives bewirken.
Kandidaten bevorzugen Heavy Metal statt Schlager
„Was hält der eine Kandidat vom anderen?“, steht auf einem Bierdeckel. Winnat sieht bei Griemsmann die Erfahrung. Der wiederum nennt seinen Mitbewerber „mutig“. Sich ohne Verwaltungserfahrung der Diskussion zu stellen, verdiene Respekt.
Wenngleich sich die Kandidaten in Vielem unterscheiden, weiß das Publikum jetzt auch, dass beide Heavy Metal einem Schlager jederzeit vorziehen. Und so gehen sie nach dem TAGEBLATT-Talk gemeinsam ein Bier trinken.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.