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Naturschutz

TWie ein Katapult: Harsefelder Grüne gehen Springkraut an den Kragen

Aktive der Harsefelder Grünen: (von links) Bernd Winkelmann und Dr. Hans-Martin Kallenberger.

Aktive der Harsefelder Grünen: (von links) Bernd Winkelmann und Dr. Hans-Martin Kallenberger. Foto: Kallenberger

Hübsch aber schädlich: Wer das Drüsige Springkraut in seinem Garten findet, sollte es den Harsefelder Grünen gleichtun. Die ernteten mehr als 100 Kilogramm bei ihrem Einsatz.

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Von Pauline Meyer
25.07.2026, 16:50 Uhr

Harsefeld. Ein kräftiger Ruck, und die Pflanze ist aus dem Boden. Mit jedem weiteren Ruck wächst der Haufen am Wegesrand: Mehr als 100 Kilogramm Drüsiges Springkraut zogen die Mitglieder des Harsefelder Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen bei ihrem ersten Einsatz im Auetal bereits aus dem Boden. Weitere sollen bald folgen.

Scharf geladen: Springkraut schleudert Samen meterweit

Die Pflanze macht es den Helfern dabei vergleichsweise einfach. Das Drüsige Springkraut ist einjährig und wurzelt in lockerem Boden nicht besonders tief. Mit etwas Kraft lässt es sich deshalb leicht ausreißen. Doch der Zeitpunkt ist entscheidend. Denn wer zu lange wartet, riskiert, dass die Pflanze ihre ganz eigene Art der Fortpflanzung nutzt: Das Drüsige Springkraut besitzt eine Art eingebautes Katapult.

Das Drüsige Springkraut ist eine invasive Art.

Das Drüsige Springkraut ist eine invasive Art. Foto: Pixabay/Hans

In ihren reifen Samenkapseln herrscht Spannung. Wird eine Kapsel berührt, springt sie auf und schleudert die Samen mehrere Meter weit durch die Gegend. Die Pflanze verteilt ihren Nachwuchs also nicht nur über Wind oder Tiere, sie schießt ihn aktiv in die Umgebung.

Genau deshalb haben die Harsefelder Grünen die Pflanze noch vor der Blüte und vor der Samenreife entfernt. Denn jeder Samen, der gar nicht erst auf dem Boden landet, kann in den kommenden Jahren keine neue Pflanze werden.

Springkraut mag es feucht

Einfach verschwunden ist das Springkraut damit allerdings noch lange nicht. Die Pflanze stammt ursprünglich vom indischen Subkontinent und wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Inzwischen wächst sie auch im Auetal. An feuchten Standorten findet sie ideale Bedingungen und kann innerhalb kurzer Zeit mehr als zwei Meter hoch werden.

Im Auetal bei Harsefeld: Entfernen des wuchernden Drüsigen Springkrauts.

Im Auetal bei Harsefeld: Entfernen des wuchernden Drüsigen Springkrauts. Foto: Kallenberger

Das Problem: Das Drüsige Springkraut ist ein sogenannter invasiver Neophyt, also eine gebietsfremde Pflanze, die sich in ihrer neuen Umgebung stark ausbreitet und dabei heimische Arten verdrängen kann. In dichten Beständen überwuchert sie andere Pflanzen und nimmt ihnen Licht und Platz. Gerade in einem Naturschutzgebiet ist das problematisch.

Im Naturschutzgebiet „Auetal und Nebentäler“ sollen vielfältige heimische Pflanzen- und Tiergemeinschaften geschützt werden, erklärt Dr. Hans-Martin Kallenberger von den Grünen. „Gerade in einem Naturschutzgebiet wie dem hiesigen ist das Wuchern des Indischen Springkrauts daher fatal“, so Kallenberger weiter.

Wer schnell ist, ist im Vorteil - muss aber trotzdem jahrelang kontrollieren

Die Bekämpfung ist durchaus erfolgversprechend, denn das Springkraut lebt nur ein Jahr. Wird es rechtzeitig ausgerissen, kann es keine neuen Samen bilden. Allerdings liegen bereits Samen im Boden und die können bis zu fünf Jahre keimfähig bleiben. Deshalb reicht ein einmaliger Einsatz nicht aus: Die betroffenen Flächen müssen über mehrere Jahre kontrolliert werden.

In Absprache mit dem Naturschutzamt des Landkreises Stade haben die Grünen mit der Arbeit begonnen. Der Landkreis hat seine Mitwirkung signalisiert, weitere Einsätze im Auetal sollen nach den Sommerferien folgen. Die Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Noch werden außerdem freiwillige Helfer gesucht. „Jede Hilfe ist erwünscht, egal ob für eine Stunde oder einen halben Tag“, so Dr. Kallenberger. Wer mit anpackt, muss keine besondere Ausrüstung mitbringen - vor allem aber Lust, kräftig zu ziehen.

Und vielleicht ein wenig Vorsicht: Wenn das Springkraut bereits reife Samenkapseln trägt, sollte man sich vor dem eingebauten Katapult in Acht nehmen.

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