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TWie lernen Kinder an der Oberschule am besten? Das sagt eine Expertin

Welche Art des Unterrichts hilft dabei, dass Horneburger Oberschüler zukünftig den bestmöglichen Abschluss erreichen? (Symbolbild)

Welche Art des Unterrichts hilft dabei, dass Horneburger Oberschüler zukünftig den bestmöglichen Abschluss erreichen? (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Oberschule Horneburg ändert ihr Schulsystem und will Schüler besser fördern. Doch kann das funktionieren? Ein Gespräch mit der Bremer Erziehungswissenschaftlerin Anna Moldenhauer.

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Von Steffen Buchmann
Dienstag, 10.03.2026, 15:00 Uhr

Oberschulen wie die in Horneburg haben sich seit 2011 in ganz Niedersachsen etabliert. Was war der Grund dafür?

Oberschulen einzuführen, war eine pragmatische Antwort der damaligen Landesregierung auf den demografischen Wandel - besonders im ländlichen Bereich. Die Schülerzahlen gingen zurück, die Standorte von Haupt- und Realschulen sollten durch die Zusammenlegung gesichert werden.

Zudem sollte das Oberschulmodell die gesellschaftliche Teilhabe für Schülerinnen und Schüler stärken und die Berufsaussichten verbessern, was durch die Hauptschulen nicht mehr gewährleistet war. Das Versprechen, gesellschaftliche Teilhabe zu sichern und Aufstieg zu ermöglichen, müssen Oberschulen bis heute nach außen bekräftigen.

Die Oberschule Horneburg stellt ab Sommer das jahrgangsbezogene Schulsystem auf ein schulzweigbezogenes um. Worin unterscheiden sie sich?

Das jahrgangsbezogene Modell legt einen Fokus darauf, die Schüler in heterogenen, also hinsichtlich Lern- und Leistungsniveau durchmischten Gruppen zu unterrichten. Hierfür müssen Lehrkräfte didaktisch stärker differenzieren, um den einzelnen Schülern passende Lernangebote zu machen.

Dauerhafter Frontalunterricht, in dem alle Schüler zur gleichen Zeit dasselbe lernen sollen, funktioniert in heterogenen Lerngruppen nicht.

Prof. Dr. Anna Moldenhauer, Professorin für Schultheorie und Schulentwicklung an der Universität Bremen

Beim schulzweigbezogenen Modell lernen Schüler beispielsweise in getrennten Hauptschul- oder Realschulklassen. Hier ordnen Lehrkräfte stärker zu, welcher Schüler mit welchen Fähigkeiten ihres Erachtens nach am besten in welchen Schulzweig passt.

Welche Art von Unterricht hilft Schülern am besten?

Schüler brauchen differenzierten Unterricht; also einen Unterricht, der auf ihre unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmt ist. Dauerhafter Frontalunterricht, in dem alle Schüler zur gleichen Zeit dasselbe lernen sollen, funktioniert in heterogenen Lerngruppen nicht.

Das jahrgangsbezogene Modell fordert von Lehrkräften, binnendifferenzierte Lernangebote zu entwickeln. Ein Beispiel, um besser auf die einzelnen Schüler einzugehen, ist darüber hinaus das sogenannte Teamteaching: Hier sind zwei oder mehr Lehrkräfte für eine Klasse zuständig, planen und führen gemeinsam den Unterricht durch.

Für individualisierten Unterricht ist Teamteaching förderlicher, als wenn dieselben Lehrkräfte zwei separate Klassen in den Schulzweigen unterrichten. Aber auch reformorientierte Formate wie Lernbüros oder Projektunterricht helfen Schülern, individualisiert zu lernen.

In Niedersachsen entscheiden die Schulen, nach welchem System sie unterrichten wollen. Wann gab es hierzulande zuletzt ein erkennbares Umdenken?

Um 2010 gab es einen Trend zu zweigliedrigen Schulsystemen, in denen es neben dem Gymnasium eine weitere Schulform gibt, die verschiedenen Bildungsgänge umfasst und verschiedene Abschlüsse ermöglicht.

Einer der Hauptgründe für das Umdenken war die Situation in den Hauptschulen. Es zeigte sich, dass die Schulform immer stärker zu einem Teilhaberisiko wurde und dass das Anregungspotenzial für die Schüler zu gering ausgeprägt war. Die beruflichen Möglichkeiten für Hauptschüler sind über die Jahre immer geringer geworden.

Inklusion ist weiterhin wichtig für die Schulen: Denn wenn Inklusion nicht schon in der Schule gelernt und gelebt wird, wie soll sie dann im Leben stattfinden?

Prof. Dr. Anna Moldenhauer, Professorin für Schultheorie und Schulentwicklung an der Universität Bremen

Ein grundlegendes Umdenken bezüglich der Schulstruktur ist derzeit in den Bundesländern nicht zu beobachten. Doch Bildungs- und Leistungsgerechtigkeit werden gesellschaftlich weiterverhandelt und auch an Schulen diskutiert.

Welche Rolle muss Inklusion im Unterricht und Schulalltag spielen?

Schulen sind gefordert, Inklusion zu ermöglichen. Das jahrgangsbezogene Modell bietet Lehrkräften hier mehr Möglichkeiten, um inklusiv mit den Schülern zu arbeiten. Zudem können stärkere und schwächere Schüler sich beim Lernen untereinander unterstützen.

Beim schulzweigbezogenen Modell geht man von der Möglichkeit aus, homogene Schülergruppen zusammenzustellen - also mit Schülern, die auf dieselbe Weise und auf demselben Niveau lernen. Diese Annahme scheint jedoch nicht haltbar. Zumindest weisen Studien darauf hin, dass Schüler auch in vermeintlich homogenen Gruppen sehr unterschiedlich lernen.

Inklusion ist weiterhin wichtig für die Schulen: Denn wenn Inklusion nicht schon in der Schule gelernt und gelebt wird, wie soll sie dann im Leben stattfinden?

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