TWie ticken deutsche und dänische Camper? Dieser Horneburger weiß es
Simon Kilimann bei einem Besuch auf dem Campingplatz am Lillebælt mit seiner Tochter Mathilda. Foto: privat
Fünf Jahre lang war Simon Kilimann auf der Suche nach einem Campingplatz, den er übernehmen kann. In Dänemark wurde er fündig - doch der Besitzer ließ ihn zuerst abblitzen.
Horneburg. Mit Vollbart und Strickmütze wirkt Simon Kilimann wie ein Naturbursche. Er schätze die Nähe zur Natur, „ich bin aber kein Pfadfinder“. Eigentlich hat der Horneburger Fluggeräte-Elektroniker bei Airbus gelernt, später sammelte er als leitender Projektmanager und Wirtschaftsingenieur in der Luftfahrt- und Hafenbranche Führungserfahrung. Vor fünf Jahren hatte er genug und machte sich selbstständig: „Ich wollte schneller werden, Projekte umsetzen.“
Seit 2021 leitet der 42-Jährige zwei Unternehmen, die anderen Menschen beim Abschalten helfen sollen. Mit Nawalo hat sich Kilimann auf den Bau von Naturwagen und Tiny Houses spezialisiert. Mit der Firma Noordwind vermittelt Kilimann selbstbetriebene Ferienhäuser und Appartments an Urlauber - und seit Neuestem auch Camping-Stellplätze in Süddänemark.
Erst wollte der Betreiber verkaufen, dann doch nicht
Der Traum vom eigenem Campingplatz verlangte Simon Kilimann einiges ab. „Die Suche war schwierig“, sagt er. Vor allem in Deutschland, wo er sich auch umgeschaut habe. Er habe erlebt, dass Betreiber hierzulande häufig eng mit ihrem Platz verbunden sind. Dieser emotionale Wert habe sich auch im Verkaufspreis gespiegelt.

Idyllisch: Ein Campingplatz direkt am Kleinen Belt. Foto: Noordwind
Die Suche nach einem Campingplatz in A-Lage - „am Wasser, wo es sexy ist“ - zog ihn im Frühjahr 2024 nach Dänemark ans Meer, genauer an den Lillebælt. Ein Makler hatte Kilimann darauf gestoßen, dass der dortige Platzbetreiber eventuell verkaufen will. Doch beim Erstgespräch kassierte Kilimann eine Absage: „Eine Saison mache ich noch.“
Geschäfte mit Dänen sind Vertrauenssache
Über ein Jahr sollte es dauern, bis der Horneburger und der Däne dann doch zueinander fanden. „In Dänemark haben die Menschen eine ganz andere Mentalität“, hat Kilimann gelernt. Bei Verträgen seien Dänen nicht so förmlich wie Deutsche, gegenseitiges Vertrauen sei hier wesentlich wichtiger.

Auch Ferienhütten können Urlauber auf dem Campingplatz mieten. Foto: Noordwind
Eben das erarbeitete sich der Unternehmer von Besuch zu Besuch, bis im April 2025 endlich der Kaufvertrag vorlag - mit einer Extraseite am Ende. „Meine Frau und meine beiden Kinder sollten auch unterschreiben“, sagt Kilimann. Arbeiten und Leben seien für ihn eins.
Ein voll digitalisierter Campingplatz
Das Camping-Projekt mit 236 Stellplätzen und mehreren Ferienhütten verlangt Kilimann einiges ab. Der Ankaufspreis lag im hohen einstelligen Millionenbereich, dazu kommt noch mal eine halbe Million Euro für Investitionen in den Um- und Ausbau. Kilimann: „Es ist mein bisher größtes Projekt.“ Der Horneburger hat ein klares Ziel vor Augen: Ein moderner Campingplatz für alle, die Ruhe in der Natur suchen - egal, ob Best Ager oder Familien mit Kindern.
So sind wir nicht
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An der Rezeption warten, bis man den Schlüssel ausgehändigt bekommt: Das soll bei ihm niemand. Für sein Projekt setzt Kilimann deshalb ganz auf Digitalisierung: von der Buchung über den Check-in bis zum Einkaufen vor Ort.
Jeden Tag neue Hiobsbotschaften
Doch die Technik kommt nicht ohne Tücken daher, wie etwa bei dem digitalen Selbstbedienungs-Shop. „Wir benötigen ein Kassensystem mit Altersverifizierung“, sagt Kilimann. In Dänemark sei es jedoch schwierig, ein passendes System zu finden. Egal, ob Hardware oder Betriebssystem: „Ich bekomme jeden Tag neue Hiobsbotschaften.“ Doch der Selbstständige nimmt es gelassen und macht weiter - am 27. März will er die ersten Besucher auf seinem Campingplatz begrüßen.

Ob Wohnwagen, Zeltplatz oder Holzhütte: Simon Kilimann will vielen Camping-Typen etwas bieten. Foto: Noordwind
Zukünftig rechnet Kilimann mit vielen deutschen Urlaubern. Doch der Campingplatz soll trotzdem dänisch bleiben. „Wir wollen dieses Hyggelige behalten“, sagt er. Über die Jahre habe er gelernt, wie Camper ticken - in Deutschland wie in Dänemark. Das Publikum sei hochkarätiger geworden „und nicht mehr nur in Aldi-Schlappen unterwegs.“ Deshalb setzt Kilimann auf wertige Gemütlichkeit. Seine Besucher sollen direkt aus der Sauna in den Lillebælt springen können. Kilimann: „So würde ich das auch wollen.“
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