TWinter-Wunderland im Kreis Stade: So viel Schnee gab‘s seit 16 Jahren nicht
Die Sonne bricht durch schneebedeckte Bäume in der Barger Heide. Foto: Ingomar Schumacher-Hahn
Der Schnee im Kreis Stade verzückt viele. Aber ist Schnee im Januar inzwischen wirklich etwas Besonderes? Meteorologe Marc Wenthe vom Deutschen Wetterdienst weiß mehr.
Jork. „Endlich mal wieder richtiger Schnee!“ Bei Spaziergängern und Rodlern im Landkreis Stade ist das zurzeit oft zu hören. „Schnee im Winter ist ja etwas Normales, aber wir kennen es in dieser Form halt nicht mehr“, sagt Marc Wenthe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg. Im gesamten Dezember 2025 lag zum Beispiel kein einziges Mal Schnee. Dabei beginnt der meteorologische Winter eigentlich am 1. Dezember.
So viel Schnee gibt es nicht mehr jedes Jahr
In den vergangenen Jahren ist aber nicht nur die weiße Weihnacht seltener geworden. Dass es in Hamburg vor zwei Tagen 16 Zentimeter Schnee gab, sei zwar ein „normaler Schneefall, der aktuell von einer winterlichen Witterungsperiode getragen wird“, sagt der Meteorologe. Doch so etwas kommt tatsächlich nicht mehr jedes Jahr vor.

Die Grafik zeigt die maximale Schneehöhe im Januar im Landkreis Stade über die Jahre. Foto: Buchmann (Grafik)
Laut Aufzeichnungen des DWD lag in der Region im Januar zuletzt im Jahr 2010 so hoch Schnee wie derzeit: Das Tief „Keziban“ brachte damals 18 Zentimeter. Im Januar 2011 lagen in der Spitze immerhin 11 Zentimeter Schnee. Doch seither ist die Marke nie mehr über 7 Zentimeter gestiegen. In den Jahren 2020, 2022 und 2023 gab es im Januar sogar keinen einzigen Zentimeter Schnee.

Marc Wenthe, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Foto: privat
Menschen neigen natürlich dazu, die Vergangenheit zu romantisieren, weiß Marc Wenthe. Doch dass sie in ihrer Kindheit öfter Schlitten fahren oder auf Eis laufen konnten, ist anhand der Wetterdaten tatsächlich belegbar: „Es ist Fakt, dass es heute weniger Schnee gibt als in den 60er, 70er oder 80er Jahren.“ Der globale Klimawandel sei da, und auch in Deutschland steige die Mitteltemperatur an.
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Aktuell liegen im Süden Deutschlands um die zwei Zentimeter Schnee, im Norden deutlich mehr - auch eine nicht alltägliche Konstellation, sagt Wenthe. Doch wirklich ungewöhnlich sei Schnee im Norden nicht. Denn hier gebe es oft eine Luftmassengrenze, weil wärmere Atlantikluft gegen die von Nordosten kommende Kaltluft stoße.
„Über Schleswig-Holstein und der Elbe wird dieser Kampf oft ausgetragen“, erklärt Wenthe. Das wiederum führe oft zu heftigen Niederschlägen. Ein gutes Beispiel dafür sei die Schneekatastrophe im Winter 1978/1979.

Im Januar 2010 schichten sich Eisschollen an der Elbe zu einer bizarren Landschaft. Das Betreten ist gefährlich und bleibt den Waghalsigen vorbehalten. Foto: TAGEBLATT-Archiv
Im Moment liegt allerdings keine Luftmassengrenze über dem Norden, sondern ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien und der Nordsee, das Kaltluft nach Mitteleuropa führt. „Unter diesem Einfluss liegt zurzeit ganz Deutschland. Im Süden können die Temperaturen auf bis zu minus 12 bis 15 Grad fallen. Hier bleibt es vergleichsweise noch wärmer.“
Noch kein Alstervergnügen in Sicht
Für die Eisdecke auf Gewässern ist weniger Schnee übrigens sogar besser, weiß der DWD-Meteorologe. Denn Schnee isoliert und hält sogar warm, weshalb Menschen ja auch in Iglus wohnen.
„Wenn viel Schnee auf dem Eis liegt, wird die Eisschicht darunter langsamer wachsen“, sagt Wenthe. Ein Alstervergnügen ist also noch fern. Zuletzt gab es das an einem Wochenende im Jahr 2012, als sich mehrere Hunderttausend Besucher auf die Alster wagten. 2010 gab es immerhin ein kleines Alstervergnügen, bei dem einzelne Stände lediglich am Ostufer der Außenalster aufgestellt wurden und das Eis auf eigenes Risiko genutzt werden konnte.
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Auch in einer Phase, in der sich das Klima erwärmt, wird es laut dem DWD-Experten übrigens weiterhin kalte Winter geben, denn natürliche Schwankungen kommen weiterhin vor. Die aktuelle Schneelage im Norden ist aus seiner Sicht noch kein besonderes Ereignis.
Hitze im Juli 2022 war ein besonderes Ereignis
Ein solches war hingegen die Hitze im Juli 2022: „39,1 Grad Celsius in Hamburg - das war wirklich ungewöhnlich, denn das gab‘s noch nie.“ Etwas Besonderes wäre aus seiner Sicht eine Schneedecke von über 20 Zentimetern in Hamburg, dem Landkreis Stade und Umgebung.
Schneelandschaft genießen und an die Vögel denken
Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes soll sich das Schneewetter übrigens auf jeden Fall bis Donnerstag halten. Der Trend sieht die Möglichkeit eines kräftigen Schnee-Nachschubs am Freitag.
Für die Natur bringt die anhaltende Schneedecke laut Marc Wenthe vor allem eines: „Gute Laune, wenn man rausguckt.“ Sein Tipp ist, dabei an die Vögel zu denken, die bei geschlossener Schneedecke nur schwer etwas zu fressen finden. Also: Vogelhäuschen füllen und Meisenknödel aufhängen.
*Anmerkung der Redaktion: Wie Leser zu Recht anmerken, gab es in anderen Monaten als dem Januar in den vergangenen Jahren vereinzelt auch starke Schneefälle. Wie dem Text zu entnehmen ist, hat der Meteorologe für unseren Vergleich aber jeweils den Januar der Jahre 2010 bis 2025 betrachtet.
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