TWo ist Andreas? Außergewöhnliche Suchaktion in Stades Altstadt
Margarete Henne, die Frau des Ratszimmermeisters, und der berühmte Orgelbauer Arp Schnitger treffen sich an der Cosmae-Kirche. Foto: Stehr
Geschichte zum Mitmachen: Zwei Laientheater-Spieler entführen ihre Gäste in die vielleicht aufregendste Zeit der Stadtgeschichte. Das ist Stades neue Erlebnisführung.
Stade. Margarete Henne ist schlecht drauf. Die Schweden haben sie enteignet. Das Gartenland, auf dem ihre geliebten Rüben wuchsen, ist futsch. Außerdem fragt sie sich, wo ihr Ehemann Andreas steckt, wenn sie ihn mal braucht. Ist er auf der Baustelle oder doch wieder mit seinem Kumpel, dem Orgelbauer Arp Schnitger, unterwegs?
Die aufregendste Zeit der Stader Stadtgeschichte
Wer möchte, kann sich am kommenden Samstag mit Margarete Henne auf die Suche nach ihrem Mann, dem berühmten Ratszimmermeister Andreas Henne, begeben und sich ins späte 17. Jahrhundert zurückversetzen lassen - womöglich die aufregendste Zeit der Stader Stadtgeschichte.

Marlene Plate alias Margarete Henne nimmt die Gäste am Stadeum-Anleger in Empfang. In ihrem Körbchen hat sie unter anderem einen alten Stadtplan. Foto: Stehr
Stade stand damals unter schwedischer Herrschaft und hatte gerade den verheerenden Stadtbrand von 1659 überstanden. Andreas Henne und sein Team waren unermüdlich damit beschäftigt, die Stadt neu aufzubauen. Außerdem weilte der legendäre Arp Schnitger in Stade.
„Wir sind Entertainer und machen Geschichte zum Erlebnis“, sagt Marlene Plate alias Margarete Henne und rückt ihren Hut mit üppiger Blumendeko zurecht. In ihrem historischen Gewand mit floralem Muster ist sie ein echter Hingucker. Das ist sie gewohnt.

Während Margarete Henne gemeinsam mit den Gästen ihren Mann sucht, patrouilliert ein Soldat auf den Wallanlagen. Wer keinen Passierschein hat, kriegt Probleme. Foto: Stehr
Schon seit 2018 schlüpft die ausgebildete Gästeführerin bei den Erlebnisführungen der Stade Marketing und Tourismus GmbH (SMTG) gerne in unterschiedliche Rollen. Seit 35 Jahren steht sie außerdem regelmäßig bei der plattdeutschen Theatergruppe „Bunte Kreihn“ aus Hollern-Twielenfleth auf der Bühne.
T Frank Tinnemeyer: Mr. Stade-Tourismus mit dem Hang zur Hanse
Neue Stadtführung bringt eine ganz andere Wahrheit über Stade ans Licht
Ihr Kostüm für die neu inszenierte Erlebnisführung „Von Rübentanz und Schwedenschimpf“ hat die Mitarbeiterin der Landkreisverwaltung sogar selbst genäht. Aus dem Fundus der SMTG stammen dagegen die Gewänder, die Ralf Cordes bei seinem Auftritt im Rahmen der Erlebnisführung trägt. Genau genommen sind es mehrere Auftritte.

Die Darsteller Marlene Plate und Ralf Cordes entführen die Gäste in die Zeit als Stade noch unter schwedischer Herrschaft stand.
Cordes ist ein Schauspielkollege von Marlene Plate und verkörpert nicht nur Arp Schnitger, sondern auch den Soldaten Hinnerk. „Eigentlich bin ich ein Zimmermannsgeselle von Andreas Henne, aber die Schweden haben mich rekrutiert“, sagt Hinnerk. So wie ihm ging es seinerzeit vielen Stadern.

Vor dem Zeughaus verteilt Margarete Henne schwedisches Brot. Der Soldat hofft, dass er auch etwas abbekommt. Foto: Stehr
Hinnerk patrouilliert auf den Wallanlagen und kontrolliert die Passierscheine der Stadtbesucher. Außerdem würde er zu gerne auch von dem leckeren schwedischen Brot naschen, das Margarete neben einem Fläschchen Lebertran in ihrem Weidenkörbchen aufbewahrt. Hier sei verraten: Die Gäste dürfen sich auf eine überraschende Kostprobe freuen.
Hartes Leben zwischen Krieg, Handel und Alltag
„Außerdem entdecken die Gäste bekannte Orte aus einer völlig neuen Perspektive und erfahren auf unterhaltsame Weise, warum die Schwedenzeit für Stade bis heute von großer Bedeutung ist“, sagt Frank Tinnemeyer, Tourismusleiter der Stade Marketing und Tourismus GmbH.
Die erste Erlebnisführung hat er vor 20 Jahren auf den Weg gebracht und weiß: Nicht nur Touristen, sondern auch viele Stader nehmen gerne an den etwas anderen Stadtrundgängen teil - oft auch mehrmals.

Erstmal einen Lebertran: Tatsächlich schenkt Margarete Henne einen edlen Tropfen an ihre Gäste aus.
Wer am kommenden Samstag dabei ist, erfährt einiges über das teils harte Leben der Stadtbewohner zwischen Krieg, Handel und Alltag - und kann Margaretes Rübentanz hautnah erleben. Den führt sie immer auf, wenn sie den Verlust ihres Gemüsegartens beklagt und über die Schweden schimpft.

Vor dem Schwedenspeicher schimpft Margarete Henne auf die schwedischen Besatzer und führt ihren Rübentanz auf. Foto: Stehr
Ob sie am Ende mit Hilfe der Gäste ihren Mann Andreas findet oder ob der mit seinen Kumpels Arp Schnitger und dem Komponisten Vincent Lübeck versackt ist, wird an dieser Stelle nicht verraten.
Rübentanz und Schwedenschimpf am 8. August
„Rübentanz und Schwedenschimpf“ feiert am Samstag, 8. August, um 12.30 Uhr Premiere - ein weiterer Termin ist am Samstag, 3. Oktober, zur gleichen Zeit geplant. Teilnehmer reisen mit dem Fleetkahn entlang der Wallanlagen zur anderthalbstündigen Inszenierung an. Tickets für 27 Euro inklusive Fleetkahnfahrt gibt es in der Tourist-Info am Fischmarkt, unter 04141/ 776980 oder online auf www.stade-tourismus.de.
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