TStaderin erfüllt sich Traum vom Tiny House in Düdenbüttel
Das Tiny-House-Modul wird mit dem Kran an Ort und Stelle gesetzt. Foto: Felsch
Sie habe vor Freude geweint, sagt Linda Gottschalck, als ihr Tiny House endlich da ist. Denn so einfach ist es nicht, den Traum von einem Minihaus zu realisieren.
Düdenbüttel. 8 Uhr morgens. In Düdenbüttel parkt ein Schwertransporter, beladen mit einem von zwei Tiny-House-Modulen. Bevor der dahinter stehende Kran das acht Tonnen schwere Teil auf dem Grundstück platziert, müssen die Kontergewichte angebracht werden, die das statische Gleichgewicht und die Kippsicherheit gewährleisten.
Das zweite Modul wird angehoben. Foto: Felsch
Die Handwerker des Tiny-House-Unternehmens bereiten währenddessen das Modul für den Hebevorgang vor, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Dann ist Kranführer Rudolf De Back am Zug und leistet Millimeterarbeit, denn das halbe Minihaus muss über das Einfamilienhaus hinweggehoben werden. Trotz des begrenzten Radius funktioniert das reibungslos. Das Hausteil landet passgenau auf dem vorbereiteten Fundament auf dem hinteren Grundstück. Fast drei Stunden hat die Aktion gedauert, nun folgt das zweite Teil.
Logistische Meisterleistung
Die Mitarbeiter entfernen auch hier die Plane, bringen die Gurte an, bevor das zehn Tonnen schwere Modul mit Küchenzeile und Bad von dem Kran auf 40 Meter Höhe hochgehoben wird. Ein Windstoß lässt die Zuschauer kurz den Atem anhalten. „Unser Mann macht das schon 37 Jahre, der kann das“, kommentiert Sebastian Karaxha von Knorr aus Hollenstedt den kleinen Schockmoment. „Kleine Bewegungen schaden nicht“, gibt der Chef zu, „aber bei Sturm hätten wir abbrechen müssen.“ Sein Unternehmen ist kurzerhand eingesprungen, nachdem die eigentlich gebuchte Kranfirma nur wenige Tage zuvor abgesagt hatte.

Passgenau wird die zweite Hälfte des Minihauses platziert. Foto: Felsch
„Ich bin heilfroh, dass wir so schnell Ersatz gefunden haben, denn die Lkw mit dem Tiny House waren da ja schon unterwegs, von Estland, wo es hergestellt wurde, mit der Fähre nach Travemünde und dann hierher. Der Transport dauert etwa eine Woche“, erzählt Linda Gottschalk, die stolze Eigenheimbesitzerin.
„Schon immer mein Traum“
Aber das war nur eine von vielen Aufregungen. Vor zwei Jahren begann sich die Staderin intensiv mit dem Wohnen in Miniaturform zu befassen. „Es war schon immer mein Traum.“ Als ihr Bruder Kevin ihr die Hälfte seines rund 1000 Quadratmeter großen Grundstücks in Düdenbüttel anbot, ergriff sie die Gelegenheit und machte sich an die Planung. Als sie sich für ein Haus erwärmt hatte, ging die Firma in Konkurs, die Suche begann erneut.

Linda Gottschalck probiert schon mal den Schlüssel zu ihrem neuen Zuhause aus. Foto: Felsch
In Hamburg fand sie dann ihr Traumhaus bei Modernmodular, die mehrere Modelle im Angebot haben, die individuell gestaltet werden können. Linda Gottschalck entschied sich für Titan XLT 60 aus hellem Holz, mit 47 Quadratmeter Grundfläche, großflächigen Fenstern, Duschbad, einem offenen Wohnbereich mit Küchenzeile, zwei kleineren Zimmern, einem Dachboden sowie Fußbodenheizung, LED-Beleuchtung, hybrider Klimaanlage und Lüftungsanlage. Außenmaße: Höhe vier Meter, Breite zehn Meter, Tiefe sechs Meter.
Der Gesamtpreis beläuft sich auf 210.000 Euro, inklusive Fertighaus (130.000 Euro), Einrichtung, Baugenehmigungen, Architekt, Fundament, Transport und Aufbau. Durch Eigenleistung konnte sie Geld sparen. So hat die Familie Bäume und Sträucher für das Fundament entfernt. Die Terrasse und die Gartengestaltung übernehmen ihr Vater und ihr Bruder – beide sind Fachleute auf dem Gebiet.
Gesetzliche Vorschriften gelten auch für Minihäuser
Kopfzerbrechen bereitete anfangs die Kreditbewilligung. Denn ein Tiny House gilt nicht als Immobilie, da es beweglich ist. „Als ob man das mal eben wieder woanders aufbaut, dafür ist der Aufwand viel zu groß“, meint die 35-Jährige. Die Lösung: Ihre Eltern haben das Haus in ihr Grundbuch eintragen lassen.
„Es gab vieles, was ich nicht wusste, daher zog sich die Genehmigung hin“, erinnert sich Linda Gottschalck. Für den Bauantrag hatte sie - wie es Vorschrift ist - eine Architektin, denn ein Tiny House zur dauerhaften Nutzung oder auch nur zeitweilig als Ferienwohnung gilt rechtlich als Gebäude.

Die zweite Tiny-House-Hälfte wird platziert. Foto: Felsch
Baurechtliche Vorgaben sowie die kommunalen Vorschriften sind zu beachten. Gesetzlich vorgeben ist: Das Grundstück muss für die Wohnnutzung zugelassen sein, ein Anschluss an das öffentliche Strom-, Wasser- und Abwassernetz ist unumgänglich, ebenso wie die Mindesthöhe der Räume, das Vorhandensein von Küche/Kochnische und Bad/WC, die Einhaltung von Brandschutz und Abstandsflächen zu Nachbargrundstücken sowie die Dämm- und Energieauflagen des Gebäudeenergiegesetzes.

Millimeterarbeit ist erforderlich, um das zweite Modul anzugleichen. Foto: Felsch
Die Aufregung ist jetzt Vergangenheit. Der größte Teil ist geschafft. Am Nachmittag stehen beide Module an Ort und Stelle. In den nächsten Tagen werden die Möbel aufgebaut, die Türen eingesetzt und weitere Kleinarbeiten erledigt. Dann können Linda und ihre Katze das Leben in ihrem Tiny House genießen.
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