TZäsur im Stader Rat: 22 Mitglieder verabschieden sich aus der Politik
Ein letztes Foto im Alten Rathaus: Viele Mitglieder des Rates verlassen zum 1. November das 41-köpfige Gremium. Foto: Strüning
Das hat es in der Geschichte des Stader Rates noch nicht gegeben: 22 von 41 Mitgliedern scheiden aus. Sie wurden jetzt feierlich verabschiedet. Einer stach besonders heraus.
Stade. Mit dem letzten Glockenschlag von St. Cosmae um 18 Uhr eröffnete Karsten Behr (CDU) am Montag die letzte Ratssitzung des alten Stader Rates. Ab dem 1. November hat der am 13. September neu gewählte Rat das Sagen. Er trifft sich zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung am 2. November im Alten Rathaus.
Blumen, Stadtsiegel und stehende Ovationen
Viele von denen, die am Montag noch mit im Ratssaal saßen, werden dann nicht mehr dabei sein. Karsten Behr verabschiedete mehr als die Hälfte von ihnen mit persönlichen Worten, einem Blumenstrauß und dem Stader Stadtsiegel aus dem 13. Jahrhundert. Für einen langjährigen Mitstreiter gab es stehende Ovationen.

Horst Deede (links) wird nach 54 Jahren kommunalpolitischer Arbeit vom Ratsvorsitzenden Karsten Behr verabschiedet. Im Hintergrund spendet Stadtrat Carsten Brokelmann Applaus. Foto: Privat
Horst Deede war unglaubliche 54 Jahre in der Stader Kommunalpolitik aktiv. Er fing im Ortsrat Wiepenkathen an, wo er später jahrzehntelang auch Ortsbürgermeister war. 45 Jahre lang saß er im Rat der Stadt, das sind neun Perioden à fünf Jahre.
Deede, einst CDU-Mitglied, gründete aus Ärger über seine Partei die UBLS, die Unabhängige Bürgerliste Stade, und heimste von Wahl zu Wahl Traumergebnisse ein. „Das ist schon à la bonheur“, sagte Behr. Deede sei einer, der nicht viel vom Schnacken hält. Deede, heute 82 Jahre alt, ist ein Kümmerer, ein Macher. Behr: „Horst packte lieber an als große Reden zu schwingen.“
Abschied von vielen Schwergewichten
Die Menschen im Ratssaal erhoben sich und feierten den Senior. Der bedankte sich brav „bei euch allen“ - und mit tränenerstickter Stimme auch bei seiner Frau, die ihm immer den Rücken freigehalten habe. Deede war nicht das einzige politische Schwergewicht, von dem sich der Rat verabschiedete.
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Zum Beispiel Hans Blank (SPD), der 42 Jahre aktiv war, im Ortsrat Hagen und 35 Jahre im Rat der Stadt. Blank war zweimal Hagener Ortsbürgermeister und fungierte auch als Ratsvorsitzender. Oder Hermann Müller (SPD) aus Haddorf. 30 Jahre Ortsratsarbeit, anfangs nach seinen Angaben für die CDU, dann auch 25 Jahre im Rat der Stadt. Müller ist noch amtierender Ortsbürgermeister in Haddorf.
Eine intensive kommunalpolitische Karriere hat auch Kristina Kilian-Klinge (CDU) hinter sich. 30 Jahre war sie engagiert, kandierte gegen Silvia Nieber (SPD) ums Bürgermeisteramt, war jahrelang Fraktionsvorsitzende der CDU im Rat. Parteikollege Behr beschrieb sie als streitbar, straight und prinzipientreu. Sie sagte, die Zeit sei interessant, zuweilen aufregend und auch wunderschön gewesen. Sie war ebenso Strippenzieherin wie ein Ratsmitglied der SPD.
„Bewahrt euch eure Kompromissfähigkeit“
Kai Holm saß 25 Jahre im Rat, war jahrelang Sprachrohr der SPD-Fraktion als deren Vorsitzender. „Mit dir verliert der Stader Rat ein echtes Schwergewicht“, sagte Behr. Er hat Wünsche an den neuen Rat: „Bewahrt euch die Kompromissfähigkeit, die uns immer ausgezeichnet hat. Die Bürger verlangen von uns Lösungen.“
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Lange dabei war Franziska Scheschonk (SPD) mit 20 Jahren im Rat, davon 15 Jahre lang als Vorsitzende des Kulturausschusses. Auf 20 Jahre kommt auch Tobias Archut (Grüne). Ulrich Hemke (Grüne) war 16 Jahre im Rat. „Ein Urgestein“, wie Behr befand. Hemke war zudem 25 Jahre Mitglied im Kreistag.
Reinhard Elfring (Grüne) und Martina Bredendiek (SPD) bringen es auf jeweils 15 Jahre im Rat der Stadt; Johann Hinrich Heinsohn (FDP), Daniela Oswald (SPD), zuletzt stellvertretende Bürgermeisterin, Volker von Loh (CDU) und Dr. Jochen Witt (WG) auf jeweils 10 Jahre. Nach fünf Jahren gehen Robert Gahde (Grüne), Gerhard Hoffmann (CDU), Karin Jacobs (Piraten), Alexander Klinger (Linke), Britta Meyer (CDU), Christiane Prüfer (WG) und Marina Tudyka (CDU).
Daniel Friedl, Fraktionsvorsitzender der CDU, wurde während der Ratssitzung mit einer Urkunde für 25 Jahre Ratsarbeit geehrt. Er bleibt in der Politik.
Abschied auch von Bürgermeister Hartlef
Verabschiedet wurde auch Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU). Er konnte wegen seiner schweren Erkrankung nicht an der Ratssitzung teilnehmen. 15 Jahre saß er im Rat, auch der hauptamtliche Bürgermeister gehört zu dem Gremium. Hartlef war lange im Ortsrat Bützfleth aktiv und dort Ortsbürgermeister. Seinen Platz in Stades Rat und Verwaltungsspitze nimmt zum 1. November Kai Koeser (SPD) ein.
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