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Medizin

TZeitarbeit im Krankenhaus: Diese Pflegekraft lebt aus dem Koffer

Krankenhäuser setzen wegen des Fachkräftemangels immer mehr auf Zeitarbeitspflegekräfte und -ärzte.

Krankenhäuser setzen wegen des Fachkräftemangels immer mehr auf Zeitarbeitspflegekräfte und -ärzte. Foto: picture alliance/dpa

Sie ist immer wieder in einem anderen Krankenhaus im Einsatz, auch schon in Stade: Pflegefachkraft Michelle Trautwein hat für ihren Job ein festes Zuhause aufgegeben.

Von Denise von der Ahé 30.08.2026, 15:55 Uhr

Cuxhaven. Sie lebt wie eine Nomadin. Oft kommt sie in einer Montagewohnung unter, mal in einer Ferienwohnung oder im Hotel: Zeitarbeit in der Pflege bedeutet für Michelle Trautwein, Kinder an wechselnden Klinikstandorten zu versorgen – mit mehr Gehalt, aber auch mit viel Organisation und Verzicht auf ein festes Zuhause.

Trautwein ist Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und arbeitet in der Pädiatrie, auf Kinderintensivstationen und in der Neonatologie. Über Doctari, einen Personaldienstleister im Gesundheitswesen, ist sie bundesweit im Einsatz. „Ich springe zwischen den Kliniken“, sagt die 30-Jährige aus Fredenbeck im Landkreis Stade. Zu ihren Einsatzorten gehörten Kinderklinken in Cuxhaven, Oldenburg, Stade, Leipzig und Regensburg. Wegen des Fachkräftemangels arbeiten immer mehr Krankenhäuser auch mit Ärzten und Pflegekräften in der Arbeitnehmerüberlassung.

So funktioniert die Arbeitnehmerüberlassung

Trautwein ist nicht bei den einzelnen Kliniken angestellt. „Ich habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei Doctari und werde dann an die Kliniken verliehen“, sagt die Pflegefachkraft.

Pflegefachkraft Michelle Trautwein arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma und ist an mehreren Kliniken in Deutschland eingesetzt.

Pflegefachkraft Michelle Trautwein arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma und ist an mehreren Kliniken in Deutschland eingesetzt. Foto: privat

Der Wechsel zwischen den Häusern verlangt ihr einiges ab. „Es gibt jedes Mal ein anderes Team und eine andere Logistik“, sagt Trautwein. „Überall ist es anders geregelt, wo Geräte und Materialien liegen und wie Abläufe organisiert sind.“

Ein Stück zu Hause nimmt sie immer mit

Egal, wo es hingeht, ein Stück Zuhause nimmt sie immer mit: „Ich habe zum Beispiel immer meinen Airfryer dabei.“ Dauerhaft heimisch werde sie an den Einsatzorten jedoch nicht. „Eigentlich fühlt man sich nicht so zu Hause“, sagt sie. Deshalb plane sie ihre Arbeit so, dass sie zwischendurch immer mal wieder in die Heimat fahren könne.

Als großen Vorteil nennt Trautwein die Bezahlung. „Die Bezahlung kann schon fast doppelt so viel sein wie in einer Festanstellung“, sagt sie. „Ich bekomme einen höheren Stundenlohn, eine Verpflegungspauschale, Fahrtgeld sowie die Möglichkeit, den Dienstplan selbst zu gestalten.“

Ungleiche Bezahlung kann für Spannungen sorgen

Die höhere Bezahlung kann nach Trautweins Erfahrung auch mal zu Spannungen mit fest angestellten Kolleginnen und Kollegen führen. Manchmal gebe es das Vorurteil, dass Zeitarbeitskräfte besser verdienen, sich aber ein bisschen auf die faule Haut legen. Das seien aber Ausnahmen wie in jedem Beruf. Sie selbst erlebe Anerkennung von fest angestellten Kolleginnen, weil sie sich stark einbringe.

Trotzdem habe sie auch schon einmal einen neidischen Kommentar zu hören bekommen, nach dem Motto: „Das kannst du jetzt mal machen, du verdienst ja auch viel mehr.“ Dafür seien aber auch die Herausforderungen mit den ständigen Umstellungen größer.

Auch Ärzte verleiht Doctari an Krankenhäuser. 2025 gab es beispielsweise im Land Bremen 494 Einsätze von Ärzten aus ganz Deutschland. „Unsere Zahlen sind ein Beleg dafür, wie schwierig es für Krankenhäuser ist, genügend Personal zu finden, um die Versorgung zu sichern“, sagt Denis Bikmaz, stellvertretender Leiter der Personalvermittlung für Ärzte bei Doctari. „Kliniken im Land Bremen entwickeln zunehmend neue Lösungen, um weniger auf flexible Fachkräfte angewiesen zu sein. Bis der Engpass überbrückt ist, unterstützen wir, wo wir können.“

Neue Eindrücke erweitern den Erfahrungsschatz

Flexibilität sei wichtig, „aber nicht jede Fachkraft muss deutschlandweit reisen“, sagt Bikmaz. „Manche möchten bewusst regional arbeiten, andere schätzen gerade die Möglichkeit, verschiedene Kliniken kennenzulernen.“

Diesen Vorteil hebt auch eine Kinder- und Jugendärztin hervor, die fast zehn Jahre bei Helios in Cuxhaven fest angestellt war, aber parallel gelegentlich als Zeitarbeitsärztin im Einsatz war. Immer wieder neue Eindrücke und Abläufe erweiterten den Erfahrungsschatz.

2025 dauerten Einsätze von Ärzten im Schnitt 12,9 Tage. „Pflegekräfte von Doctari sind meist länger und im Schnitt 1,5 Monate in einer Einrichtung tätig“, erklärt Susanne Grube, bei Doctari für die Vermittlung von Pflegekräften zuständig. Die durchschnittliche Stundenrate bei den Zeitarbeitsärzten liege aktuell bei 93,20 Euro und für Pflegekräfte bei 34,20 Euro.

Rückkehr in eine Festanstellung bleibt möglich

Dauerhaft möchte Trautwein dennoch nicht in der Zeitarbeit bleiben: „Ich möchte das jetzt noch eine Weile so weitermachen, aber ich würde schon gerne irgendwann mal wieder fest in einer Klinik arbeiten.“

Eine Festanstellung sei jedoch wegen der Gesundheitsreform und geplanter Einsparungen wieder unattraktiver geworden. Für Trautwein bleibt Zeitarbeit eine Abwägung: mehr Verdienst und Selbstbestimmung auf der einen Seite, wechselnde Teams, Fahrten und ein Leben aus dem Koffer auf der anderen.

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