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Wirtschaft

TZukunftsprojekt: Industrie fordert mehr Tempo beim Stader Industriegleis

Industriegleis Stade

Industriegleis Stade Foto: Beneke / Landkreis

Landkreis und Stadt Stade investieren 15 Millionen Euro in die Verlegung des Industriegleises, doch 30 Millionen Euro fehlen noch – ein Schlüsselprojekt steht auf der Kippe.

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Von Karsten Wisser
Freitag, 19.06.2026, 17:50 Uhr

Stade. Landkreis und Stadt Stade wollen zusammen 15 Millionen Euro in die Verlegung des Industriegleises stecken – doch 30 Millionen fehlen noch.

„Wir reden hier nicht über ein optionales Vorhaben, sondern über eine zwingende Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Region“, sagt Christoph von Speßhardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser, zur geplanten Verlegung des Stader Industriegleises. „Jetzt müssen wir handeln – entschlossen, gemeinsam und mit klarem Ziel“, betont von Speßhardt.

Die Argumente für das neue Industriegleis liegen auf der Hand: Vier Bahnübergänge in der Stadt würden wegfallen, das Gleis aus dem Stadtgebiet verschwinden. Das schafft Raum für städtebauliche Entwicklungen und erhöht die Sicherheit. Gefahrguttransporte für die Chemieindustrie müssten nicht länger durch die Stadt rollen. Zudem bremst das bestehende Gleis die Kapazitäten der Stader Industrie. Mit der Entwicklung des Hafens, insbesondere im Bereich LNG, steigt der Bedarf an Güterzügen.

Woher kommen die fehlenden Millionen?

Seit einer Woche ist die Verlegung des Gleises wieder Thema in Stade. Das TAGEBLATT berichtete, dass der Landkreis Stade bereit ist, sich mit 7,5 Millionen Euro an den geschätzten Gesamtkosten von 45 Millionen Euro zu beteiligen. Die Stadt Stade soll ebenfalls diese Summe aufbringen. Damit würde die kommunale Seite ein Drittel der Finanzierung übernehmen. Offen bleibt die Deckung der fehlenden 30 Millionen Euro. Die Region setzt auf Unterstützung durch das Land Niedersachsen.

Christoph von Speßhardt, IHK-Hauptgeschäftsführer, setzt sich für das Industriegleis ein.

Christoph von Speßhardt, IHK-Hauptgeschäftsführer, setzt sich für das Industriegleis ein. Foto: IHK

Der Landkreis drängt wegen des hohen Zeitdrucks. Das Gleis soll künftig nördlich der Stadt parallel zur geplanten A26 verlaufen. Ohne rasche Einigung droht eine Entkopplung der beiden Projekte.

Die IHK Elbe-Weser und führende Industriebetriebe fordern eine schnelle Umsetzung. Sie sehen in der Verlegung ein Schlüsselprojekt für die Wettbewerbsfähigkeit des Stader Seehafens und des Industriegebiets an der Elbe. „Wenn wir diese Chance ungenutzt lassen, könnte man rückblickend von einem Schildbürgerstreich moderner Wirtschaftspolitik sprechen – bei dem alle die Notwendigkeit erkannt haben, aber am Ende niemand die entscheidenden Schritte gegangen ist“, warnt von Speßhardt.

Für die Unternehmen zählt nur das Ergebnis

Abstimmungsprozesse, Zuständigkeiten und Finanzierungsfragen haben das Projekt verzögert. „Für die Unternehmen zählt nicht die Komplexität der Verfahren, sondern das Ergebnis – und das lässt auf sich warten“, kritisiert die IHK. Sie fordert eine schnelle und verbindliche Klärung der Finanzierung.

Das Industriegleis und die geplante Autobahn sind rot beziehungsweise als gestrichelte Linie markiert.

Das Industriegleis und die geplante Autobahn sind rot beziehungsweise als gestrichelte Linie markiert. Foto: Archiv

Die IHK arbeitet seit langem an der Umsetzung. Sie hat die Beteiligten an einen Tisch gebracht, den Austausch moderiert und strukturiert. Obwohl die endgültige Lösung noch aussteht, sind Fortschritte erkennbar. „Wir müssen wieder zu mehr gesundem Menschenverstand kommen und solche Vorhaben in ihrer langfristigen Wirkung sehen“, sagt von Speßhardt.

Die Industrie- und Handelskammern hätten die Aufgabe, die Interessen der regionalen Wirtschaft zu bündeln und zu vertreten. „Das bisher Erreichte stimmt optimistisch: Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie“, so von Speßhardt.

Wichtigste Infrastrukturmaßnahme für Stade

„Die bestehende Strecke führt mitten durch die Stadt, ist vollständig ausgelastet und erlaubt nur sehr eingeschränkte Kapazitäten – in Schrittgeschwindigkeit“, sagt auch Dr. Johann Killinger, geschäftsführender Gesellschafter der Buss-Gruppe, Hafenbetreiber in Stade. Wenn der Standort wachsen solle und neue Industrieprojekte hinzukommen, brauche es eine leistungsfähige Anbindung übers Wasser, die Autobahn und eben die Schiene.

„Aus meiner Sicht ist das eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen für Stade überhaupt“, sagt Killinger in der neuesten Ausgabe von „Business&People“. Das Wirtschaftsmagazin für die Region liegt am Freitag, 26. Juni, dem TAGEBLATT bei.

Auch das niedersächsische Wirtschaftsministerium hat auf die Debatte reagiert. Ob das Land die Finanzierung unterstütze, werde derzeit geprüft, heißt es aus Hannover.

Auch die Deutsche Bahn und der Bund seien in die Gespräche eingebunden.

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