TZuletzt vor 22 Jahren verliehen: Dirk Ludewig erhält seltenes Verdienstkreuz
Besondere Ehrung in Drochtersen: Landrat Kai Seefried und Bürgermeister Mike Eckhoff mit Dirk Ludewig. Foto: Landkreis Stade / Daniel Beneke
Manche Lehrer prägen ein ganzes Leben. Dirk Ludewig gehört dazu - und erhielt nun eine Ehrung, die im Kreis Stade seit 22 Jahren nicht mehr vergeben wurde. Übergeben von einem früheren Schüler.
Drochtersen. Als der Brief mit dem Absender „Niedersächsische Staatskanzlei“ bei Dirk Ludewig ankommt, denkt er zunächst: „Was habe ich falsch gemacht?“ Wenig später laufen Freudentränen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet ihn mit dem Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus.
Ausgehändigt hat es dem pensionierten Lehrer am Sonnabend in der Drochterser Kulturscheune: sein früherer Schüler.
Generationen geprägt
Landrat Kai Seefried hatte Ludewig ab der siebten Klasse als Klassenlehrer. Politik und Geschichte hinterließen Spuren. „Er war als Lehrer eine besondere Persönlichkeit und hat Generationen geprägt“, sagt Seefried. Auch Heino Baumgarten und Rigo Gooßen unterrichtete Ludewig.
Der Lehrer Ludewig sei mitunter hektisch und chaotisch gewesen, aber das habe Seefried als positiv empfunden: Statt trockener Theorie gab es praxisnahen Unterricht. „Er hat damit auch meinen Weg geprägt“, sagt Seefried.
Der junge Seefried habe für Politik zunächst wenig übrig gehabt, erinnert sich Ludewig. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass er in die Politik geht.“ Die Voraussetzungen habe Seefried aber mitgebracht: „Kai war ein fleißiger, kreativer, engagierter und beliebter Schüler“, so der Lehrer. Nur in Sport habe es eine vier gegeben. „Aber er ist mittlerweile ein sehr guter Läufer“, sagt der 80-Jährige.
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Als Lehrer ein inspirierendes Vorbild
Manche in Drochtersen sagen, Ludewig habe als Alt-68er eine politische, weltoffene Strömung in die Gemeinde gebracht. Zu der zählte auch, eigenes Engagement vorzuleben - in der Kommunalpolitik, im Ehrenamt und bei zahllosen Veranstaltungen der Region.
Ludewig inspirierte seine Schüler damit, sich auch abseits des Klassenzimmers einzubringen. Als er Konzerte organisierte, half Seefried bei den Plakaten. Ludewig bedankte sich mit Freikarten. „Einige stehen ihm noch zu“, räumt er ein. Vielleicht lässt sich eine Karte bald einlösen. Ludewig denkt darüber nach, am zweiten Weihnachtstag ein Konzert zu organisieren.
Ein weiteres verbindendes Element ist die Aktion Ferienspaß: Ludewig rief sie vor 50 Jahren ins Leben. Als Kind wartete Seefried jeden Sommer auf den Flyer. Später bot er selbst Aktivitäten an. Viele andere ehemalige Schüler von Ludewig machen es ähnlich und bieten bei Projekten Hilfe an.
Die Verbindung Ludewig-Seefried reicht auch ins politische Ehrenamt: Beide waren einst gemeinsam stellvertretende Bürgermeister. „Uns verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft“, sagt Ludewig.
Seltene Auszeichnung im Kreis Stade
Bereits 2012 hatte Ludewig das Verdienstkreuz am Bande erhalten, eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik für gesellschaftliches Engagement. Dass darauf nun das Verdienstkreuz erster Klasse folgt, ist selten: Im Landkreis Stade wurde es zuletzt vor 22 Jahren vergeben.
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Aufgrund ihrer Verbindung sei es eine bewegende Aufgabe gewesen, eine Rede auf Ludewig zu halten, so Seefried. „Wenn ich ihm das in der 7. Klasse erzählt hätte, wir hätten nur gelacht“, sagt Ludewig über die Ehrung durch seinen früheren Schüler. „Dass es aber so gekommen ist, erfüllt mich mit Stolz.“
Ludewig meint damit nicht nur die Freude über seine Auszeichnung, sondern, dass er den Weg eines Menschen bedeutend prägen konnte. Im Moment der eigenen Ehrung spricht Ludewig ohnehin mehr über das Engagement und die Dankbarkeit gegenüber anderen als über sich selbst.
Blick für Schwächere
Wie sehr Ludewig auf andere Menschen schaut und sich um ihr Schicksal sorgt, zeigen sowohl die Corona-Pandemie als auch der Ukraine-Krieg: Mit Trecker, Anhänger und Musikanlage fuhr er während der Pandemie zu Seniorenheimen und erfüllte einsamen Bewohnern musikalische Wünsche.
Ende Juli gab es einen Kinderspaß auf Krautsand mit 30 ukrainischen Kindern. Ein Junge, der seine Eltern im Krieg verloren hatte, konnte bei den Spielen nicht mithalten. Ludewig bekam es hin, dass das Kind auch siegte. „Er hat gewonnen, nicht nur einen Preis, sondern auch ein Gefühl, ein Gefühl nicht allein zu sein“, so Seefried in seiner Rede.
Von der Verleihung direkt ins nächste Engagement
Auch für dieses besondere Gespür dankten ihm die Gäste in der Kulturscheune mit minutenlangen Standing Ovations. Übers Wochenende erreichten Ludewig zudem mehr als 750 Glückwünsche per Handy.
„Wenn ich mit 80 noch so aktiv sein kann, wäre ich unglaublich dankbar“, sagt Seefried. Ludewig kündigt an: „Ich bin noch nicht müde.“ Nach der Feier in der Kulturscheune ging es direkt weiter ins D/A-Stadion, wo Ludewig als Stadionsprecher beim Benefizspiel für die Hinterbliebenen der Gewalttat von Stade im Einsatz war.
Einen Tag später legte Ludewig als DJ bei der Jubiläumsfeier des Katharinenhofs in Stade auf. Es war ein Wochenende, das belegte, warum Dirk Ludewig diese seltene Auszeichnung verdient hat.
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