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TZusammenstoß: Erstmals stirbt ein Wolf im Kreis Stade nach Zugkollision

Toter Wolf in Himmelpforten: acht bis neun Monate alte Fähe.

Toter Wolf in Himmelpforten: acht bis neun Monate alte Fähe. Foto: Michael Ohlhoff

Tragischer Vorfall im Landkreis Stade: Ein junger Wolf wurde von einem Zug erfasst. Experten untersuchen den Vorfall und nennen Gründe.

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Von Karsten Wisser
Montag, 26.01.2026, 17:30 Uhr

Himmelpforten. Das ist eine Premiere: Ein Wolf ist im Landkreis Stade überfahren worden. Das Tier stand am vergangenen Freitag zwischen Himmelpforten und Hammah auf der Bahnstrecke Hamburg-Cuxhaven und wurde um 14.01 Uhr von einem Zug erfasst. Nach TAGEBLATT-Informationen hatte der Wolf ein Reh im Maul, das später an der Unfallstelle gefunden wurde. Die Polizei und der Wolfsberater Michael Ohlhoff wurden alarmiert und waren vor Ort.

Toter Wolf wird in Hannover untersucht

Ohlhoff brachte den toten Wolf nach Hannover zum Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Dort soll das Tier obduziert werden, um illegale Bejagung als Todesursache auszuschließen. „Es besteht kein Zweifel daran, dass der Wolf durch den Zusammenstoß gestorben ist“, sagte Ohlhoff dem TAGEBLATT.

Einzelheiten zum Unfallhergang und mögliche Störungen im Bahnbetrieb konnten am Montag nicht geklärt werden. Laut Deutscher Bahn gab es beim Regionalexpress-Betreiber Start Unterelbe keine Erkenntnisse zu einem Zusammenstoß.

Bei dem Wolf handelt es sich um eine acht bis neun Monate alte Fähe, ein weibliches Tier, mit einem Gewicht von 29 Kilogramm und einer Schulterhöhe von 63 Zentimetern. Sie wurde wahrscheinlich im Mai 2025 geboren. Vermutlich stammt sie entweder aus dem Wolfsrudel in Oldendorf oder aus Drochtersen. Eine DNA-Untersuchung soll dies klären. Beide Rudel hatten im vergangenen Jahr Nachwuchs.

Größter Feind des Wolfs ist das Auto

Alle tot aufgefundenen Wölfe werden im Rahmen des Wolfsmonitorings dokumentiert. In Niedersachsen gab es von 2001 bis 2023 insgesamt 328 Totfunde von Wölfen. Davon wurden 23 illegal getötet, 8 genehmigt abgeschossen, 19 starben eines natürlichen Todes und bei 14 war die Todesursache unklar.

Die meisten Wölfe sterben bei Verkehrsunfällen, meist im Straßenverkehr. In den vergangenen 25 Jahren kamen in Niedersachsen 264 Wölfe durch Verkehrsunfälle ums Leben. Laut Monitoring der Landesjägerschaft leben in Niedersachsen rund 500 Wölfe.

Mehr Unfälle und Nahbegegnungen möglich

Der erste gesicherte Fotobeweis eines Wolfs im Landkreis Stade stammt aus dem April 2017. Im September 2023 wurde das erste Wolfsrudel im Hohen Moor bei Oldendorf nachgewiesen. Einen Totfund gab es bisher nicht.

In der Regel erwischt es junge Tiere, die jetzt vermehrt alleine oder zu zweit auf der Jagd sind.

Michael Ohloff, Wolfsberater

Aktuell nehmen die Unfälle mit Wölfen wieder zu. In den vergangenen beiden Wochen starben zwei Wölfe in Buchholz im Landkreis Harburg bei Unfällen. „In der Regel erwischt es junge Tiere, die jetzt vermehrt alleine oder zu zweit auf Jagd sind“, sagt Wolfsberater Ohlhoff. Ältere Tiere könnten aufgrund ihrer Erfahrung besser mit den Risiken des Straßenverkehrs umgehen. Ohlhoff ist gemeinsam mit mehreren Kollegen Wolfsberater in den Landkreisen Stade, Harburg, Cuxhaven, Osterholz, Uelzen und Wesermarsch.

Die beginnenden Absetzbewegungen vom Rudel sind eine Erklärung dafür, dass es jetzt wieder vermehrt zu Nahbegegnungen zwischen Mensch und Wolf kommen kann. „Die jungen Wölfe sind nicht scheu, sondern von Natur aus neugierig“, erklärt Ohlhoff.

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