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TZwei Hirntumore, ein großes Herz: Sie ist Oldendorfs Flohmarkt-Engel

Im Team von Carmen Oellrich packen viele fleißige Hände an.

Im Team von Carmen Oellrich packen viele fleißige Hände an. Foto: Wertgen

Ein Flohmarkt für die eigenen Kinder und zwei überstandene Hirntumore: Carmen Oellrichs Geschichte zeigt, wie man aus eigener Not Kraft schöpfen kann, um anderen zu helfen.

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Von Lars Wertgen
07.07.2026, 15:45 Uhr

Oldendorf. Vor 22 Jahren fehlt Carmen Oellrich das Geld, damit ihre Kinder an Ferienspaß-Aktionen teilnehmen können. Sie organisiert daraufhin einen Flohmarkt. Damit lässt sich der Wunsch der Kinder erfüllen.

Was sie damals über sich selbst lernt, nutzt sie bis heute als Hebel - nicht mehr für die eigene Familie, sondern für andere. „Ich freue mich, wenn sich andere freuen“, sagt Oellrich. Der Erlös ihrer Flohmärkte wird komplett gespendet.

Neues Team besteht seit fast zwei Jahren

Früher engagierte sich Oellrich bei „fair geht vor!“, seit fast zwei Jahren läuft ihr Einsatz unter eigenem Namen: Carmens Flohmarkt Team. Den Anfang macht sie im Brunkhorst‘schen Haus, mittlerweile gibt es 19 Floh- und Kunstmärkte im Kreis Stade.

Was hinter ihrem Engagement steckt

Oellrich arbeitet im Einzelhandel bei der Modemarke „Schietwetter“ - mit ihrem Engagement sorgt sie eher für Sonnenschein in schweren Zeiten. Was schwere Zeiten bedeuten, weiß sie aus eigener Erfahrung: Zweimal hat Oellrich einen Hirntumor.

Die Ärzte sagen ihr, sie habe viel Glück und noch mehr Schutzengel gehabt. Aus Dankbarkeit dafür gibt sie mit jedem Flohmarkt etwas von diesem Glück weiter.

Wie Oellrich mit Gedächtnislücken umgeht

Beeinträchtigt ist Oellrich durch zwei Operationen dennoch: Das Gedächtnis streikt zuweilen. Oellrich begegnet dem pragmatisch. Sie schreibt sich alles auf, führt Listen, kommuniziert vieles über Messenger. Wer schreibt, der bleibt.

25 Helfer gehöre zu Carmens Flohmarkt Team.

25 Helfer gehöre zu Carmens Flohmarkt Team. Foto: Privat

In der Woche vor einem Flohmarkt wird es trotzdem stressig. „Wer hatte diese blöde Idee?“, denkt Oellrich dann, bevor ihr wieder einfällt, warum sie es macht - für andere.

25-köpfiges Team: „Das ist ansteckend“

Am Markttag selbst kann sie sich auf ihr Team verlassen. Die ehrenamtlichen Helfer schwärmen aus wie Arbeitsbienen. Sie setzen Oellrichs Konzept um, betreuen das Kuchen- und Tortenbüfett, empfangen die Verkäufer und nehmen die Standgebühren entgegen.

Eine der Helferinnen, Silke Steffen, beschreibt es so: „Die Energie im Team färbt ab. Das ist ansteckend.“ Viele schauen zunächst nur vorbei und bleiben dann im Helferteam hängen. 25 Menschen zählen insgesamt dazu.

Selbstgemachtes statt Fertigprodukte

Auf Qualität legt Oellrich besonderen Wert. Auch das trägt zur Atmosphäre ihrer Märkte bei. Torten und Kuchen sind selbst gemacht; dank eines anderen Helfers gibt es besondere Brat- und Currywurst aus Hessen.

Wer einen Verkaufstisch aufstellt, kann die Standgebühr verringern, indem er etwas zum Büfett beisteuert. Dazu kommen Glücksräder mit Sachpreisen, die Oellrich vorab über Spenden sammelt oder selbst kauft.

Wohin der Erlös am Ende fließt

Was am Ende eines Marktes übrig bleibt, fließt in einen guten Zweck. Oellrich recherchiert im Vorfeld, wem das Geld zugutekommen könnte, und achtet dabei auf Menschen, die etwas benötigen, das anderweitig nicht gefördert wird.

Im Februar schreibt das Seniorenheim Klosterfeld auf Facebook „Wir sind geschockt“, nachdem Oellrich einen Scheck in Höhe von mehr als 1500 Euro überreicht hat: „Das ist der absolute Wahnsinn!“ Das Heim spart auf ein Demenzfahrrad. Bei den Intensivhelden kommen während ihres Sommerfests 1200 Euro aus Oellrichs Märkten an.

Die jüngsten drei Flohmärkte (3200 Euro) sind bereits Tanja Eweleit zugutegekommen, die Geld für einen dringend nötigen Eingriff in den USA braucht. Auch der nächste Markt am 12. Juli in Oldendorf (10 bis 17 Uhr) auf dem Edeka-Parkplatz ist für Eweleit bestimmt.

Und solange Menschen im Kreis Stade Hilfe brauchen, die ihnen sonst niemand anbietet, organisiert Oellrich weiter Flohmärkte - mit demselben Antrieb wie vor 22 Jahren.

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