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TZwei neue Superkräfte: Das ist Werners Erfolgsrezept für den Spargel

Christoph Werner präsentiert seine erste Spargelstange 2026. Es ist die 13. Kalenderwoche, die Spargelsaison ist eröffnet.

Christoph Werner präsentiert seine erste Spargelstange 2026. Es ist die 13. Kalenderwoche, die Spargelsaison ist eröffnet. Foto: Meyer

Sie war Werner „ein halbes Einfamilienhaus“ wert: Die neue Maschine hilft dem Deinster Spargelbetrieb beim Unternehmensziel. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie.

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Von Thies Meyer
Montag, 30.03.2026, 12:15 Uhr

Deinste. Neun blaue Spinnen laufen über ein Feld in Deinste. Ein Dutzend Saisonarbeiter läuft nebenher und bedient diese Spargelspinnen auf dem 18 Hektar großen Acker. Die Geräte heben die Folien von den kniehohen Dämmen, in denen der Spargel wächst.

Diese blauen Spargelspinnen arbeiten sich mit Bedienung der Feldarbeiter durch das Spargelfeld und lockern die Folien.

Diese blauen Spargelspinnen arbeiten sich mit Bedienung der Feldarbeiter durch das Spargelfeld und lockern die Folien. Foto: Meyer

Jedes Feld wird ab sofort jeden Tag abgesucht - „am Anfang ist es mehr Suchen als Stechen“, sagt Betriebsinhaber Christoph Werner. Viel Handarbeit für die Saisonarbeiter.

Die Lohnkosten haben einen Anteil von 50 Prozent. Werner arbeitet an einem Ziel: mehr automatisierte und weniger Handarbeit und weniger Saisonarbeitskräfte. Wie kann das gelingen?

Ein Vergleich: So funktioniert die alte Maschine

Viel Handarbeit erwartet die Helfer auch in der Spargelhalle, wo die vielen Zwischenschritte des Gemüses vom Feld zum Teller erfolgen.

Top-Wetter: Die Mischung aus kaltem Winter und sonnenreichem Frühjahrsbeginn war optimal für den Spargel. „Wir zählen jede Sonnenstunde“, sagt Christoph Werner.

Top-Wetter: Die Mischung aus kaltem Winter und sonnenreichem Frühjahrsbeginn war optimal für den Spargel. „Wir zählen jede Sonnenstunde“, sagt Christoph Werner. Foto: Meyer

Hier legen die Mitarbeiter die Spargelstangen auf ein Förderband. Später inspiziert eine Kamera per Draufsicht jede einzelne Stange im Detail.

„Spargel ist nicht gleich Spargel“, sagt Mathias Schulz bezogen auf das Kundendenken und erklärt an der Kamera, dass diese Eigenschaften wie Länge, Durchmesser, Krümmung oder Kopfgröße ausliest. Die Maschine entscheidet, zu welcher Sorte sie gehört und sortiert sie dementsprechend automatisch in eine der 16 Kisten ein - so viele Spargelsorten gibt es bei Werner.

Eine Kamera an der Sortiermaschine kann die Eigenschaften jeder einzelnen Spargelstange scannen, anschließend werden die 16 verschiedenen Sorten automatisch in die richtige Kiste befördert.

Eine Kamera an der Sortiermaschine kann die Eigenschaften jeder einzelnen Spargelstange scannen, anschließend werden die 16 verschiedenen Sorten automatisch in die richtige Kiste befördert. Foto: Meyer

An dieser Maschine stehen in der Regel elf Mitarbeiter, für das Auflegen auf das Förderband und Herausnehmen aus den Kisten braucht es noch Menschen. Doch der Maschine steht rechts gegenüber ein Konkurrent.

„Knackpunkt“: Wie sich alte und neue Maschine unterscheiden

Christoph Werner geht zu dieser Maschine und damit die nächsten Schritte, um die Spargelproduktion zu optimieren. Noch macht die neue Spargelsortiermaschine, die den Wert eines halben Einfamilienhauses habe, Trockenübungen, da die Ernte vom Feld erst jetzt beginnt.

Werners Mitarbeiter Dirk Bernert kennt sich damit aus. Sie kürze den Spargel genau auf Endmaß und wasche ihn gründlich. Was kann dann die neue besser als die alte Maschine?

„Jetzt kommt der große Knackpunkt“, sagt Bernert und deutet auf zwei, die etwas schneller und effizienter können als jede menschliche Arbeitskraft. „Das sind zwei vollautomatische Roboter, die alles selbstständig erkennen.“

Natur und Wetter stimmen Judith und Christoph Werner positiv: Die bisherigen äußeren Bedingungen sind Vorboten einer positiven Spargelsaison 2026.

Natur und Wetter stimmen Judith und Christoph Werner positiv: Die bisherigen äußeren Bedingungen sind Vorboten einer positiven Spargelsaison 2026. Foto: Meyer

Die zwei neuen Superkräfte wissen dank Sensorik, wann jedes der 16 Fächer genug Volumen hat. „Wenn zehn Premium-Spargelstangen in die Fächer reingefallen sind, weiß der Roboter: Aha, ich habe das Volumen für meine Zange erreicht.“

Wert eines halben Einfamilienhauses: So sieht die neue Sortiermaschine bei Werner aus, bei der die Roboter Menschen viel anstrengende Handarbeit abnehmen.

Wert eines halben Einfamilienhauses: So sieht die neue Sortiermaschine bei Werner aus, bei der die Roboter Menschen viel anstrengende Handarbeit abnehmen. Foto: Meyer

Ist das der Fall, fahren die einarmigen Roboter im Eiltempo auf gerader Linie vor die Fächer, greifen den Spargel mit ihrer Zange, drehen sich um und sortieren ihn in größere Kisten für die Weiterverarbeitung ein. Auch für diese Kisten, in der deutlich mehr als zehn Spargelstangen landen, kennt der Roboter das voreingestellte Volumen.

Bis zu acht Mitarbeiter könnte das automatisierte Sortieren einsparen

Die Roboter demonstrieren, dass Handarbeit da nicht mithalten kann. Mit der neuen Spargelsortiermaschine brauche es nur noch drei bis vier statt elf Arbeiter, sagt der Inhaber. Ganz ohne Menschenhand geht es aber nicht. „Eine Maschine ist nur so gut, wie der Mann, der sie bedient“, sagt Bernert.

Saisonarbeitskräfte aus Polen und Rumänien beginnen auf diesem Feld die Spargelsaison 2026 bei Werner. Viele von ihnen sind schon viele Jahre dabei und Stammkräfte, sagt Judith Werner.

Saisonarbeitskräfte aus Polen und Rumänien beginnen auf diesem Feld die Spargelsaison 2026 bei Werner. Viele von ihnen sind schon viele Jahre dabei und Stammkräfte, sagt Judith Werner. Foto: Meyer

Werner betont das Ziel: „Die Arbeiten, die körperlich anstrengend und sehr monoton sind, wollen wir automatisieren.“ Denn neben den hohen Lohnkosten werde es immer schwieriger, Saisonarbeitskräfte aus Polen, Rumänien & Co zu bekommen, die lediglich 90 Tage beschäftigt werden dürfen, so will es das Gesetz.

Die Spargelproduktion der Zukunft funktioniert mit KI

Judith Werner berichtet im Büro ihres Mannes, dass der Betrieb verschiedenste moderne technische Möglichkeiten ausschöpfe, „um effizient zu sein“. Werner ermutigt die Mitarbeiter, mit Künstlicher Intelligenz (KI) wie ChatGPT oder Copilot zu „spielen“.

Ein Gedankenexperiment: Die Mitarbeiter könnten mit der KI eine Automatisierung zusammenbauen, als wäre es ein „Lego für Erwachsene“, so dass das System jeden Abend um 19 Uhr automatisch sämtliche Daten um den Spargel liefert, zum Beispiel: Wie viele Sonnenstunden fehlen noch, bis der Spargel erntereif ist?

Diese Geheimzutaten machen den Spargel perfekt für Judith Werner

Manche Angestellte seien skeptisch gegenüber KI und Robotern. Sie verstehe das, der Mensch sei ein „Gewohnheitstier“, aber das sei die Zukunft, so Judith Werner. In Zukunft werde nicht alles so funktionieren, wie es immer funktioniert hat.

Die Automatisierungsprozesse werden „den Betrieb in Zukunft am Leben halten“, sagt sie. „Stillstand ist Rückschritt“, habe „Oppa“ damals schon gesagt. Das Unternehmerpaar versucht, die Spargelernte modern zu denken.

Hier wird grüner Spargel angebaut. Rund ein Drittel des Spargels ist Premium-Spargel.

Hier wird grüner Spargel angebaut. Rund ein Drittel des Spargels ist Premium-Spargel. Foto: Meyer

Spargel gilt als Kaisergemüse, so soll schon der römische Kaiser Augustus die Delikatesse geliebt haben. Judith Werner verrät noch, wie sie Spargel am liebsten mag: „Gegart, bissfest, mit Olivenöl angeröstet, mit Pinienkernen, Schinken und Parmesan.“

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