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TZwischen Abschied und Wiederholungsbedarf: 14 Momente vom MAMF in Stade

„Ja, ich weiß, es war 'ne geile Zeit“: Festivalfans singen beim MAMF 2026 mit Juli.

„Ja, ich weiß, es war 'ne geile Zeit“: Festivalfans singen beim MAMF 2026 mit Juli. Foto: T. Meyer

Das MAMF 2026 in Stade erzählt viele Geschichten in Bildern: von einem Handstand mit Belohnung, vom ersten „Mutti-Konzert“ und der besonderen Beziehung der Band Juli zu Stade. Eine Foto-Reportage.

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Von Thies Meyer
23.08.2026, 16:15 Uhr
Ein verregneter Samstag in Stade bringt für kurze Zeit einen bunten Himmel.

Ein verregneter Samstag in Stade bringt für kurze Zeit einen bunten Himmel. Foto: T. Meyer

Ein Regenbogen durchbricht für einen kurzen Moment die grauen Wolken über Stade, über dem Bürgerpark und dem „Müssen alle mit“-Festival (MAMF). Zum zwölften Mal seit 2013 treten etablierte und aufstrebende Sänger und Bands aus Deutsch-Pop, Hip-Hop, Indie oder Rock auf, in diesem Jahr: Juli, MAJAN, MilleniumKid, Lovehead, herbst und Magda.

Blick von der Hansebrücke auf das MAMF 2026.

Blick von der Hansebrücke auf das MAMF 2026. Foto: T. Meyer

Fast 1500 Besucher sind trotz der ständigen Schauer am Samstag da. Im letzten Jahr waren es 2200. Die Jahre davor um die 3000. Der MAMF-Veranstalter, die Stade Marketing und Tourismus GmbH (SMTG), hinterließ im Vorfeld Fragezeichen, ob es 2027 erneut stattfindet - wegen sinkender Besucherzahlen sowie steigender Kosten. Auch das MAMF könnte dem Trend zum Opfer fallen, dass kleinere Festivals mit vierstelligen Besucherzahlen sterben.

Warum ein Junge auf Handstand marschiert und alle verzückt

Drei statt sechs auf einem Gruppenfoto: Während Christian Walter, Christian Wilfling und Andre Walter anstoßen, sind ihre Frauen auf der Tanzfläche.

Drei statt sechs auf einem Gruppenfoto: Während Christian Walter, Christian Wilfling und Andre Walter anstoßen, sind ihre Frauen auf der Tanzfläche. Foto: T. Meyer

Andre Walter aus Fredenbeck, sein Bruder Christian Walter aus Stade und der Fredenbecker Christian Wilfling stehen mit Drinks in der Hand an der Aperol-Bar, während ihre Frauen vor der Bühne im Tanzvolk mitmischen. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass das Interesse zurückgeht“, sagt Andre Walter. Auch deshalb sei er das erste Mal seit 2017 wieder auf dem MAMF.

Für Bruder Christian Walter sei es als Stader in seiner Stadt seine persönliche MAMF-Premiere. Madsen und andere Bands hörte er immer nur von seinem Balkon. Jetzt erlebt er Juli live.

Eine einmalige Chance für Fans: MilleniumKid ruft kurzerhand einen kleinen Wettbewerb um eine Autogramm-Trommel aus.

Eine einmalige Chance für Fans: MilleniumKid ruft kurzerhand einen kleinen Wettbewerb um eine Autogramm-Trommel aus. Foto: T. Meyer

Sänger MilleniumKid, bekannt durch seinen Ohrwurm „Vielleicht Vielleicht“, hält am Ende seines Auftritts ein signiertes Schlagfell, eine Trommel, hoch. Was hat das zu bedeuten?

Der Kreis um den Mann, das Mädchen und den Jungen beim MAMF hat einen speziellen Anlass. Gefordert ist jeweils ein kleines Kunststück.

Der Kreis um den Mann, das Mädchen und den Jungen beim MAMF hat einen speziellen Anlass. Gefordert ist jeweils ein kleines Kunststück. Foto: T. Meyer

Die Menschen vor der Bühne bilden auf dem plattgetretenen, matschigen Rasen des Bürgerparks einen Kreis. MilleniumKid bittet drei Freiwillige in die Mitte. Wer von den dreien - ein Mann mittleren Alters, ein Mädchen und Junge im Grundschulalter - das beste Kunststück aufführt, bekommt als Geschenk die Trommel. Als der Junge auf Handstand in der Runde geht, rastet die Menge aus und applaudiert. Ein spürbarer Gewinner.

MAMF 2026

MAMF 2026

Danach folgt, was zu jedem Festival dazugehört: ein Moshpit. Vorsichtiges Schubsen und wildes Hin- und Hertanzen.

Als MilleniumKid spielt, animiert er die Menschen auf der Tanzfläche zum sogenannten Moshpit, einem wild tanzenden Pulk von Leuten direkt vor der Bühne.

Als MilleniumKid spielt, animiert er die Menschen auf der Tanzfläche zum sogenannten Moshpit, einem wild tanzenden Pulk von Leuten direkt vor der Bühne. Foto: T. Meyer

Eine Schnapsidee erweist sich für drei Besucherinnen als gute Idee

Tim Postels und Freundin Tessa Meyer kommen aus dem Nachbarkreis zum MAMF.

Tim Postels und Freundin Tessa Meyer kommen aus dem Nachbarkreis zum MAMF. Foto: T. Meyer

Auch von Orten über Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus kommt das Publikum. Aus dem Nachbarkreis Rotenburg, aus der Nähe von Zeven, kommen Tim Postels und Tessa Meyer. Für Postels ist es eine Premiere. Meyer war schon einmal da, ihr Vater schenkte dem Paar Tickets für dieses Jahr.

Christin Müller, Tabea Heins und Katrin Müller aus der Nähe von Zeven beim Juli-Auftritt.

Christin Müller, Tabea Heins und Katrin Müller aus der Nähe von Zeven beim Juli-Auftritt. Foto: T. Meyer

Ebenfalls aus Nähe Zeven sind Katrin Müller, ihre Schwester Christin und Tabea Heins angereist. „Schade, wenn es das nicht mehr geben würde“, sagt Katrin Müller zu einem möglichen MAMF-Aus. Am Tag zuvor habe sie mit Freunden beim „Weinabend“ zusammengesessen. Dort kam zur Sprache, dass da in Stade am Samstag ein Festival ist. Und MAJAN würde auftreten, den Müller gerne hört. „Lass hier einfach herfahren“, sagten sich die Freundinnen, so Müller. Die Schnapsidee zahlt sich aus. Ihnen gefällt's.

Zwar kein AC/DC, aber Henriette mag ihr erstes „Mutti-Konzert“

Marlena und Henriette aus Drochtersen gefällt das MAMF trotz Regen. Aber sie sind gut vorbereitet darauf.

Marlena und Henriette aus Drochtersen gefällt das MAMF trotz Regen. Aber sie sind gut vorbereitet darauf. Foto: T. Meyer

Henriette aus Drochtersen ist mit ihrer Mutter, Freundin Marlena und deren Mutter erstmals auf dem MAMF, auf ihrem ersten „Mutti-Konzert“. Henriette findet das MAMF „natürlich super“. Sie grinst breit und zeigt beide Daumen nach oben. Die Elfjährige, die Schlagzeug spielt, ist großer AC/DC-Fan. Hauptsache rockig. Die Indie-Rock-Band Lovehead am Nachmittag habe ihr gefallen. AC/DC in Stade? Das wäre ihr Traum. Sie lacht und weiß, dass der Traum wohl ein Traum bleibt.

Leonie Spöhrer ist zum dritten Mal auf dem MAMF in Stade, Ida Schlegel zum vierten Mal.

Leonie Spöhrer ist zum dritten Mal auf dem MAMF in Stade, Ida Schlegel zum vierten Mal. Foto: T. Meyer

Das MAMF ist für manche ein Ort des Wiedersehens. Die Staderin Ida Schlegel und Leonie Spöhrer aus Lüneburg sind Cousinen und gehen Jahr für Jahr mit ihren Familien auf das „Müssen alle mit“-Festival. Sie sehen sich selten. Ein besonderes Erlebnis hatten sie 2024, als Zartmann in Stade zu Gast war. Schlegels Mutter und der „Tau mich auf“-Sänger würden sich kennen und die Cousinen durften Backstage „Hallo sagen“, sagt die 16-Jährige im Regen.

„Ätzend fröhlich“ steht auf der selbst gebastelten Pappe einer Besucherin.

„Ätzend fröhlich“ steht auf der selbst gebastelten Pappe einer Besucherin. Foto: T. Meyer

In der Menge vor der Tanzfläche ist eine selbst gebastelte Pappe zu sehen. „Ätzend fröhlich“ steht drauf. Vielleicht das passende Motto des Tages: Ätzendes Wetter, fröhliche Stimmung.

„Vielleicht vielleicht“ hat Stade das letzte Mal eine „geile Zeit“

Hier singt MAJAN. Ob die MAMF-Bühne 2027 wieder aufgebaut wird, wissen die Organisatoren noch nicht.

Hier singt MAJAN. Ob die MAMF-Bühne 2027 wieder aufgebaut wird, wissen die Organisatoren noch nicht. Foto: T. Meyer

„Vom Verkauf her lief es nicht so toll. Wir werden nochmal in uns gehen“, sagt Sonja Möllers, zuständig bei SMTG für Veranstaltungen, zur Zukunftsfrage. Dabei gelte es „die Finanzen zu checken“ und zu versuchen, etwas umzustrukturieren. Die finale Entscheidung steht noch aus.

Das MAMF 2026 ist für Frontsängerin Eva Briegel und ihre Band Juli ein Flashback.

Das MAMF 2026 ist für Frontsängerin Eva Briegel und ihre Band Juli ein Flashback. Foto: T. Meyer

Der Schlussakkord gehört Juli. Sängerin Eva Briegel singt „Geile Zeit“. Dann erzählt sie Stade, dass es ein besonderes Wiedersehen mit Stade ist. Denn die Band hätte ihren ersten Auftritt auf der Tour zum Debütalbum „Es ist Juli“ von 2004, zu dem „Geile Zeit“ zählt, in Stade gehabt. Juli singt weiter und lässt Stade nochmal eine „geile Zeit“ haben und „die perfekte Welle“ nehmen.

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