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Wirtschaft

TZwischen Boom und Bürgergeld: Fakten zum Arbeitsmarkt im Kreis Stade

Viele Alleinerziehende sind auf Bürgergeld angewiesen.

Viele Alleinerziehende sind auf Bürgergeld angewiesen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

Wie viel verdienen Menschen in der Region, wer muss sein Gehalt aufstocken und wer ist am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen? Die Arbeitsmarktbilanz liefert Antworten.

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Von Lena Stehr
Freitag, 06.02.2026, 05:50 Uhr

Womit kann der Arbeitsmarkt im Landkreis Stade punkten?

Vor allem durch Branchenvielfalt, sagt Dagmar Froelich, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stade. Neben vielen kleinen und mittleren Unternehmen gebe es im Landkreis Stade zudem auch stabile, größere Arbeitgeber wie Airbus oder Dow, deren Standorte auch weiterhin als sicher gelten.

Dagmar Froelich (links) und Dr. Anja Wode haben den Arbeitsmarkt in der Region im Blick.

Dagmar Froelich (links) und Dr. Anja Wode haben den Arbeitsmarkt in der Region im Blick. Foto: Stehr

Dazu kämen sogenannte Hidden Champions wie Implantcast Buxtehude oder die Bootswerft Hatecke. Sie zeichnen sich durch hohe Innovationskraft, Spezialisierung und starke Kundenbeziehungen aus. „Wir sind hier wesentlich unabhängiger von krisengeschüttelten Branchen wie zum Beispiel der Automobilindustrie“, sagt Dagmar Froelich.

Welche Rolle spielen ausländische Arbeitskräfte?

„Ohne ausländische Arbeitskräfte würden wir alt aussehen“, so Dagmar Froelich. Der stetige Anstieg der Beschäftigungsquote in den vergangenen Jahren sei fast ausschließlich auf Arbeitskräfte zurückzuführen, die aus dem Ausland stammen.

Ausländische Arbeitskräfte spielen eine zentrale Rolle auf dem regionalen Arbeitsmarkt.

Ausländische Arbeitskräfte spielen eine zentrale Rolle auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Foto: Jan Woitas/dpa

Der Anteil der arbeitslosen Ausländer im Landkreis Stade lag im vergangenen Jahr bei 33,8 Prozent. Dieses Potenzial müsse künftig noch stärker aktiviert werden.

Was verdienen die Menschen in der Region im Schnitt?

Im Bezirk der Bundesagentur für Arbeit Stade - also in den Landkreisen Stade, Cuxhaven und Rotenburg - lag das Bruttomonatsentgelt bei den Vollzeitbeschäftigten 2025 im Durchschnitt bei 3654 Euro. 4,7 Prozent der Beschäftigten verdienen weniger als 2000 Euro. 24,6 Prozent verdienen weniger als 3000 Euro. 31 Prozent verdienen weniger als 4000 Euro und 39,6 Prozent bekommen mehr als 4000 Euro brutto.

Wie viele Arbeitslose gibt es im Landkreis Stade?

7081 Menschen waren 2025 im Landkreis Stade arbeitslos, 239 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote ist von 5,8 auf 6 Prozent angestiegen. Insgesamt sind 61,8 Prozent der Bevölkerung im gesamten Agenturbezirk im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren, das ist etwas weniger als im Landesdurchschnitt.

Gleichzeitig sei die Beschäftigungsquote um 1,4 Prozent angestiegen und die Anzahl der Erwerbstätigen mit mehr als 181.000 im gesamten Agenturbezirk so hoch wie noch nie.

Wer ist am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen?

Geringqualifizierte, also Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, machen im Kreis Stade mit fast 60 Prozent die größte Gruppe von Arbeitslosen aus. „Viele scheitern an den deutschen Prüfungen“, sagt Dr. Anja Wode, Geschäftsführerin des Jobcenters im Landkreis Stade.

Stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind mit mehr als 56 Prozent auch Menschen über 50 Jahre. Männer sind mit einem Anteil von 54,7 Prozent häufiger ohne festen Job als Frauen. 380 schwerbehinderte Menschen waren 2025 arbeitslos gemeldet. Der Anteil der unter 25-Jährigen ohne festen Job lag 2025 bei knapp 12 Prozent.

Wie viele Menschen bekommen Bürgergeld?

Knapp 10.000 Menschen im Landkreis Stade bekommen Bürgergeld. Im Gegensatz zum Arbeitslosengeld richtet sich das Bürgergeld nicht nach dem vorherigen Einkommen, sondern nach dem Bedarf für den Lebensunterhalt und der Anzahl der Personen, die zusammenleben und zusammen wirtschaften. Im Schnitt erhält eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft 1439 Euro Bürgergeld im Monat.

„60 Prozent unserer Kunden sind Langzeitarbeitslose, also Menschen, die länger als zwei Jahre keinen Job mehr hatten“, sagt Dr. Anja Wode. 20 Prozent der Bürgergeldempfänger haben keinen Schulabschluss, 74 Prozent haben keinen Berufsabschluss. 46 Prozent der Jobcenter-Kunden haben einen Migrationshintergrund. Der Frauenanteil liegt insgesamt bei 54 Prozent, knapp 20 Prozent von ihnen sind alleinerziehende Mütter.

Wie viele Aufstocker gibt es im Landkreis Stade?

Bei 22 Prozent der Bürgergeldempfänger handelt es sich um sogenannte Aufstocker. Das sind Menschen, deren Rente oder Einkommen nicht zum Leben reicht. Sie können finanzielle Hilfe beim Jobcenter beantragen. Auffällig: Je näher der Wohnort an Hamburg liegt, desto höher ist der Anteil der Aufstocker. Das hänge mit den höheren Mieten zusammen, sagt Dr. Anja Wode. „Die Grenzen verschieben sich aber immer mehr. Früher war es Horneburg, heute müssen auch in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten immer mehr Menschen ihr Einkommen aufstocken.“

Wo haben Arbeitssuchende gute Chancen?

Insbesondere im öffentlichen Dienst, im Dienstleistungssektor, im Gesundheits- und Pflegewesen, der Erziehung sowie in wissensintensiven und digitalen Berufen. Insgesamt meldeten Unternehmen im Agenturbezirk der Agentur für Arbeit Stade im vergangenen Jahr 8600 freie Stellen, das sind 17,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Was sind die Erwartungen für 2026?

„Die Luft wird dünner. Für unsere Region erwarten wir aber trotzdem eine vorsichtige Belebung des Arbeitsmarktes“, sagt Dagmar Froelich. Unternehmen müssten sich weiterhin mit demografischen Effekten, strukturellem Wandel und der Transformation von Arbeitsplätzen auseinandersetzen und sollten ihren Fokus auf Ausbildung legen.

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