TZwischen Punkrock und Elternabend: Ella Carina Werner kommt nach Stade
Die Satirikerin Ella Carina Werner kommt am 9. September mit ihrem neuen Buch „Menopause - Turbosause“ nach Stade. Foto: Julia Schwendner
Frauen können nicht lustig sein? Von wegen! In ihrem neuen Buch „Menopause Turbosause“ kommentiert Ella Carina Werner humorvoll-feministisch den alltäglichen Wahnsinn.
Ihr neues Buch beginnt mit einem Auftritt auf einer Kellerbühne in Buxtehude. Ist das wirklich passiert?
Die meisten Geschichten beruhen ganz klar auf realen Erlebnissen. Bei den allermeisten Texten ist es zu 90 Prozent wirklich so gewesen. Wobei es eine Satirikerin wie mich einfach immer in den Fingern juckt, ein bisschen zu übertreiben. Und als Autorin will man ja auch ein bisschen geheimnisvoll bleiben.
Diesen Kellerauftritt in Buxtehude gab es jedoch nicht. Aber ich liebe das Wort Buxtehude. Und ich steige oft in Buxtehude um, wenn ich zu den Schwiegereltern fahre.
Ihr letztes Buch war ein Band mit feministischen Tiergedichten. Wie kam die Idee, jetzt einen Roman zu schreiben?
Der neue Band knüpft im Grunde an meine beiden vorherigen Geschichtenbände „Der Untergang des Abendkleides“ und „Man kann auch ohne Kinder keine Karriere machen“ an. Eigentlich ist diese kurze, schnelle Prosa meine eigentliche Hauptform. Ich bin einfach Komikerin durch und durch. Ich erlebe alles irgendwie lustig, gehe viel durch die Welt und quatsche wirklich mit jedem.
Wie wissen Sie denn, ob eine Begegnung für eine Geschichte taugt?
Es ist nicht so, dass ich in dem Moment denke: Ah, vielleicht wird das eine gute Geschichte. Ich rassel wirklich in jedes seltsame Gespräch und mache mir dann oft später Notizen und schaue später, was daran jetzt irgendwie besonders war.
Sie sind schon viele Jahre als Satirikerin unterwegs. Wie hat sich denn die Szene entwickelt, insbesondere für Newcomerinnen?
Ich habe das Gefühl, dass die letzten fünf Jahre irre viel passiert. Da sind so viele junge, aufstrebende Frauen, die unbefangener da rangehen.
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Denen wurde nicht mehr so stark eingeimpft: Frauen können nicht lustig sein. Das habe ich früher regelmäßig gehört. Ich beobachte mit großer Freude, wenn Künstlerinnen wie Hazel Brugger oder Carolin Kebekus Hallen füllen.
Seit 2022 sind Sie Mitherausgeberin des Titanic-Magazins. Wieso haben Sie sich denn dafür entschieden, wo Print doch stirbt?
Ich bin vorher als Redakteurin zwischen Hamburg und Frankfurt am Main gependelt. Erst mit zwei Kindern, dann war ich noch mal schwanger. Da dachte ich mir, das schaffe ich nicht mehr. Als einer der Herausgeber aufhören wollte, bin ich eingestiegen, weil ich dafür nicht so oft nach Frankfurt fahren muss. Ich mag diese teils profanen Hintergrundarbeiten gerne.
Und ich liebe die Titanic, das Magazin ist für mich immer noch Dreh- und Angelpunkt der deutschen Satire. Natürlich ist Print ein sinkendes Schiff. Es sei denn, es erlebt ein Revival wie Schallplatten. Ich hatte früher mit Schulfreundinnen eine kleine Spaßzeitschrift aufgelegt, noch richtig auf dem Kopierer zusammengedruckt und getackert.
Lesen Sie noch klassisch auf Papier oder auf dem E-Reader?
Ich bin sehr traditionell. Ich habe noch mehrere Print-Abos und ich mag es, Bücher anfassen zu können und nicht nur am Bildschirm zu hängen.
Was waren denn Bücher, die Sie zuletzt selbst regelrecht verschlungen haben?
Oh, viele. Ich habe kürzlich „Michaela Kohlhaas“ von Heike Geißler gelesen. Dort hat sie die alte Novelle von Kleist mit einer weiblichen Protagonistin in die Neuzeit geholt. Ich habe jetzt gerade recht viele „störrische, rebellische Frauen über 40“-Sachen gelesen.
Ihr Buch-Ich trifft im Buchverlauf ja auf verschiedenste Feministinnen-Generationen.
Ich finde es spannend, dass es so viele Arten von Feministinnen gibt und dass es viel mit der Generation zu tun hat. Aber nicht nur. Wenn dann eine sehr straighte, kampfbereite Feministin die Art von jüngeren seltsam findet und sich denkt: Nutz doch mal die Aufmerksamkeit, die du hast und hau mal drauf!
Mit den Tiergedichten habe ich das ganz verspielt gemacht. Es ist aber auch eine andere Mentalität. Aktuell sind viele feministische Bücher unterwegs, die sehr wütend oder verzweifelt sind. Ich finde, es gibt nicht so viele, die es mit Humor angehen.
Im Buch gründen Sie eine Punkrock-Band. Spielen Sie ein Instrument?
Ich habe mit fünf Jahren angefangen, Geige zu spielen, sogar auf Leistungsniveau. Mit 15 habe ich dann in einer Band namens Café Litauen mitgespielt. Wir waren auf Punkrock Festivals unterwegs, die Punkrocker liebten uns. Wir waren so ein bisschen hippiemäßig, unsere Musikart haben wir Polka-Pop genannt.
Heute höre ich gerne japanischen Punkrock wie Otoboke Beaver. Die sind so wütend und so laut. Ich finde das toll, das kommt wie ein Urschrei aus tiefster Seele rüber. Und es zeigt, dass jeder Punkrock machen kann und nicht nur 30-jährige weiße Männer, so wie in früheren Jahrzehnten. Aber die sollen natürlich weiterhin spielen dürfen.
Ella Carina Werner liest am 9. September um 20 Uhr in der Buchhandlung Schaumburg aus ihrem neuen Buch „Menopause Turbosause“ (Erscheinungsdatum 17. September). Tickets für die Lesung kosten 20 Euro, buchbar unter 04141/ 4091-40, www.stadeum.de sowie in der Tourist-Info am Fischmarkt.
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