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Brandschutz

TAbriss macht Gerd Meyer glücklich: Hof weicht Feuerwehrgerätehaus Este

Gerd Meyer beobachtet den Abriss des Hofs seiner Familie. Der Altländer ermöglichte durch den Verkauf den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an der Este in Königreich.

Gerd Meyer beobachtet den Abriss des Hofs seiner Familie. Der Altländer ermöglichte durch den Verkauf den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an der Este in Königreich. Foto: Vasel

Gerd Meyer ist Feuerwehrmann mit Herz und Seele. Deshalb hat der Altländer dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses den Weg geebnet. Jetzt hat der Abriss seines Hofs begonnen.

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Von Björn Vasel
Freitag, 06.02.2026, 13:05 Uhr

Königreich. Der Abrissbagger arbeitet sich mit seinem Greifer langsam durch den Dachstuhl des Bauernhauses an der Königreicher Straße. Morgens hatten die Arbeiter von Wist Abbruch aus Drochtersen bereits mit dem Abdecken der Pfannen begonnen.

Blick auf die Hofstelle zur Kirschblüte in den 1950er Jahren.

Blick auf die Hofstelle zur Kirschblüte in den 1950er Jahren. Foto: Meyer

Im Schneetreiben schaut Gerd Meyer ihnen „voller Stolz“ zu. Trotz der Kälte beobachtet Meyer die Abrissarbeiten. „Wehmütig bin ich nicht“, sagt der 75-Jährige aus Königreich. Dabei wird in einigen Tagen von dem Altländer Bauernhaus seiner Familie nichts mehr zu sehen sein.

„Seit 1739 war die Hofstelle in unserem Besitz“, erzählt Meyer. Er freue sich, dass die Gemeinde Jork in den Jahren 2026 und 2027 auf dem Grundstück an der Königreicher Straße 73 das neue Feuerwehrgerätehaus an der Este errichten wird.

Wist Abbruch deckt das Dach des Wirtschaftsteils des Meyer-Hofs in Königreich ab.

Wist Abbruch deckt das Dach des Wirtschaftsteils des Meyer-Hofs in Königreich ab. Foto: Vasel

Das sei sein Vermächtnis. Kinder habe er nicht. Immer wieder hätten Investoren bei ihm geklingelt. Sie wollten Mehrfamilienhäuser an der K39 bauen. „Doch das wollte ich nicht“, so der 75-Jährige.

Als die Ortsfeuerwehren Königreich und Estebrügge mit Rat und Verwaltung auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus waren, sei die Hofstelle in den Fokus gerückt. Der Standort an der Königreicher Straße 73 (früher Hauptstraße 60) sei nicht zufällig gewählt worden. „80 Prozent der tagesverfügbaren Kräfte wohnen in der Nähe“, erklärt der Vorsitzende des Feuerschutzausschusses, Peter Rolker (FDP).

Meyer verkaufte sein Grundstück an die Gemeinde Jork. „Mir ging es um die Allgemeinheit“, sagt der Königreicher. Der Erste Hauptfeuerwehrmann ist Mitglied der Ortsfeuerwehr Königreich. „Seit 59 Jahren“, sagt Meyer.

Hofstelle in Königreich war seit 1739 in Familienbesitz

Die Hofstelle gehörte bereits im 18. Jahrhundert seiner Familie. Erstmals war das Deichhufendorf Königreich („Koningrike“) links der unteren Este im Jahr 1335 erwähnt worden. Laut Trauregister des Kirchspiels Este gehörte der Hof um 1700 dem Hausmann Johann Heinrich. 1739 heiratete Carsten Meyer aus Neuenfelde dessen Tochter Gesche. Das am 8. April 1911 abgebrannte und mit 18.000 Mark versicherte reetgedeckte Altländer Bauernhaus habe die Inschrift „Jan Heinrich und Metta Heinrich. 1711“ getragen. Um 1640 war der Hof knapp fünf Hektar groß - umgerechnet sechs Fußballfelder. Zu dem Besitz gehörten laut Kirchstellenregister vier Pferde und drei Kühe sowie drei Schweine.

Blick auf den Wirtschaftsteil vor dem Großbrand im Jahr 1945.

Blick auf den Wirtschaftsteil vor dem Großbrand im Jahr 1945. Foto: Meyer

Ackerbau, Viehzucht und Obstbau prägten den Betrieb. Als Kind habe er noch „die Spreen hüten“ müssen. Mit Holzratschen und mit lauten Rufen vertrieben sie gefräßige Stare in der Kirschenzeit aus den Bäumen. In der Nähe des Deiches standen Obstbäume. Auch Weizen und Hafer seien angebaut worden, Rinder und Schweine waren eine weitere Säule. Bis 1982 hielt Meyer, er hatte Obstbau gelernt, noch Vieh. Bei der Sturmflut 1962 stand der Keller unter Wasser. Im Altenteilerhaus, in dem er heute wohnt, spendete ein Kohleofen etwas Wärme.

Blick auf eine Dreschmaschine aus den 1940er Jahren.

Blick auf eine Dreschmaschine aus den 1940er Jahren. Foto: Vasel

Nach dem Brand von 1911 entstand das Wohnhaus an der Hauptstraße. Der Wirtschaftsteil mit dem Stall und dem Getreide-, Stroh-, und Heulager auf dem Boden hatte ursprünglich ein flaches Dach. Doch im Januar 1945 brannte dieser Bereich „nach einem Kurzschluss“ ab. 1947 wurde dieser wieder errichtet - mit dem Spitzdach. Die Dreschmaschine des Vaters steht noch heute auf der Hofstelle. Im Zuge des Strukturwandels gab der Obstbauer schließlich die Bewirtschaftung auf. Rund 35 Jahre lang arbeitete Meyer bei Kühne + Nagel und Airbus. In einigen Tagen wird vom Meyer-Hof nichts mehr übrig sein - außer der Erinnerung und alten Dokumenten.

Feuerwehrgerätehaus an K39 soll 2027 stehen

Diese hütet der Kenner der Hof-, Orts- und Feuerwehrgeschichte wie sein Augapfel. „Ich freue mich schon auf die Grundsteinlegung“, sagt Gerd Meyer. Laut Verwaltungsvize Arne Krüger arbeitet die Verwaltung an der Finalisierung der Ausschreibung. Geplant ist, den Neubau des Gerätehauses an einen Generalunternehmer zu vergeben. Dieser soll den Bau auf Grundlage des Entwurfs von Sandra Köster errichten. Die Bauingenieurin aus dem Rathaus hat den Neubau konzipiert.

Es gab eine Arbeitsgruppe mit der Feuerwehr und der Politik. Geplant ist ein Gerätehaus mit fünf Stellplätzen. Kosten: voraussichtlich 5,6 Millionen Euro. Krüger hofft, dass die Feuerwehr im Laufe des Jahres 2027 einziehen kann. Die heutigen Gebäude sind zu klein und erfüllen nicht mehr die Vorgaben - unter anderem der Feuerwehrunfallkasse (FUK). Mit der Fertigstellung werden die Ortsfeuerwehren Estebrügge und Königreich fusionieren. Von 1903 bis 1941 gab es, so Meyer, bereits eine gemeinsame Wehr: die Freiwillige Feuerwehr Estebrügge-Westseite, 1933 umbenannt in Estebrügge-Königreich.

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