TAlte Rollbrücke am Haken: So liefen die Arbeiten über der Este
Die alte Rollbrücke, die bisher über das Innere Este-Sperrwerk führte, hängt am Haken. Foto: Vasel
Um 10.45 Uhr gehen die Blicke erst nach oben, dann nach unten: Mit einem Kran demontieren Arbeiter am Dienstag die Rollbrücke in Cranz und laden sie auf einen Schwimmponton.
Cranz. Generalstabsmäßig hat Bauleiterin Evin Polat vom Bauunternehmen Fr. Holst aus Hamburg-Wilhelmsburg die Aktion geplant. Um sechs Uhr bringt der Kranführer Ansgar Richter-Brockmann seinen Mobilkran vor dem Inneren Estesperrwerk in Cranz in Stellung. „Danach dürfen wir nicht mehr auf der Straße unterwegs sein“, erklärt der Mitarbeiter vom Kran-Dienst Schulz aus Hamburg.
Er stützt den Schwerlastkran seitlich hydraulisch ab. Der Teleskopausleger fährt aus - auf 37,5 Meter. Dann heißt es warten. Der Haken des Krans baumelt im Wind. „Kein Problem“, sagt er. Erst bei Windstärke 6 müssten sie die Arbeit an der Rollbrücke einstellen.
Die Demontage der Brücke wird vorbereitet. Foto: Vasel
Doch noch ist die Rollbrücke fest verankert. Seit 1958/1959 können Fußgänger und Fahrradfahrer auf der Höhe des Inneren Este-Sperrwerks den Fluss überqueren. Nicht nur die Cranzer und Neuenfelder nutzen die Brücke, sondern auch Touristen und Ausflügler.
Aushub der Cranzer Rollbrücke
Doch die Rollbrücke ist in die Jahre gekommen. Ursprünglich sollte das Bauwerk bereits vor zehn Jahren ersetzt werden. Aufgrund eines Konstruktionsfehlers habe die neue Brücke seinerzeit jedoch nicht eingesetzt werden können. Der Neubau war „verzogen“.
Neue Brücke und neue Steuerungstechnik
Der aktuelle Neubau wird bei Klaas Siemens Stahlbau, einem 1920 gegründeten Traditionsunternehmen, in Emden gefertigt. Für das Projekt haben Fr. Holst und Klaas Siemens eine Arbeitsgemeinschaft (Arge) gebildet. Rund 1,5 Millionen Euro investiere die Hamburg Port Authority (HPA) in die neue Brücke, erklärt der HPA-Sprecher Jens Petri. Damit seien die Kosten für den Neubau und die Montage der neuen Brücke inklusive der Demontage der alten Brücke gedeckt.
Hinzu komme die Elektro- und Steuerungstechnik. Kostenpunkt: 550.000 Euro. In Zukunft soll die Rollbrücke, sollte ein größeres Schiff diese passieren wollen, „ferngesteuert“ von HPA-Mitarbeitern am (äußeren) Este-Sperrwerk in Neuenfelde geöffnet und geschlossen werden. Bislang ist die Steuerungstechnik in einem gemeinsamen Leitstand-Gebäude von HPA und Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee (WSA) untergebracht. Das WSA betreibt das Innere Sperrwerk.
Während das Äußere Sperrwerk zur Sturmflutsicherung dient, wird mit dem alten Inneren Sperrwerk in Hamburg-Cranz der Wasserstand der Bundeswasserstraße Este für Schifffahrt und Gewässerschutz geregelt. Die Bauarbeiten sollen am 16. November 2026 abgeschlossen sein.
Arbeiter zertrümmern den Beton
Dann legen die Arbeiter von Ehlert & Söhne aus Hamburg los. Mit Bohrmeißel und Motorflex zertrümmern sie das Beton-Gegengewicht der Rollbrücke. Es staubt. Doch Baggerführer Rüdiger Mühlbach kennt kein Pardon.

Das Gegengewicht der Rollbrücke wird zertrümmert. Foto: Vasel
Er zerlegt - fast wie ein Chirurg - die Beton-Blöcke mit dem am Bagger montierten Schlaghammer. Wenig später ist es geschafft. Doch der Schutt muss raus. Ein Grund: Die dicken Brocken dürfen nicht in das Sperrwerk fallen, im schlimmsten Fall könnte das WSA bei Hochwasser womöglich die Stemmtore nicht mehr schließen.
Cranzer Rollbrücke: Bagger zertrümmert Betonreste
Kran hebt Rollbrücke auf Schwimmponton
Es geht voran. Ein erster Hubversuch scheitert. Die Brücke klemmt. Doch Dirk Hillmer vom Abbruchunternehmen Ehlert & Söhne weiß Rat. Die Rampe am rechten Ufer muss weg. Ein junger Kollege greift zu Motorflex und Schraubenschlüssel. Mit dem Brecheisen wird die Konstruktion in wenigen Minuten gelöst. Dann packt der Kran das Bauwerk - kurz nach 10.30 Uhr - an die Seite. Weiter geht es.
Bauleiterin Evin Polat kriecht unter die Rollbrücke. Dann gibt sie das Kommando: „Auf!“ Rüdiger Mühlbach hilft mit dem Greifarm nach.

Die Rollbrücke wird auf den Ponton verladen. Foto: Vasel
Ansgar Richter-Brockmann und Dirk Hillmer verstehen sich fast blind. Sie haben die Last genau austariert. „Das kann man berechnen, man muss aber auch ein Gefühl dafür haben“, sagt Hillmer. Rundschlingen und Ketten sitzen am Haken - bombenfest.

Demontage der Rollbrücke in Cranz: In den Löchern saß das Gegengewicht. Foto: Vasel
Zeichen mit Hand und Finger, kurze Sätze über Funk. „Nur keine Hektik, dann passt es“, sagt er. Dann hebt der Schwerlastkran die Brücke gegen 10.45 Uhr langsam an. Mit Seilen wird die 23,30 Meter lange Brücke um 90 Grad gedreht. Dann geht es abwärts.
Cranzer Rollbrücke : Die alte Brücke wird abgelegt
Die zehn Tonnen schwere Brücke wird auf einen Schwimmponton verladen. Dieser soll spätestens am Mittwoch die Este verlassen. So lange ist der Fluss in dem Bereich für die Schifffahrt gesperrt.

Die Rollbrücke liegt auf dem Schwimmponton. Foto: Vasel
Das HPA-Projektteam ist erleichtert. „Geschafft“, sagt Bauleiterin Evin Polat um 11.49 Uhr kurz und knapp. Die alte Brücke liegt fest auf dem Ponton. In einem Vierteljahr soll die neue Brücke montiert werden. Im dritten Quartal 2027 soll die Erneuerung der Elektro-, Steuerungs- und Leittechnik folgen.

Die Betonreste werden zertrümmert und entsorgt. Foto: Vasel
Durch die Aufteilung in zwei Bauphasen bleibe die notwendige Vollsperrung auf das Jahr 2026 und ein technisch erforderliches Maß begrenzt.
Kostenloser Bus als Ersatz
Während der Arbeiten gibt es einen kostenlosen Bustransfer. Auf der Umleitung zwischen den Haltestellen Alter Fährweg und Altes Estesperrwerk ist für die Buslinien 150, 257, 2044, 350 und 550 die Nutzung ohne gültiges Ticket möglich. Für die Umfahrung mit dem ÖPNV ist ein Umstieg an der Haltestelle Neuenfelder Damm erforderlich.

Fußgänger und Fahrradfahrer müssen einen Umweg in Kauf nehmen. Foto: Vasel
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.