TAltländer erneuern ihre Flotte: Ulrike Wegener tauft MS Hera in China
Taufe der MS Hera der Reederei H.-P. Wegener aus Groß Hove auf der Jiangsu Dajin Heavy Industry in der Volksrepublik China. Heimathafen wird Hamburg sein. Foto: Reederei H.-P. Wegener
Die Reederei H.-P. Wegener hat ein neues Schiff für ihre Flotte in China getauft. Die MS Hera und ihre Schwesterschiffe stehen für die Zukunft der deutschen Schifffahrt.
Jork. Das neue Feederschiff der Altländer ist auf der Jiangsu Dajin Heavy Industry in der Volksrepublik China gebaut worden. Die Reederei H.-P. Wegener erneuert nach und nach ihre Flotte. Der letzte Neubau war 2006 mit der MS Containerships VIII auf der im Jahr 1635 gegründeten Sietas-Werft an der Este-Mündung in Neuenfelde entstanden. In Dajin - mehr als 200 Kilometer nordwestlich von Shanghai gelegen - hat Ulrike Wegener das Schiff getauft. Sie führt das Familienunternehmen in sechster Generation mit ihrem Ehemann Jörn Mecklenburg.
Vor der Taufe: Die Reederei wird in sechster Generation von der Schiffbau-Ingenieurin Ulrike Wegener und ihrem Ehemann Jörn Mecklenburg geführt. Foto: Reederei H.P.-Wegener
Die Chinesen zelebrierten die Taufe der MS Hera durch die Schiffbau-Ingenieurin Ulrike Wegener wie einen Staatsakt - mit Drachentänzern und einer beeindruckenden Pyrotechnik-Show. Ein Video ist auch bei www.tageblatt.de zu sehen.
Neues Containerschiff spart Brennstoff
Die MS Hera kann 1200 Standardcontainer (TEU) huckepack nehmen. Dieser Neubau ist rund 155 Meter lang und 24,50 Meter breit. Der Tiefgang beträgt 7,60 Meter. Die Dienstgeschwindigkeit liegt bei 18,5 Knoten - umgerechnet 34,3 km/h. In der Regel wird das Schiff mit etwa 14 Knoten über die Meere fahren. Das spart viel Treibstoff. 14 Tonnen Schweröl schluckt die Hauptmaschine von MAN mit einem Zwei-Takt-Motor im Bauch der MS Hera täglich bei dieser Geschwindigkeit.
Die Chinesen versprechen: Die MS Hera wird 30 Prozent weniger Brennstoff als nur wenig ältere Einheiten gleicher Größe verbrauchen. Damit nicht genug. „Der Neubau ist Methanol-ready“, sagt Mecklenburg. Grüner Methanol als Treibstoff soll die Schifffahrt bekanntlich langfristig klimaneutral machen.
Reeder ordern 18 Neubauten in China
Die MS Hera ist das erste von vier neuen Schiffen der Flotte der Reederei H.-P. Wegener aus Groß Hove bei Jork. Im Takt von voraussichtlich acht bis zwölf Monaten sollen die MS Luna, die MS Cursa und die MS AAC4 folgen, kündigte Mecklenburg am Donnerstag im Gespräch mit dem TAGEBLATT an. Charakteristisch ist der rote Anstrich. „Wir fahren unter deutscher Flagge“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Jörn Mecklenburg. Die MS Cursa und möglicherweise auch der vierte Neubau sollen die Eisklasse E3 erhalten.
Damit könnte die MS Hera problemlos dem Eisgang auf der Ostsee trotzen und viele Seehäfen in Schweden und in Finnland, aber auch (zukünftig) in Russland anlaufen. Ein Frieden in der Ukraine könnte dem Handel „sehr förderlich sein“. Die Route Hamburg - St. Petersburg war vor dem Krieg und den Sanktionen ab 2014 für viele Feederreedereien eine tragende Säule.

Kurs auf Algerien. Foto: Reederei H.-P. Wegener
Die Neubauten sind Teil eines Großauftrags von 18 modernen Enviro-Feederschiffen. Diese Serie stehe für einen besonders kraftstoffeffizienten Betrieb und reduzierte Emissionen, heißt es.
Das Projekt wurde im Jahr 2023 auf Initiative des Befrachtungsmaklers Arkona Allied Container aus Hamburg entwickelt. Fünf Reedereien beteiligten sich an dem „zukunftsweisenden Vorhaben“. Im Boot sitzen Jüngerhans, Wessels und HS Bereederung (alle aus Haren/Ems) sowie Wegener aus Jork und Visser Shipping aus dem niederländischen Sneek.
Die Reederei Jüngerhans taufte jüngst die nahezu baugleiche MS Rike J in Wilhelmshaven am Südwestkai. Die Neubauten wurden auf zwei Werften in China geordert. Gemeinsam legten die mittelständischen Reedereien fast eine halbe Milliarde Euro auf den Tisch.
Mittelständische Reedereien bündeln ihre Kräfte
Die Bündelung des Auftrags, die gemeinsame Entwicklung des Schiffsdesigns und die Kooperation bei der Bauaufsicht spare Geld und Zeit. Damit zogen die Mittelständler eine Lehre aus der Finanz- und Schifffahrtskrise von 2018. Sie behaupten sich auf einem Markt, der von Riesen wie Maersk, Mediterranean Shipping Company, Cosco oder Hapag-Lloyd dominiert wird. Die Altländer haben zwei Inspektoren, die die Neubauten in China begleiten.

Die MS Hera wird in Malaysia beladen. Foto: Reederei H.-P. WEgener
Auch die Fracht wird über den Pool des Befrachtungsmaklers Arkona Allied Container (AAC) aus Hamburg gebündelt. Die Hamburger befrachten zurzeit mehr als 100 Container-Feederschiffe. Die AAC gehört damit zu den Marktführern im Feedersegment.

Unter deutscher Flagge: Heimathafen der MS Hera wird Hamburg sein. Foto: Wegener
Die MS Hera hat die Werft in China nach der Taufe am 18. Dezember 2025 verlassen. In Malaysia nahm sie Ladung auf. „Diese wird in Algier in Nordafrika gelöscht“, sagt Mecklenburg. Danach geht sie in Charter und wird auf der Route Rotterdam - Island unterwegs sein.
Altländer setzen auf deutsche Flagge
Das Familienunternehmen setzt auf deutsche Seeleute und Flagge. Die Altländer beschäftigen unmittelbar knapp 40 Mitarbeiter. Hinzu kommen rund 30 bis 40 Seeleute über eine Crewing-Agentur - von den Philippinen und aus Osteuropa. Die Reederei aus Groß Hove bildet ganz bewusst weiterhin aus - unter anderem Schiffsmechaniker sowie nautische und technische Schiffsassistenten. Und angehende Offiziere können ihre Fahrzeiten erwerben.
Die Wurzeln der Reederei liegen im 18. Jahrhundert. Der erste namentlich erwähnte Schiffer in der Familie ist Johann Wegener. Es gibt einen Eintrag von 1786 in einem Kirchenbuch von St. Martini in Estebrügge. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass seine Vorfahren ebenfalls Schiffer waren“, sagt Mecklenburg. Er sieht positiv in die Zukunft. Die aktuelle Lage bei den Frachtraten ist „recht gut“.
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