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Britta Schumacher-Stechmann

TAltländerin ist Pionierin beim Haselnussanbau – Manufaktur eröffnet

Obstbäuerin Britta Schumacher-Stechmann aus Mittelnkirchen erntet die letzten Haselnüsse.

Obstbäuerin Britta Schumacher-Stechmann aus Mittelnkirchen erntet die letzten Haselnüsse. Foto: Vasel

Britta Schumacher-Stechmann aus Mittelnkirchen setzt auf die Haselnuss. Anbau und Verarbeitung gehen für sie Hand in Hand. Jetzt eröffnete sie ihre kleine Nussmanufaktur.

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Von Björn Vasel
Freitag, 17.10.2025, 11:50 Uhr

Mittelnkirchen. Noch ist der regionale Haselnussanbau in Deutschland eine Nische. Obstbäuerin Britta Schumacher-Stechmann aus Mittelnkirchen gehört zu den Pionieren im Alten Land.

Bei einer Studienreise entdeckte die Altländerin im Jahr 2015 in Chile ihre Leidenschaft für die Haselnuss, 2017 hat sie die ersten Bäume gepflanzt. Mittlerweile baut sie mehrere Sorten auf knapp vier Hektar an.

Damit nicht genug. Schumacher-Stechmann verarbeitet und vermarktet ihre Haselnüsse selbst - in ihrer Nussmanufaktur in der Alten Sparkasse in der Dorfstraße 107.

Verbraucher essen immer mehr Nüsse

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat wirbt seit Jahren für eine Ausweitung des Anbaus in Deutschland. Ansatz: neue Einnahmequellen für die Landwirte und Ernährungssicherheit. Nüsse werden auf fast 1500 Hektar angebaut, die Haselnuss kommt auf einen Anteil von einem Drittel. Um die 800 Betriebe gibt es.

Britta Schumacher-Stechmann hält einige Haselnüsse in ihrer Manufaktur in Mittelnkirchen in ihren Händen.

Britta Schumacher-Stechmann hält einige Haselnüsse in ihrer Manufaktur in Mittelnkirchen in ihren Händen. Foto: Vasel

Es ist ein Wachstumsmarkt. Der Verbrauch von Nüssen in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren um zwölf Prozent gestiegen. Dieser liegt laut Statistischem Bundesamt bei 5,2 Kilogramm pro Kopf, die Haselnuss kommt auf 800 Gramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 25 Gramm Nüsse pro Tag.

Dafür müssten die Deutschen ihren Verbrauch verdoppeln. 95 Prozent der Nüsse werden heute importiert. Der Großteil kommt aus den USA, aus Italien und insbesondere aus der Türkei. Letztere steht unter anderem wegen Kinderarbeit immer wieder in der Kritik.

Dass die Nachfrage steigt, liegt am Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung. Nüsse sind kleine Kraftpakete und liefern dem Körper wertvolle Nährstoffe - wie ungesättigte Omega-Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und Eisen. Wissenschaftlichen Studien zufolge soll sich der Verzehr günstig auf Herz-Kreislauf-System und Blutfettwerte auswirken. Sie helfen, den Eiweißbedarf nicht allein über Fleisch, sondern pflanzlich zu decken.

Das Massengeschäft werden die deutschen Erzeuger dem Weltmarktführer nicht streitig machen. Haselnuss-Anbauer wie Britta Schumacher-Stechmann setzen auf den regionalen Markt. Bislang lag der Schwerpunkt des Anbaus im Süden Deutschlands. Wegen des Klimawandels wird der Nussanbau „auch für Norddeutschland interessant“, sagte der Schalenobst-Experte Herbert Knuppen beim Obstbauforum in der Altländer Festhalle in Jork. Die Haselnuss mag es warm.

Altländerin pflanzte 2017 ihre ersten Haselnussbäume

Mit 60 Bäumen startete Britta Schumacher-Stechmann im Jahr 2017 zur Sortenprüfung. Mittlerweile hat sie mehr als 1400 veredelte Haselnussbäumchen gepflanzt, im Frühjahr 2025 kamen allein 750 hinzu. Die Haselnusssträucher ‚stehen‘ auf der Baumhasel (Corylus colurna).

Wie beim Apfel stehen die Haselnüsse auf einer Unterlage. Corabel und Emoa zählen zu ihren beiden Lieblingssorten. Parameter wie Ertrag, Größe und Geschmack stimmen. Als Befruchter steht die Hallesche Riesennuss auf ihren Plantagen. Bei ihrer Entscheidung hat sie auch Rücksprache mit ihrem Sohn gehalten.

Es handelt sich um eine Dauerkultur. Die Bäume sollen bis zu 50 Jahre einen Ertrag bringen. Der Vollertrag stellt sich nach zehn bis zwölf Jahren ein. Im zehnten Jahr rechnet sie mit 10 Kilogramm.

Nach dem Aufsammeln werden die Erntenetze in der Haselnuss-Plantage eingerollt.

Nach dem Aufsammeln werden die Erntenetze in der Haselnuss-Plantage eingerollt. Foto: Vasel

Die reifen Haselnüsse fallen zwischen September und Mitte Oktober von den Bäumchen. Die Nüsse landen auf den zwischen den Reihen aufgespannten Ernteschutznetzen und werden in mehreren Arbeitsgängen abgesammelt. In dieser Saison hat sie ihre Ernte noch mit ihren Mitarbeitern in Handarbeit eingebracht, im nächsten Jahr kommt ein maschineller Haselnusssammler aus Italien zum Einsatz.

Fieser Schädling kann Haselnüssen gefährlich werden

Die Netze stoppen auch Haselnussbohrerlarven. Sie können nicht mehr im Boden überwintern und im Frühjahr als adulte Haselnussbohrer die Ernte gefährden. „Deshalb spannen wir die Netze bereits im August“, erklärt die Obstbäuerin.

Der Rüsselkäfer ist ein fieser Schädling. Dieser frisst Blätter und bohrt junge Nüsse an, die Weibchen legen ihre Eier in den Nüssen. Die Larven fressen den Kern auf und hinterlassen eine hohle Frucht.

Obstbäuerin baut eigene Nussmanufaktur auf

Obstbäuerin Britta Schumacher-Stechmann will die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: Anbau, Verarbeitung und Vermarktung.

Deshalb hat sie sich in der Alten Sparkasse jetzt eine Nussmanufaktur eingerichtet. Sonnabends macht sie regelmäßig auf, erster Öffnungstag ist der 25. Oktober (9 bis 12 Uhr).

Blick auf das Sortiment von Brittas HaselGenuss in Mittelnkirchen.

Blick auf das Sortiment von Brittas HaselGenuss in Mittelnkirchen. Foto: Haselgenuss

Unter der Marke Brittas HaselGenuss vermarktet sie ihre Produkte vor Ort, aber auch über Wochenmarkthändler in Hamburg, Bremen und in der Lüneburger Heide sowie Hofläden im Alten Land.

Ob ungeknackt, geknackt oder geröstet, oder weiterverarbeitet zu Streusel - zum Aufpeppen von Joghurt, Müsli, Kuchen und Salat - oder als Mus aus gerösteten Haselnüssen oder mit weißer Schokolade, ihr Sortiment wächst. „Es ist sehr viel Handarbeit“, sagt die Mittelnkirchnerin.

Haselnussbäuerin Britta Schumacher-Stechmann kontrolliert die Knack-Maschine.

Haselnussbäuerin Britta Schumacher-Stechmann kontrolliert die Knack-Maschine. Foto: Vasel

Die Haselnüsse werden vor- und nachsortiert. In einer rotierenden Trommel werden sie geknackt. Der Kern hat einen Anteil von 45 Prozent an der Nuss. Ihre Maschinen haben Frank und Britta Stechmann zum Teil selbst konstruiert, so kommt beim Enthäuten ein umgebauter Betonmischer mit Gitter-Trommel zum Einsatz.

Die Haselnüsse werden mit warmer Luft aus dem Apfellager getrocknet.

Die Haselnüsse werden mit warmer Luft aus dem Apfellager getrocknet. Foto: Vasel

Beim Trocknen nutzen sie die warme Luft ihres Apfellagers.

Britta Schumacher-Stechmann bereitet das Rösten in ihrer neuen Nussmanufaktur vor.

Britta Schumacher-Stechmann bereitet das Rösten in ihrer neuen Nussmanufaktur vor. Foto: Vasel

Geröstet werden sie bei 140 Grad in einem Kaffeeröster mit Ornamenten wie aus Tausendundeiner Nacht. Sie schwärmt vom Duft ihrer gerösteten Nüsse.

Mit Regionalität und Klimaschutz beim Verbraucher punkten

Heimische Nüsse würden nicht nur mit Frische, sondern auch mit kurzen Transportwegen punkten. Das schone wie beim Apfel das Klima. Sie setzt auf eine zahlungsbereite Kundschaft, die bewusst regionale Nüsse kaufe - und Mehrwerte des lokalen Anbaus wie hohe Umwelt- und Sozialstandards honoriere.

Während die Weltmarktpreise wegen der schlechten Ernte in der Türkei durch die Decke gehen, habe sie ihre Preise stabil halten können. Nur beim Mus musste sie aufgrund der Verdopplung der Schokoladenpreise die Preise anpassen.

Nussschalen können weiterverwendet werden - zum Aromatisieren von Grillgut, als Tierfutter oder im Garten. Anbau, Beratung sowie Sortenwahl- und züchtung - alles steckt in den Kinderschuhen. Schumacher-Stechmann profitiert von ihrem Obstbauwissen.

Britta Schumacher-Stechmann hält einige Haselnüsse in ihrer Manufaktur in Mittelnkirchen in ihren Händen.

Britta Schumacher-Stechmann hält einige Haselnüsse in ihrer Manufaktur in Mittelnkirchen in ihren Händen. Foto: Vasel

In Süddeutschland gibt es bereits eine Erzeugerorganisation mit Sitz in Oettingen, 75 Mitglieder bauen die Frucht auf 250 Hektar an und sind in Bayern im Lebensmitteleinzelhandel eine feste Größe. Großes Wachstum erwartet die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mit Blick auf Investitions- und Produktionsaufwand und die lange Zeit bis zum Vollertrag nicht.

Haselnuss im Sack.

Haselnuss im Sack. Foto: Vasel

Aufgrund steigender Nachfrage hat sich der Preis in den letzten 15 Jahren verdreifacht. Lohnenswert sei der Anbau laut AMI vor allem für Direktvermarkter mit Verarbeitung und für Betriebe, die sich unabhängiger vom Apfel machen wollen.

Schumacher-Stechmann hofft mit Blick auf den Tag der Haselnuss am 22. Oktober, dass weitere Kollegen im Norden auf die Nuss setzen: „Mit Kreativität, Kooperation und Ausdauer kann der Schritt aus der Nische gelingen. Man muss nur für den Anbau brennen.“

Wand der Nussmanufaktur: Das Werbeschild für Brittas HaselGenuss wird von der Agentur Teufelsart an der Alten Sparkasse in Mittelnkirchen montiert.

Wand der Nussmanufaktur: Das Werbeschild für Brittas HaselGenuss wird von der Agentur Teufelsart an der Alten Sparkasse in Mittelnkirchen montiert. Foto: Stechmann

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