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Züchtungsinitiative

TApfelzüchter freuen sich über Auszeichnung: Ein Loblied auf den Pompur

Blick in eine Kiste mit den allergikerfreundlichen Pompur-Äpfeln der Züchtungsinitiative Niederelbe.

Blick in eine Kiste mit den allergikerfreundlichen Pompur-Äpfeln der Züchtungsinitiative Niederelbe. Foto: Vasel

Freude bei Züchtungsinitiative Niederelbe und Hochschule Osnabrück: Der Bund würdigt die Züchter allergikerfreundlicher Äpfel mit dem Deutschen Innovationspreis Gartenbau.

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Von Björn Vasel
13.09.2026, 05:50 Uhr

Altes Land. Die Züchtungsinitiative Niederelbe (ZIN) ist beim Deutschen Gartenbautag des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit dem Deutschen Innovationspreis Gartenbau ausgezeichnet worden. „Das zeigt eindrucksvoll, wie innovativ, lösungsorientiert und zukunftsgerichtet der deutsche Gartenbau arbeitet“, betonte Eva Kähler-Theuerkauf. Die ZVG-Präsidentin lobte in Berlin die praxis- und verbraucherorientierte Verbindung zwischen dem Obstbau und der Wissenschaft.

Fruchtbare Zusammenarbeit von Obstbau und Forschung

Den Innovationspreis Gartenbau in der Kategorie „Pflanze“ erhielt die ZIN für die Entwicklung der beiden allergenarmen Apfelsorten ZIN 168 und ZIN 186 sowie deren Markteinführung unter der Dachmarke Pompur.

Die Züchtungsinitiative Niederelbe erhält Deutschen Innovationspreis Gartenbau für allergikerfreundliche Äpfel - vermarktet unter dem Namen Pompur. Dr. Kea Ovie vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium (Mitte) sagte der ZIN weitere Förderung zu.

Die Züchtungsinitiative Niederelbe erhält Deutschen Innovationspreis Gartenbau für allergikerfreundliche Äpfel - vermarktet unter dem Namen Pompur. Dr. Kea Ovie vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium (Mitte) sagte der ZIN weitere Förderung zu. Foto: ZVG/ Rafalzyk

Es ist die zweite große Auszeichnung. Im Februar hatten die Altländer und Kehdinger mit dem Innovation Award den Obst-Oscar bei der Fruit Logistica entgegengenommen. „Wir sind sehr stolz“, so ZIN-Sprecher Ulrich Buchterkirch.

Der Züchtungsinitiative Niederelbe war es gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück gelungen, über mehrere Jahre zwei für den Erwerbsobstbau im Norddeutschland geeignete Apfelsorten mit einem deutlich reduzierten Allergengehalt zu entwickeln.

Bund unterstützte Projekt

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hatte das Forschungsprojekt „All-Arm - Züchtung allergenarmer Äpfel“ im Rahmen der Deutschen Innovationspartnerschaft Agrar mit rund 385.000 Euro gefördert - es wurde von 2016 bis 2021 durchgeführt. Mit im Boot saßen die Charité in Berlin und die TU München.

Allergikerfreundliche Äpfel von der Niederelbe hängen am Baum.

Allergikerfreundliche Äpfel von der Niederelbe hängen am Baum. Foto: Vasel

Das Fachgebiet Obstbau der Hochschule Osnabrück fokussiert sich auf den Züchtungsprozess: von den Kreuzungen und der Anzucht der Apfelsämlinge bis zur Auswahl geeigneter Genotypen. Die Bayern entwickelten ein Verfahren zur Bestimmung des Allergengehalts, die Berliner von der Universitätsmedizin Berlin (Charité) übernahmen die mehrjährigen klinischen Tests.

„Die Auszeichnung zeigt, welchen Wert die langfristige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und obstbaulicher Praxis hat. Sie ist eine besondere Bestätigung für die langjährige Forschungs- und Züchtungsarbeit an der Hochschule Osnabrück“, sagt Professor Dr. Werner Dierend. Dieser arbeitet seit 2002 mit der ZIN zusammen.

Die Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel (Dritte von rechts) und ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf (links) gratulierten den Pompur-Schöpfern der ZIN und der Hochschule Osnabrück.

Die Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel (Dritte von rechts) und ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf (links) gratulierten den Pompur-Schöpfern der ZIN und der Hochschule Osnabrück. Foto: ZVG/ Rafalzyk

„Wenn man heute an Forschung und Innovation denkt, denkt man oft zuerst an Computerchips oder künstliche Intelligenz. Die ZIN zeigt, dass auch in so etwas Einfachem wie einem Apfel noch viel Potenzial stecken kann. Nach mehr als 20 Jahren harter Forschung gibt es jetzt Äpfel für die Allergiker“, lobte die Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel (CDU) beim ZVG-Tag. Darauf könnten die ZIN-Gründer und die Hochschule stolz sein.

Apfelallergiker profitieren von der Kooperation

Von der engen Kooperation zwischen Obstzüchtung, Allergieforschung und Obstbau könnten allein in Deutschland mindestens 3,5 Millionen Apfelallergiker profitieren. Wissenschaftlich geprüfte und zertifizierte Apfelsorten für diese Verbrauchergruppe gab es vor der Pompur-Markteinführung im November 2025 nicht im Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

Mittelfristig wollen die Altländer und die Kehdinger 10.000 Tonnen vermarkten. 250.000 Bäume sind bereits gepflanzt, 450.000 weitere in der Pipeline. Die Zielmarke liegt bei einer Million Bäume. Mehr als 500 Tonnen Pompur werden die Obstbauern im Alten Land, in Kehdingen und auf der Stader Geest in diesem Herbst ernten. Die Nachfrage im deutschen LEH und bei Verbrauchern sei hoch. Zur Einordnung: 295.000 Tonnen Äpfel werden in diesem Jahr insgesamt an der Niederelbe geerntet. Rund 100 Erzeuger bauen Pompur an.

Weitere Sorten seien in der Prüfung. Die ZIN-Mitglieder, 160 Erzeuger und 20 Handelsbetriebe, wollen den Fokus auf Pompur, Aldiamo und Deichperle legen. Seit 2002 haben sie drei Millionen Euro in die Züchtung neuer Sorten investiert - ohne Gentechnik.

Erfolgreich ohne Gentechnik

Die Kreuzung der ersten Pompur-Sorte erfolgte 2004, die der zweiten 2007. Anschließend erfolgte die Prüfung der Eigenschaften - wie Aussehen, Geschmack, Ertrag und Allergenpotenzial. Pompur-Äpfel sind die ersten, die das begehrte Siegel Allergiefreundlich der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) seit 2020/2022 tragen dürfen. Die ZIN-Sorten lagen deutlich vor den Vergleichssorten Wellant und Santana, die von vielen Allergikern gegessen werden.

Beim Verpacken der Äpfel: Im Herbst kommt wieder der allergikerfreundliche Pompur in den Handel.

Beim Verpacken der Äpfel: Im Herbst kommt wieder der allergikerfreundliche Pompur in den Handel. Foto: Vasel

Allergenarme ZIN-Sorten könnten laut Charité-Allergieforscher Professor Dr. Karl-Christian Bergmann von den allermeisten Apfelallergikern „ohne jede Symptome“ gegessen werden.

Buchterkirch dankte Dr. Kea Ovie vom Landwirtschaftsministerium, dass das Land Niedersachsen die fruchtbare Zusammenarbeit von ZIN und Hochschule für drei Jahre fördern will.

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