TAuf Streife mit der Polizei: Auffälliges Auto wird gestoppt
Auf Streife mit der Polizei Zeven: Die Routen sind nicht festgelegt, werden aber durch Umstände wie Schulzeiten beeinflusst. Foto: Hopp
Verkehrskontrolle und Unfallflucht: Was David Feit und Stefan Martens erlebten - ein Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit im Stader Nachbarkreis.
Zeven. Das Polizeifahrzeug biegt auf eine Schotterpiste ab. Sie führt tiefer hinein in einen Wald in der Samtgemeinde Zeven. Hier leben weniger als 50 Menschen. Ein Mann auf einem Radlader mustert den Streifenwagen mit grimmigem Blick – offenbar überrascht vom Besuch der Polizei.
„Ich glaube, ich war hier noch nie“, sagt David Feit (26), Polizeikommissar, zu seinem Kollegen Stefan Martens (38), Hauptkommissar. Er lässt den Blick konzentriert über die Umgebung schweifen: „Mit den Hausnummern ist das hier gar nicht so einfach.“
Polizei Zeven im Dauereinsatz
Die Polizei Zeven ist rund um die Uhr im Einsatz. Konkrete Angaben zu Dienstzeiten macht sie aus Sicherheitsgründen nicht. Für den Einsatz- und Streifendienst steht ein fester Personalpool bereit – auch Martens und Feit gehören dazu. „Wir decken das gesamte Stadtgebiet und das Umland ab“, sagt Martens. Präsenz sei entscheidend für das Sicherheitsgefühl der Menschen. „Verkehrsteilnehmer verhalten sich anders, wenn wir auftauchen,“ erzählt der Hauptkommissar.
Vor der Streife fährt ein orangefarbenes Auto. Auf dem Kennzeichenrahmen steht: „Lieber verrückt als einer von euch“. Mehrere Aufkleber des Likörs „Jägermeister“ zieren die Karosserie. Die Beamten geben das Signal zum Anhalten.
Verkehrskontrolle im Fokus: Auffälliges Auto wird gestoppt
Ein Mann mit grauem Haar steigt aus. „Ich habe zwar Bierflaschen im Auto, aber nichts getrunken“, sagt er. Während Martens mit ihm spricht, überprüft Feit bereits die Personalien – auf Vorliegen einer Fahndung, eines Haftbefehls oder Fahrverbots.

Stefan Martens im Gespräch mit dem Fahrer des orangefarbenen Autos. Der Austausch mit Menschen gehört für ihn zu den positiven Seiten des Berufs. Foto: Ebner
Solche Kontrollen gehören zum Alltag. Die Polizei unterscheidet dabei zwischen anlassbezogenen und verdachtsunabhängigen Maßnahmen. Häufig geht es bei Verstößen um Verkehrsordnungswidrigkeiten im Bereich der Verwarn- oder Bußgelder. Darunter fallen unter anderem eine überhöhte Geschwindigkeit, ein fehlender Sicherheitsgurt und das Handy am Steuer. „Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass Smartphones im Straßenverkehr zunehmend zum Problem werden“, sagt Polizeisprecher Marvin Teschke. Genaue Zahlen zu einzelnen Verstößen werden nicht gesondert ausgewertet.
Fahrzeugkontrolle: Kein festes Schema bei Auswahl
Der Fahrer mit der grauen Mähne wirkt gelassen. „Ist nicht das erste Mal, dass ich kontrolliert werde“, sagt er. Martens nimmt den Motorraum unter die Lupe. Feit ist fertig mit der Überprüfung der Personalien. Mit ernster Miene bewegt er sich Richtung Fahrer. Ein letzter prüfender Blick auf den Führerschein – bevor der den Führerschein an seinen Besitzer zurückgibt: „Alles, wie es sein soll.“ Die Beamten verabschieden sich freundlich.
Ein festes Schema für die Auswahl des kontrollierten Autos gibt es nicht. „Es ist nicht so, dass jetzt VW häufiger zum Beispiel durch Trunkenheit auffallen würde“, sagt Teschke. Oft entscheide das Bauchgefühl. Martens merkt sich Kennzeichen, die ihm privat durch Schlangenlinien aufgefallen seien. Ältere Fahrzeuge würden wegen der Verkehrssicherheit häufiger überprüft werden, ergänzt Feit. Er kennt das aus eigener Erfahrung: „Mit meinem alten Wagen, Baujahr 2002, bin ich siebenmal kontrolliert worden“, sagt er und schmunzelt.
Bürgerkontakt: Polizei setzt auf Präsenz
Die Streife führt weiter zum Jahrmarkt. Zwischen Kinderkarussell und Crêpes-Stand steuern die Beamten zu Fuß über das Gelände. Es geht auch um Nähe zur Bevölkerung. „Wir haben hier ein sehr gutes Verhältnis zu den Menschen“, sagt Martens. Unkooperatives Verhalten sei selten. Häufig seien Alkohol und Drogen der Grund dafür. „Man fragt sich dann schon, ob die Leute nüchtern genauso reagieren würden“, sagt Feit.

Bei der Polizei Zeven sind mehr als 60 Personen tätig, darunter David Feit (links) und Stefan Martens. Foto: Hopp
Der Jahrmarkt ist an diesem Tag ruhig. „Seit Corona gibt es weniger Vorfälle“, beobachtet Martens. Viele junge Menschen gingen seltener feiern, das Gesundheitsbewusstsein sei gestiegen. Auch innerhalb der Polizei habe sich etwas verändert: „Gerade jüngere Kollegen achten mehr auf ihre Ernährung, es gibt kaum noch Raucher,“ sagt er auf Höhe der Schokofrüchte.
Route der Polizei: Welche Faktoren den Weg beeinflussen
Der Duft von gebrannten Mandeln liegt in der Luft. Die Polizisten verzichten. Aber: Im Dienst zu essen ist nicht grundsätzlich verboten. „Wir sind auch nur Menschen“, sagt Teschke. Dann schiebt er hinterher: „Aber die Weste sollte danach nicht voller Fettflecken sein.“ Die Fußstreife bleibt ohne Vorfälle.
Zurück im Streifenwagen. Feste Fahrrouten gibt es nicht. „Im Früh- und Nachmittagsdienst fahren wir gerne Schulwege und Kindergärten ab“, sagt Feit. Abends achten die Beamten auf Veranstaltungen. „Wenn jemand sichtbar alkoholisiert zum Auto geht, können wir so schnellstmöglich eingreifen“, erklärt Martens. Prävention spielt eine große Rolle.
Polizeihauptkommissar: Präsenz an Autobahnen im Winter höher
Laut Martens, der seit fast 20 Jahren bei der Polizei tätig ist, ist im Winter zudem die Präsenz an Autobahnen höher als üblich. Die Einbruchsrate ist zu dieser Jahreszeit deutschlandweit höher. Laut Bundeskriminalamt lag die Zahl der Einbrüche 2023 in den dunklen Monaten um fast 45 Prozent höher. „Häufig kommen Täter von außerhalb und nutzen Autobahnen für eine schnelle Flucht“, erklärt Martens.
Dann meldet sich der Funk. Eine verzerrte, kratzige Stimme erzählt von einer Unfallflucht. 247 solcher Delikte wurden im Bereich Zeven im Jahr 2025 registriert, die Aufklärungsquote lag bei 35,63 Prozent. Der Halter des Fahrzeugs ist im Einsatzgebiet von Martens und Feit ansässig. Es geht in den eingangs erwähnten Wald. Auf dem Weg dorthin hält Martens die Geschwindigkeitsbegrenzung stets ein.
Fahrzeugprüfung: Einsatz im Wald bei Zeven
Von der zu Beginn erwähnten Schotterpiste fahren sie auf einen idyllischen Hof. Dort stehen mehrere Fahrzeuge. Feit lässt sich das Kennzeichen durchgeben. Es handelt sich um einen cremefarbenen Wagen mit großer Ladefläche. Martens untersucht das Fahrzeug mit einer Taschenlampe auf Schäden. Feit dokumentiert den Zustand des Wagens mit Fotos. Frische Schäden, die auf einen Unfall hinweisen, sind nicht zu erkennen.
Ein älterer Mann taucht am Einsatzort auf. Er hebt den Finger und zeigt Richtung Hauptstraße. „Da vorne sollten Sie mal blitzen“, fordert er. Es entsteht ein reger, freundlicher Austausch. Hier seien einmal Lampen gestohlen worden, erzählt er. „Ich bin Rentner, ich bekomme hier alles mit“, lacht der Mann. Zum aktuellen Fall kann er nichts beitragen.
Was der Polizei Freude bereitet
Gerade das gute Miteinander mit den Bürgern gefällt den Polizisten an ihrem Beruf besonders, erzählen sie später im Auto. Auch Hinweise aus der Bevölkerung nehmen sie dabei sehr ernst. Dennoch stellt Martens mit Blick auf das Anliegen des Rentners klar: „Wenn wir jeder Forderung nach einem Blitzer nachgehen würden, hätten wir in jeder Straße einen stehen“, sagt er.
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