TBrandserie in Hemmoor erreicht neues Ausmaß – Große Sorgen
In der Mühlenbergstraße in Hemmoor-Basbeck brannten in der Nacht ein Carport und ein Auto. Das Feuer griff auf ein Zweifamilienhaus über. Foto: Jürgen Lange
Vier Feuer binnen weniger Stunden und ein schwerwiegender Verdacht: Eine beispiellose Brandserie hält den Hemmoorer Stadtteil Basbeck in Atem. Es kann jeden treffen.
Hemmoor. Eine weitere Brandserie hat am Sonntag und in der Nacht zum Montag den Hemmoorer Stadtteil Basbeck erschüttert. Innerhalb von knapp zwölf Stunden mussten die Feuerwehren insgesamt viermal ausrücken. Mehrere Großbrände hielten die Einsatzkräfte in Atem. Die Polizei geht inzwischen in allen Fällen dem Verdacht der Brandstiftung nach.
Den Auftakt machte am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr ein Großbrand auf einem Lagerplatz in der Fährstraße. Radfahrer bemerkten eine massive Rauchentwicklung und alarmierten die Feuerwehr. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte standen mehrere Hundert Stackbuschballen sowie gelagerte Baumstämme bereits in Vollbrand. Bis zu zehn Meter hohe Flammen und eine starke Rauchentwicklung machten einen umfangreichen Löschangriff erforderlich.
Feuerwehrleute löschen brennende Stackbuschballen auf einem Lagerplatz an der Fährstraße in Hemmoor-Basbeck. Es ist bereits das zweite Großfeuer dort innerhalb von fünf Wochen. Foto: Jürgen Lange
Ist ein Feuerteufel am Werk?
Besonders brisant: Bereits vor fast fünf Wochen waren auf demselben Lagerplatz etwa 200 Stackbuschballen abgebrannt. Stackbusch wird dringend für den Küstenschutz benötigt und dient unter anderem zur Uferbefestigung sowie für den Lahnungsbau im Watt. Nach Angaben des Eigentümers gehört der Lagerplatz in Hemmoor zu den wenigen dieser Art an der Küste. Entsprechend schwer wiegt der erneute Verlust des Materials.
Gemeindebrandmeister Björn Müller ließ umgehend weitere Feuerwehren nachalarmieren. Mehrere Hundert Meter Schlauchleitungen wurden verlegt, ein Wasserwerfer eingesetzt und zahlreiche Trupps gingen unter schwerem Atemschutz gegen die Flammen vor. Mit Hilfe eines Traktors wurden die brennenden Bündel auseinandergezogen und anschließend abgelöscht. Knapp 90 Einsatzkräfte waren mehrere Stunden im Einsatz. Der entstandene Sachschaden wird auf etwa 10.000 Euro geschätzt.
Noch während der laufenden Löscharbeiten folgte bereits der nächste Alarm. Gegen 16.15 Uhr entdeckten erneut Radfahrer im Backsteinweg einen brennenden Heu-Rundballen. Ein Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Warstade löste sich kurzfristig aus dem Großeinsatz in der Fährstraße und konnte den Entstehungsbrand rasch löschen. Weitere alarmierte Feuerwehren mussten nicht mehr eingreifen. Auch in diesem Fall ist die Brandursache unklar, die Polizei ermittelt wegen möglicher Brandstiftung.
Reetdachschuppen in Flammen
Kaum hatten die Einsatzkräfte den Großeinsatz am Abend beendet und ihre Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht, ertönten gegen 23.30 Uhr erneut die Meldeempfänger. Ein Anwohner der Hollenworther Straße hatte Flammen im Reetdach eines Schuppens auf seinem Grundstück entdeckt. Unmittelbar daneben befand sich ein großes reetgedecktes Wohnhaus, sodass sich die Lage zunächst äußerst kritisch darstellte.

Flammen schlagen aus dem Reetdach-Schuppen an der Hollenworther Straße in Hemmoor-Basbeck. Fast 90 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz. Foto: Jürgen Lange
Durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindert werden. Hierfür errichteten die Einsatzkräfte eine Riegelstellung und benetzten das Reetdach des Wohnhauses kontinuierlich mit Wasser, während weitere Trupps den brennenden Schuppen bekämpften. Anschließend musste das Dach teilweise geöffnet werden, um versteckte Glutnester abzulöschen. Der Gebäudeschaden wird auf circa 20.000 Euro geschätzt. Auch hier übernahm die Polizei noch während der Löscharbeiten die Ermittlungen. Die Tatortgruppe Brandermittlung der Polizei Cuxhaven wurde eingeschaltet.
Carportbrand weitet sich auf Wohnhaus aus
Nur wenige Stunden später setzte sich die Brandserie fort. Gegen 3.40 Uhr am Montag wurden die Feuerwehren erneut alarmiert. In der Mühlenberger Straße war ein Carport mit einem darunter abgestellten Auto in Brand geraten. Beim Eintreffen der Feuerwehr hatten sich die Flammen bereits auf den Dachstuhl des angrenzenden Zweifamilienhauses ausgebreitet.
Den Bewohnern gelang die Flucht in letzter Minute. Ein Rollstuhlfahrer wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau von Polizei und Feuerwehr betreut. Die Frau erlitt vermutlich eine Rauchgasvergiftung und wurde nach der Erstversorgung in das Elbe Klinikum Stade gebracht. Auch eine 86-jährige Bewohnerin der zweiten Wohnung sowie zwei Hunde konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.
Unter schwerem Atemschutz kämpften schließlich gut 120 Einsatzkräfte gegen das Feuer. Eine Drehleiter der Berufsfeuerwehr Cuxhaven unterstützte die Löscharbeiten, indem Dachziegel und Teile des Dachfirstes entfernt wurden, um versteckte Glutnester erreichen zu können. Auch im Gebäude mussten Teile der Deckenkonstruktion geöffnet werden. Eine Wohnung ist infolge des Brandes unbewohnbar. Der Sachschaden wird auf etwa 200.000 Euro geschätzt.
Feuerwehren am Limit
Die außergewöhnliche Brandserie brachte die Feuerwehren an ihre Belastungsgrenze. Da Atemschutzgeräte, Schläuche und weiteres Einsatzmaterial nach den langwierigen Löscharbeiten knapp wurden, unterstützten zusätzliche Feuerwehren aus der Samtgemeinde die Kräfte vor Ort. Mehrfach übernahm die DRK-Bereitschaft Land Hadeln mit Rettungswagen die medizinische Absicherung der unter schwerem Atemschutz eingesetzten Feuerwehrleute.
Bei den vier Bränden waren Einsatzkräfte der Feuerwehren Basbeck, Warstade, Osten, Heeßel, Klint, Westersode und Hechthausen im Einsatz. Unterstützt wurden sie von Gemeindebrandmeister Björn Müller, seinem Stellvertreter Malte Schimmelpfennig, dem stellvertretenden Abschnittsleiter Torben Offermann, einer Drehleiter der Berufsfeuerwehr Cuxhaven, dem Cuxland-Rettungsdienst mit Notarzt und Rettungswagen sowie der DRK-Bereitschaft Land Hadeln.
Polizei prüft Zusammenhang der Brände
Die Polizei Hemmoor sowie die Tatortgruppe Brandermittlung der Polizeiinspektion Cuxhaven untersuchen nun mögliche Zusammenhänge zwischen den vier Bränden. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Nähe sowie der bisherigen Erkenntnisse steht in allen Fällen der Verdacht einer vorsätzlichen Brandstiftung im Raum.
Für die Feuerwehren endete die einsatzreiche Nacht erst in den frühen Morgenstunden. Nach stundenlangen Löscharbeiten kehrten die erschöpften Einsatzkräfte an ihre Standorte zurück, stellten die Einsatzbereitschaft ihrer Fahrzeuge wieder her und konnten den außergewöhnlichen Einsatztag schließlich beenden. Die Brandserie verursachte einen geschätzten Gesamtschaden von fast 230.000 Euro und hinterlässt nicht nur erhebliche Schäden, sondern auch zahlreiche offene Fragen, auf die nun die Ermittler Antworten suchen.
Autobrand in Nordleda: Landwirte verhindern Schlimmeres
Feuerwehr und Polizei sind am Sonntagnachmittag gegen 16.30 Uhr zu einem Autobrand in der Feldmark bei Nordleda gerufen worden. Dort war aus bislang unbekannter Ursache ein VW Golf in Brand geraten.

Unter schwerem Atemschutz löschten die Einsatzkräfte den Fahrzeugbrand. Foto: Feuerwehr
Der Fahrer war nach Angaben der Einsatzkräfte mit seinem Wagen auf einem Feldweg unterwegs und wollte das Fahrzeug vermutlich auf einem Stoppelfeld wenden. Plötzlich fing das Auto Feuer. Der Mann versuchte zunächst, die Flammen mit einem Autofeuerlöscher zu bekämpfen. Als dies nicht gelang, alarmierte er die Feuerwehr.
Aufmerksame Landwirte, die sich mit zwei Treckern und Grubbern in der Nähe aufhielten, reagierten sofort. Sie fuhren mit den Geräten rund um das brennende Fahrzeug und zogen so eine Schneise. Dadurch konnte ein beginnender Stoppelfeldbrand schnell gestoppt werden.
VW Golf brennt aus
Die Feuerwehr Nordleda begann unter Leitung von Ortsbrandmeister und Einsatzleiter Oliver Hein umgehend mit einem Schnellangriff aus wasserführenden Fahrzeugen. Gelöscht wurde unter schwerem Atemschutz. Um die Batterie stromlos zu machen, öffneten die Einsatzkräfte die Motorhaube mit einem Halligan-Tool. Anschließend kontrollierten sie den Bereich mit einer Wärmebildkamera auf mögliche Glutnester und löschten diese endgültig ab.
An dem Fahrzeug entstand wirtschaftlicher Totalschaden. Verletzt wurde niemand. Gegen 18 Uhr konnten die Einsatzkräfte den Einsatzort verlassen. Im Einsatz waren 24 Kräfte der Feuerwehren Nordleda und Wanna, der stellvertretende Gemeindebrandmeister Christian Böhack sowie die Polizei.
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