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TDiscounter oder Dorfladen: Letzter Anlauf für Netto-Ansiedlung an Oberer Lühe

Der Discounter Netto hat weiterhin Interesse an einem Standort an der Oberen Lühe - in Mittelnkirchen, Guderhandviertel oder Neuenkirchen. Das Foto zeigt die Filiale in Horneburg.

Der Discounter Netto hat weiterhin Interesse an einem Standort an der Oberen Lühe - in Mittelnkirchen, Guderhandviertel oder Neuenkirchen. Das Foto zeigt die Filiale in Horneburg. Foto: Vasel

Der Discounter Netto sucht einen Standort an der Oberen Lühe in der Samtgemeinde Lühe. Doch die Uhr läuft ab. Jetzt wagt Bürgermeister Timo Gerke einen letzten Anlauf.

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Von Björn Vasel
Freitag, 22.05.2026, 05:50 Uhr

Altes Land. „Wir benötigen zeitnah ein geeignetes Grundstück“, sagt Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke (parteilos). Im vergangenen Jahr hatten Eigentümer in Mittelnkirchen ein Angebot für eine Fläche am Lühe-Deich zurückgezogen.

Gesucht werde ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück möglichst in zentraler Lage an einer Hauptstraße - wie K36 oder L140. Zur Einordnung: Das wären etwas mehr als zwei Drittel eines Fußballplatzes.

„Ich halte die Versorgungssituation in unseren drei Mitgliedsgemeinden an der Oberen Lühe nach wie vor für außerordentlich schlecht“, sagt Gerke. Das gelte insbesondere für ältere Menschen, für Familien und für Bürger, die auf den ÖPNV angewiesen sind.

„Deshalb sollten wir weiterhin alles daransetzen, eine tragfähige Lösung für die Nahversorgung zu finden“, so Gerke. Die Unterversorgung hat sich seit Januar 2023 verschärft. Edeka-Kaufmann Heino Somfleth hatte aus Alters- und Gesundheitsgründen seinen Kaufmannsladen an der Kirche in Mittelnkirchen geschlossen.

Einzelhandelsexperte spricht von Unterversorgung

Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung hatte seinerzeit im Einzelhandelskonzept für die Samtgemeinde Lühe deutlich gemacht, dass ein Nahversorger in Neuenkirchen, Mittelnkirchen und Guderhandviertel fehlt. Die drei Räte teilen die Auffassung.

Ein Großteil der Kaufkraft der 3100 Einwohner der Oberen Lühe in Höhe von 11,4 Millionen Euro für die Waren des periodischen Bedarfs fließt ab. Insgesamt haben die mehr als 10.000 Einwohner der Samtgemeinde eine Kaufkraft von 76,3 Millionen Euro. Davon geben sie 39,5 Millionen Euro für Lebensmittel und für Drogeriewaren aus.

Kurzum: Lebensmittel, Getränke, Drogerieartikel, Wasch-/Putzmittel, Zeitungen und Heimtierfutter kaufen die Verbraucher aus den drei Orten vor allem in Dollern (Edeka), in Jork (Rewe, Aldi und Penny) und in Horneburg (Edeka, Rewe, Netto und Aldi). Die Märkte in Steinkirchen (Rewe) und Hollern-Twielenfleth (Penny) ziehen die Kunden aus den drei Dörfern lediglich vereinzelt an.

Netto will mehr Verkaufsfläche

Planungsrechtlich könnte Netto sofort loslegen. Dafür müsste eine der drei Mitgliedsgemeinden lediglich einen Bebauungsplan aufstellen. Zulässig wäre ein Nahversorger mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern.

Allerdings wünscht sich die Expansionsabteilung der Edeka-Tochter einen größeren Markt. Eine Verkaufsfläche von 1050 Quadratmetern ist im Gespräch. Damit wäre der Netto immer noch kleiner als der Rewe-Markt in Steinkirchen mit 1905 Quadratmetern.

Planungsrecht macht es im Alten Land kompliziert

Dafür müsste der Landkreis Stade allerdings im Regionalen Raumordnungsprogramm noch den Stempel N an der Oberen Lühe auf die Landkarte setzen. Dieses N steht für einen Standort mit herausragender Bedeutung für den Einzelhandel. Das fehlt im Entwurf 2026. Denn für einen großen Markt gelten strengere, kaum erfüllbare Vorgaben.

Der Discounter müsste zu Fuß erreichbar an Ortskern/Wohngebiete angebunden sein. Planer und Juristen sprechen von städtebaulich integrierten Lagen. 50 Prozent des Umsatzes müssten mit Kunden aus einem Umkreis von einem Kilometer erwirtschaftet werden können. Die Krux: Es handelt sich um langgestreckte Deichhufendörfer.

Auch im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms 2026 fehlt das Symbol N für einen großen Markt an der Oberen Lühe - im Gegensatz zu Hollern und Estebrügge.

Auch im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms 2026 fehlt das Symbol N für einen großen Markt an der Oberen Lühe - im Gegensatz zu Hollern und Estebrügge. Foto: Landkreis Stade

4000 bis 5000 Artikel führt der Discounter Netto in seinen Regalen. Sollte der zum Lebensmitteleinzelhandelskonzern Edeka gehörende Discounter in den nächsten Wochen nicht zum Zug kommen, wären halbautomatisierte Minisupermärkte eine Option.

Immobilie für einen Dorfladen gefunden

„Wenn ich kein geeignetes Grundstück für einen klassischen Lebensmittelmarkt finde, werde ich alternativ die Planungen für einen Tante-Enso- oder einen Hurtig-Dorfladen vorantreiben“, sagt Gerke.

Er habe bereits eine Immobilie im Auge, auch der Eigentümer wäre mit im Boot. Doch Dorfläden ließen sich wirtschaftlich nur betreiben, wenn ihnen kein Discounter einige 1000 Meter weiter das Wasser abgräbt. Er persönlich habe sich deshalb eine Deadline gesetzt. Sollte sich kein Grundstück finden, werde er den Dorfladen-Ansatz „ab Mitte Juni intensiver weiterverfolgen“.

Auch mit Hurtig gab es Gespräche, das Foto zeigt den Markt in Sauensiek.

Auch mit Hurtig gab es Gespräche, das Foto zeigt den Markt in Sauensiek. Foto: Vasel

Hurtig ist ein 24/7-Nahversorger. Mit App oder Kundenkarte können die Kunden nach einer Registrierung rund um die Uhr in dem Hurtig-Dorfladen einkaufen, wie es ihn in Sauensiek bereits gibt. In der Regel umfasst das Sortiment 2500 bis 3000 Artikel. Einige Märkte funktionieren als Hybrid: Es gibt personalbesetzte Öffnungszeiten zum Einkaufen ohne App/Kundenkarte und den eigentlichen 24/7-Betrieb.

An der Oberen Lühe fehlen Einkaufsmöglichkeiten. „Tante Enso“ könnte sich hier ansiedeln.

An der Oberen Lühe fehlen Einkaufsmöglichkeiten. „Tante Enso“ könnte sich hier ansiedeln. Foto: myEnso

Ein ähnliches Konzept verfolgt myEnso. Es versteht sich als moderner Tante-Emma-Laden. In diesem Jahr soll die 100. Filiale eröffnet werden. Dörfer, die Interesse an einer Ansiedlung haben, müssen mobilisieren. Um die 500 Anteile müssten an der Genossenschaft gezeichnet werden, damit ein Markt mit rund 200 Quadratmetern Verkaufsfläche realisiert werden könnte. 2023 äußerte das Unternehmen grundsätzliches Interesse an der Oberen Lühe, die nächste Filiale ist in Moisburg.

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