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Kommunalpolitik

TDroht dem Jugendzentrum in Steinkirchen das Aus?

Eigentümer Johannes Cordes vor dem Jugendzentrum in Steinkirchen.

Eigentümer Johannes Cordes vor dem Jugendzentrum in Steinkirchen. Foto: Vasel

Die Heizung im Jugendzentrum ist kaputt. Der Eigentümer will investieren. Im Gegenzug wünscht er sich von der Samtgemeinde Lühe einen Mietvertrag bis 2036. Ausgang offen.

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Von Björn Vasel
Donnerstag, 23.04.2026, 10:10 Uhr

Steinkirchen. Wie geht es weiter mit dem Jugendzentrum in Steinkirchen? Mit dieser Frage hat sich der nicht öffentlich tagende Samtgemeindeausschuss beschäftigt. Eigentümer Johannes Cordes müsste kräftig investieren.

Die Heizung verliere durch Leckagen aktuell jeden Tag etwa 50 bis 70 Liter Wasser. Die Vor- und Rücklaufleitungen verlaufen etwa 50 bis 70 Zentimeter unter der Bodenplatte. Cordes: „Wenn wir nicht handeln, haben wir bald einen kapitalen Bauschaden.“ Er sei bereit, die notwendigen Investitionen zu tätigen.

Vermieter fordert Planungssicherheit

„Ich will, dass die Jugendarbeit im Dorf bleibt“, so der Obstbauer. Seit 2003 ist das Jugendzentrum in der Bürgerei 62 in Steinkirchen untergebracht. Ursprünglich gehört das Haus der Sparkasse. Vor der Nutzung für die offene Kinder- und Jugendarbeit der Samtgemeinde Lühe wurde es als Restaurant genutzt.

Um die 35.000 Euro müsse er in die Heizungssanierung investieren. Auf dem Putz müssten neue Heizungsleitungen verlegt und neue Heizkörper montiert werden. Laut des von ihm beauftragten Fachbetriebs bestehe „dringender Handlungsbedarf“, um den sicheren Betrieb der Heizung zu gewährleisten.

Blick in das Jugendzentrum in Steinkirchen - vorher als Sparkasse und Restaurant genutzt.

Blick in das Jugendzentrum in Steinkirchen - vorher als Sparkasse und Restaurant genutzt. Foto: Vasel

Doch vorher müsse eine offene Frage geklärt werden. Laut Mietvertrag habe die Samtgemeinde ein sechsmonatiges Kündigungsrecht. „Ich benötige aber Planungssicherheit“, sagt Cordes. Die Investition müsse sich für ihn wirtschaftlich rechnen. Und: Sollte die Kommune kündigen, müsste er die Immobilie an der L140 möglicherweise vor einer Neuvermietung umbauen.

Dabei habe er keinerlei Interesse, die aktuelle Nutzung in Frage zu stellen. Er schätze die Arbeit der Jugendpflege und wolle den Standort langfristig sichern.

Cordes will defekte Heizung reparieren lassen

Deshalb habe er der Samtgemeinde bereits einen Vorschlag unterbreitet: Er investiere in die Reparatur der alten Heizungsanlage. Im Gegenzug verlängere die Kommune den Mietvertrag um zehn Jahre bis 2036 und kümmere sich künftig um den Innenbereich, er um den Gebäudekörper und die Instandsetzung und Erneuerung des Heizungskessels. Substanzschäden, die über die normale Abnutzung an Türen, Bodenbelägen und Sanitäranlage hinausgehen, müsse die Kommune als Mieterin tragen. Er sei zu weiteren Investitionen bereit.

Eingangsbereich des Jugendzentrums in Steinkirchen.

Eingangsbereich des Jugendzentrums in Steinkirchen. Foto: Vasel

Ohne diese Zusagen müsse er möglicherweise „zur Schadenabwehr“ aus dem Mietverhältnis aussteigen. Aktuell zahle die Kommune 1800 Euro im Monat als Miete. Dass er jetzt an die Öffentlichkeit gehe, habe einen Grund: Aufgrund des Rechtsstreits zwischen der Samtgemeinde und ihm um die über Jahre illegale Nutzung der Sportanlage Striep durch die Vereine stehe er in der Kritik. Er wolle verhindern, dass unter anderem Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke ihm auch noch in der Angelegenheit „zu Unrecht“ den Schwarzen Peter zuschiebe. „Mein Ziel ist eine einvernehmliche Lösung“, sagt Cordes.

Kommune will frühestens im Herbst entscheiden

Die Samtgemeinde Lühe stehe zur Jugendarbeit in Steinkirchen, so Gerke. Politik und Verwaltung seien sich einig, dass Entscheidungen über einen langfristigen Mietvertrag aufgrund des Haushaltsrechts erst im Herbst 2026 von dem am 13. September zu wählenden Samtgemeinderat getroffen werden können, verbunden mit dem Satzungsbeschluss zum neuen Etat 2027. Er könne sich vorstellen, dass Cordes zeitnah eine Nutzung bis zum 31. Dezember 2027 zugesagt wird.

Schaukasten der Jugendpflege der Samtgemeinde Lühe.

Schaukasten der Jugendpflege der Samtgemeinde Lühe. Foto: Vasel

Eine funktionierende Heizung sei für ihn als Mieter dieser Immobilie „eigentlich selbstverständlich“. Jugendarbeit habe bereits bei 16 Grad Celsius stattgefunden. Gerke: „Wir können jetzt nicht sagen, dass wir die Immobilie zehn Jahre nutzen. Das muss ich ganz ehrlich sagen.“ Bei einer Kündigung gebe es Alternativen - etwa die Fernsicht in Grünendeich.

„Der Standort in Steinkirchen ist sehr gut, die Jugendarbeit in der Bürgerei läuft sehr gut“, betont Steinkirchens Bürgermeisterin Sonja Zinke von der CDU-Fraktion. Eine Kündigung stehe nicht im Raum. Die Lage sei zentral. Es gelte, Ruhe in die Verhandlung zu bringen und Fördermöglichkeiten der Dorfregion auszuloten. Wahrscheinlich könnten ab dem 30. September erste Förderanträge für energetische Sanierungen gestellt werden.

Die Samtgemeinde stehe zu der Jugendarbeit in Steinkirchen, ist sich Gerke mit der Vorsitzenden des Sozialausschusses, Ulrike Mohr (Grüne), einig.

Die Verwaltung habe den Auftrag, Gespräche mit Cordes zu führen, so Mohr. 380.000 Euro lasse sich die Kommune die Jugendarbeit im Jahr kosten, alle drei Stellen sind besetzt. Nach Steinkirchen und Twielenfleth (Alaska) soll es nahe der Grundschule Guderhandviertel bald einen dritten Standort geben. Dabei bleibe es.

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