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Bauarbeiten

TEin Puzzle aus Beton und Stahl: So entsteht die Grundschule in Jork

Die neue Grundschule in Jork wird aus einzelnen Modulen zusammengeschraubt. Per Kran werden die Wandstücke an die richtige Stelle gehoben.

Die neue Grundschule in Jork wird aus einzelnen Modulen zusammengeschraubt. Per Kran werden die Wandstücke an die richtige Stelle gehoben. Foto: Haardt

Wie bei einem 3D-Puzzle stapeln Bauarbeiter die Wände der neuen Jorker Grundschule aufeinander. Wie das funktioniert - und was die Grundschule mit Amazon gemeinsam hat.

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Von Rebecca Haardt
16.10.2026, 15:50 Uhr

Jork. Die Oberschule Jork liegt am Mittwochnachmittag verlassen da. Die Stühle in den Klassenräumen sind ordentlich auf die Tische gestellt und kein Laut dringt aus dem Gebäude. Die Schüler haben Herbstferien und machen Pause vom Schulalltag. Hinter dem Schulgebäude hingegen wird sich keine Pause gegönnt. Dort schreiten die Bauarbeiten an der neuen Grundschule Jork unaufhaltsam voran.

Ein großer roter Kran überragt das Baugelände. Auf dem sind in den letzten vier Wochen drei Gebäudeteile in die Höhe gewachsen: das Schulgebäude mit Klassenzimmern und Verwaltung und daneben der Teil, in dem Aula und Altländer Archiv untergebracht werden, außerdem die Sporthalle. Noch fehlen Dämmung und Fassade. Die Wände, die bereits stehen, sind aus nacktem, grauem Beton.

Aus dem Gebäude, in dem Klassenzimmer und die Verwaltung untergebracht sein werden, ragt ein großer Kran.

Aus dem Gebäude, in dem Klassenzimmer und die Verwaltung untergebracht sein werden, ragt ein großer Kran. Foto: Haardt

Bauleiter Sergej Kemler erklärt, dass der Fokus der Arbeiten aktuell auf dem Schulgebäude liege. In dessen Lichthof steht der rote Kran und hievt große Betonplatten in die Höhe. Er spielt bei der Errichtung des Rohbaus die Hauptrolle.

Ein 3D-Puzzle aus Nordrhein-Westfalen

Die Grundschule kostet die Gemeinde Jork knapp 29 Millionen Euro. Realisiert wird das Mammutprojekt vom Unternehmen Goldbeck. Erster Spatenstich war im März dieses Jahres. Mittlerweile steht schon ein großer Teil des Rohbaus.

Der Grund für den schnellen Arbeitsfortschritt: Die Schule wird wie ein sehr großes, sehr aufwendiges 3D-Puzzle aus vielen verschiedenen vorproduzierten Einzelteilen zusammengesetzt. Die werden in den Goldbeck-Werken hergestellt: 17 bis 20 Zentimeter dicke Betonwände, eingerahmt von Stahlkonstruktionen, die das Gebäude tragen.

Ein einzelnes Modul wiegt zwischen sieben und zehn Tonnen, je nachdem ob die Wand tragend ist oder nicht. Die Maße der einzelnen Teile sind ebenfalls unterschiedlich, je nachdem wo sie im Bau hingehören. Damit am Ende auch alles zusammenpasst, gebe es einen genauen Plan, sagt Kemler.

Wenn ein Modul in Jork eingebaut wird, hat es bereits eine etwa 300 Kilometer weite Reise hinter sich: Die Wände werden im Goldbeck-Werk im westfälischen Hamm betoniert und machen sich dann auf den Weg ins Alte Land. Die zum Teil sieben Meter langen Wände werden genau getaktet angeliefert, damit die Baustelle nicht mit Material überfüllt wird.

Module werden fest verschraubt

In Jork hievt der Kran die Wandstücke an die richtige Stelle. Die Wand wird vom Kran vorsichtig an den Rand des zweiten Geschosses herabgelassen und von den Bauarbeitern in die richtige Position gebracht. Dann dröhnt das Geräusch des Trockenbauschraubers über die Baustelle. Ungefähr 14 dicke Schrauben halten jedes Modul an seinem Platz.

Ein einzelner Wandabschnitt kann bis zu 10 Tonnen wiegen. Für größtmögliche Effizienz werden die Wände sogar bereits verglast angeliefert.

Ein einzelner Wandabschnitt kann bis zu 10 Tonnen wiegen. Für größtmögliche Effizienz werden die Wände sogar bereits verglast angeliefert. Foto: Haardt

Abgesehen vom Schrauben ist es ziemlich ruhig hinter dem Schulzentrum Jork. Momentan seien zwischen 15 und 20 Arbeiter im Einsatz, erklärt Kemler, deutlich weniger, als wenn die Gebäude Stein für Stein gemauert werden würden. Noch eines macht die Arbeit besonders schnell: Die Elemente für das Schulgebäude werden bereits mit verglasten Fenstern geliefert. Nebenan ist das anders.

Sporthalle und Archiv statt Amazon-Lagerhalle

Hier sind die Fenster in den hohen Betonwänden noch offen, das Glas kommt später rein. Normalerweise kommt diese Art Bausatz, das Goldbeck-Produkt „Halle”, bei Lagerhallen wie Amazon-Verteilerzentren zum Einsatz, erklärt Kemler. In Jork wird darin das Altländer Archiv untergebracht sowie die Aula und Duschen und Umkleiden für die Sporthalle. Die Sporthalle wird ebenfalls nach dem Prinzip „Halle” gebaut.

Die Goldbeck-Halle ist in ganz Deutschland zu finden, zum Beispiel am Bildungscampus in Riensförde. Während die Jorker Sporthalle also ein Standardprodukt ist, sind der Gebäudeteil fürs Altländer Archiv und die Sozialräume der Sporthalle individueller. In Jork werden in das Gebäude mehr Wände als in eine klassische Lagerhalle eingezogen. Weitere Anpassungen müssen unter anderem bei den Duschen gemacht werden.

Recyclingbeton für Nachhaltigkeitszertifikat

Dort, wo sich in Zukunft die Grundschüler nach dem Sport abbrausen sollen, ragen zwischen den rohen Betonwänden grüne Rohre aus dem aufgegrabenen Untergrund. Das sind die Schmutzwasserabflüsse. Darüber ist der graublaue Himmel zu sehen, denn gedeckt ist das Gebäude noch nicht. Aber die Dachkonstruktion liegt schon oben auf: dicke hölzerne Dachbinder.

Hölzerne Dachbinder und darunter grüne Rohre: Hier entstehen die Duschen.

Hölzerne Dachbinder und darunter grüne Rohre: Hier entstehen die Duschen. Foto: Haardt

Goldbeck arbeite auch mit Stahlbindern, die Holzvariante sei jedoch nachhaltiger, so Kemler. Das Unternehmen strebe in Jork eine Nachhaltigkeitszertifizierung von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen an und setze deshalb auf Recyclingbeton, der möglichst wenig Zement enthalte, erklärt er weiter.

Bauleiter Sergej Kemler leitet die Arbeiten in Jork.

Bauleiter Sergej Kemler leitet die Arbeiten in Jork. Foto: Haardt

Bis zur Zertifizierung wird es noch etwas dauern. Wenn der Rohbau steht, wird das Gebäude gedämmt und schließlich mit einer Klinkerfassade versehen. Wenn alles glatt läuft, können die Schüler bereits zum Schuljahresbeginn im August 2027 in das neue Gebäude ziehen.

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